Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 15 (1915)
- Issue
- Heft 1-5 (Januar-Mai 1915)
- Article
- Palästina während des Krieges
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 33 - 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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33 Viktor Weißmann: Palästina während des Krieges. 34 Der Tempelplatz mit der OmarsMoschee in Terusalem. Naturalisationserlaubnis eingereicht worden; und nun setzte eine große Ottomanisicrungsbeweguiig ein, i& deren Verlauf gegen zwanzigvtausend zum allergrößten Teil russische Juden ottomanische Staatsbürger wurden. Daß nicht sofort eine noch größere Zahl sich naturalisieren ließ, liegt hauptsächlich an den persönlichen Verhältnissen der ausländischen Juden, deren Familien oder Vermögen sich noch in Rußland befinden. Die Anordnungen der türkischen Kegierung, daß diejenigen Juden feindlicher Staaten, welche nicht Ottomanen werden wollen, nach Ablauf einer bestimmten Frist die Türkei verlassen müßten, hätten bei einer vorausgesehenen Fristverlängerung kaum praktische "Wirkungen gehabt, weil sich wohl auch der größte Teil der bis dahin noch nicht naturalisierten Juden ottomanisiert hätte .— wenn nicht das Auftreten des kurz vor Ausbruch des türkischen Krieges in Jaffa neu eingetroffenen Kaimakams BehaeddinBey das Fortschreiten der Ottomanisierungsbewegung gestört und die jüdische Bevölkerung Palästinas äußerst beunruhigt hätte. Behaeddin Bey zeigte sich als entschiedener Gegner der ganzen jüdischen Arbeit in Palästina. Seinem Programm entsprechend suchte Behaeddin Bey auch zu handeln. Er tat alles, um die Ottomanisierung der ausländischen Juden nach' Möglichkeit zu erschweren. Die ganze Arbeit der Eintragung wurde einem einzigen Beamten überlassen, der in wenigen Tagen mehrere tausend Gesuche erledigen sollte. Vorschläge, besondere Kommissionen zur Aufnahme der jSraturalisationsgesuch'e in die verschiedenen größeren Kolonien zu entsenden, wurden abgelehnt und zahlreiche andere Schwierigkeiten bereitet*). Ganz unerwartet wurde hierauf am 17. Dezember die Verordnung1 erlassen, daß sämtliche Juden, die bisi zu diesem Tage noch nicht ottomanisiert waren, das Land s o fo r t mit einem italienischen Personendampfer verlassen müssen. Gegen "680 Personen zwang diese willlnirliche Maßnahme Behaeddin B e y s zum Verlassen des Landes. Als die Nachricht hiervon nach Konstantinopel gelangte, wurden dort sofort die nötigen Schritte eingeleitet und die Re- *) In 'Galiläa, wo die Behörden sich durchaus entgegenkommend verhielten, wurden in kurzer Zeit volle 100 o/o der Gesuche tatsächlich erledigt und alle Antragsteller erhielten ihren IST. efus; in Haifa wurden 2000 Naturalisationen vorgenommen, bloß zwei Personen kamen nicht um die Naturalisierung ein: ein französischer Jude uud ein russischer, der in der Kanzlei des russischen Konsulats als Schreiber tätig gewesen war.