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Ost und West · 1915-01-01 · Heft 1-5 (Januar-Mai 1915) · p. Seite 31 - 32

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Journal
Ost und West
Volume
15 (1915)
Issue
Heft 1-5 (Januar-Mai 1915)
Article
Palästina während des Krieges
Date
1915-01-01
Page
Seite 31 - 32 (sequence 1)
Language
German
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31 Viktor Weißmann: Palästina während des Krieges. 32 PALASTINA WAHREND DES KRIEGES. Von Viktor Weißmann. Bevor noch die Türkei in den europäischen Krieg eintrat, zeigten sich in Palästina die ersten .Folgen einer Krisis, unter der es seither zu leiden nicht aufgehört hat. Mit einem Schlage war Palästina aus dem Weltverkehr ausgeschaltet, gerade weil dessen wichtigste Straßen an ihm vorüberführen. Die Schiffahrtslinien, die sonst regelmäßig die syrische Küste anlaufen, stellten schon im Augast — mit einer einzigen Ausnahme — ihren Verkehr ein. Post, Ware und Geld blieben aus. Solange die Türkei noch nicht zu den kriegführenden Staaten gehörte, wurde das Ausbleiben des G-eldes am schwersten empfunden. Da kein Gold mehr ins Land kam, schwand das Bargeld aus dem Verkehr und eine gewaltige Preissteigerung trat ein. Schon in der ersten Zeit dieser großen Geldknappheit gelang es aber der Anglo P a 1 e s t i n e Company, eine Erleichterung des Zahlungsverkehrs herbeizuführen, indem sie ihren Kunden, die Guthaben bei ihr unterhalten, Gelegenheit gab, Schecks an eigene Order auf sie zu ziehen, welche in Blanco giriert und von den Ausstellern in Umlauf gesetzt wurden. Diese Schecks, die von der Bank mit dem Vermerk „registriert" und der Bankunterschrift versehen wurden, kamen in festen Beträgen zu 8, 10, 20 und 100 Pranken in den Verkehr. Da alle Institutionen im Lande seit Anfang der Krisis ohne Einnahmen geblieben waren, konnte diese Operation der Anglo Palestine Company außerordentlich segensreich wirken. Dem Beispiel der Anglo Palestine Company folgend, hat dann auch die Deutsche P a 1 ä s t i n a b a n k dieselbe Maßnahme getroffen. Trotzdem war schon in den ersten Wochen des Weltkrieges die wirtschaftliche Situation in Palästina eine so kritische, daß' Hilfe von außen kommen mußte. Leben doch tausende Juden in den palästinensischen Städten von der Chalukkah, Export und Import hörten auf, Arbeitslosigkeit drohte und eine Hungersno t schien nicht ausgeschlossen. Das Schwerste wurde aber abgewendet. Die Ausgabe _ der registrierten Schecks durch die Anglo Palestine Company hob die An der Klagemauer. Schwierigkeiten des Zahlungsverkehrs; ein unter der Leitung- Dr. Buppins, des Direktors der Anglo-Palestine Company und des Führers der Chowewe .Zion stehendes Komitee organisierte die Getreideversorgung, die mit Hilfe des noch von der vorjährigen Ernte lagernden Getreides in den Farmen des Jüdischen National-Fonds und in den Galiläischen Kolonien gelang; und schließlich wurde auch eine Beine von Wohltätigkeitsinstituten (Suppenküchen, Darlehnskassen, billigen Lebensmittelverkäufen usw.) geschaffen, denen dauernde Arbeitsmöglichkeit gegeben war, als die Hilfsaktion der amerikanischen Juden für die j^lästinensischen Brüder eingesetzt hatte. Die Schwierigkeiten wurden natürlich noch größer, als die Türkei selbst in den Krieg eintrat und so mit einem Male Tausende von Juden, die schon in Palästina ihre wahre und einzige Heimat gefunden hatten, daran erinnert wurden, daß sie um ihrer Herkunft willen als Angehörige eines feindlichen Staates betrachtet werden könnten. Da die Türkei in Palästina den Feldzug gegen Aegypten vorbereitete und die Küste Palästinas von der englisch-französischen Flotte bedroht war, lag von vornherein die Befürchtung nahe, daß gerade dort besonders harte Maßregeln gegen die feindlichen Ausländer ergriffen werden würden. In dieser Situation bewies die türkische Begierung in Konstantinopel, daß sie die jüdische Bevölkerung sehr wohl zu schätzen verstehe. Sie gestattete nämlich den Juden, sofort ottomanische Untertanen zu werden. Während das Gesetz vorschreibt, daß ein fünfjähriger Aufenthalt in der Türkei und die Zahlung einer Steuer zur Naturalisation erforderlich sind, erhielten alle Juden, gleichgültig, wie lange sie in der Türkei wohnen und welcher Nationalität sie sein mögen, die Erlaubnis, ottomanische Untertanen zu werden. Die Steuer hierfür sollte von ihnen nicht pro Kopf, sondern pro Familie erhoben und die arme Bevölkerung ganz hiervon befreit werden. Ferner sollten die natura lisierten Juden für ein Jahr vom Militärdienst frei sein. In Palästina waren Massengeo-esuche um die

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