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Ost und West · 1915-01-01 · Heft 1-5 (Januar-Mai 1915) · p. Seite 17 - 18

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Journal
Ost und West
Volume
15 (1915)
Issue
Heft 1-5 (Januar-Mai 1915)
Article
Erziehung zum Hass
Date
1915-01-01
Page
Seite 17 - 18 (sequence 3)
Language
German
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17 Erziehung zum Haß. 18 JpP §K;A >^V;\i» ^'3^1 ffL Ephraim Keyser Kopfleiste der Zeitschrift „Jewisch Comment" Baltimore ständen macht. Man kann sicher sein, daß jeder, der über seine Gemeinschaft schimpft, ihre schlimmsten Eigenschaften in sich verkörpert und nichts von ihren Tugenden hat. Umgekehrt wird jeder, der viel von den Erbtugenden seines Stammes und wenig von dessen Fehlern in sich vereinigt, dessen Ehre verteidigen und eben diese Fehler und Untugenden, die ihm nicht anhaften, milde und versöhnlich beurteilen. Mr. Chamberlain verzeichnet mit grinsendem Behagen die Aeußerung eines Franzosen, „die lieben englischen Verbündeten stammen von einer Kreuzung zwischen Hund und Pferd ab". Wer wird es wagen, dem zu widersprechen? Wieviel von dieser Sorte Engländer noch in England zurückgeblieben sind, läßt sich allerdings zurzeit nicht feststellen. * Lissauers Missetat erscheint um so schlimmer, als er damit Hunderttausende wackerer „echter" Deutscher angesteckt hat. Bekanntlich hat der Kronprinz von Bayern das Gedicht mit einer prächtigen Einleitung den Truppen in einem Tagesbefehl empfohlen, es hat seither eine Verbreitung von mehr als einer Million Exemplaren gefunden. Er hat isogar einen christlichen Geistlichen, den Stadtpfarrer von Nürnberg, Julius Schiller, verführt, der den Haßgesang förmlich heilig gesprochen hat. Auch jene Truppenführer, die in den Schützengräben den Gruß „Gott strafe England" eingeführt haben, sind (gewiß von Lissauer dazu .verleitet worden. Seine verderbliche Ansteckungskraft wirkte sogar nach rückwärts. Lange vor ihm haben Agnes Härder und Ida Boy-Ed in flammenden Worten den unversöhnlichen, „großen", „heiligen" Haß gepredigt. Auch jene „Germanin" — eine Holländerin war's —, von der der „Türmer" rühmend erzählt, sie habe geschrieben: „Ich verstehe jetzt, wie man haßt, mit dem heißesten, heiligsten Hasse." Ebenso jener Herr Eduard Engel, der dem Dr. Ludwig Haas gehörig die Leviten gelesen hat. Der Abgeordnete Dr. Ludwig Haas kämpft nämlich ebenfalls als wackerer Deutscher mit, entstammt aber einem Volke, das usw. Nun hat er während eines Urlaubs Vorträge gehalten und betont, daß; das deutsche Volk seinen Gegnern gar keinen Haß entgegenbringe. Er berief sich dabei auf seine Beobachtungen im Schützengraben, wo die deutschen Soldaten den Franzosen gegenüber eher Sympathie und Mitleid als Haß empfinden. Darob entbrannte der männliche Zorn Ides Herrn Eduard Engel, der eine Kriegschronik herausgibt, und er verbot dem Abgeordneten Haas kategorisch, im Namen des deutschen Volkes zu sprechen und derartige Behauptungen aufzustellen, bevor er das sämtliche deutsche Volk befragt habe. ■Er aber, Eduard Engel, versichert, das gerade Gegenteil von dem, was jener behauptet, sei wahr. Auf Lissauers Rechnung sind offenbar auch folgende Gedichte zu setzen: O Deutschland, jetzt hasse mit eisigem Blut, Hinschlachte Millionen der teuflischen Brut, Und türmten sich berghoch in Wolken hinein Das rauchende Fleisch und das Menschengebein! O du Deutschland, jetzt hasse geharnischt in Erz! Jedem Feind ein Bajonettstoß ins Herz! Nimm keinen gefangen! Mach jeden gleich stumm! Schaff zur Wüste den Gürtel der Länder ringsum! (Aus Heinrich Vierordts Hymne: „Deutschland hasse!") Und der sanfte Alfons Petzold singt: Oh, daß ich könnte jetzt in jeder Kugel sein, Die fröhlich zischend ein Menschen herz grüßt! Oh, daß ich könnte jetzt atmen in jeder Säbelklinge, Die flammenrasch ein warmes Menschenherz küßt. Genug! . . . Es wäre nur recht und billig, wenn jetzt ein anderer Mr. Chamberlain käme und nachwiese, daß Lissauer einem Volke entstammt, das keines echten, kräftigen Gefühls fähig ist, dem besonders der

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