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Ost und West · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 901 - 902

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Geh. Kommerzienrat L. M. Goldberger
Date
1913-11-01
Page
Seite 901 - 902 (sequence 2)
Language
German
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Geli. Komnierzieurat L. M. Goldl »erger. 902 \0 Judentum, das von unseren Feinden aufgebracht und das von manchen Juden gedankenlos nachgesprochen wurde, konnte auf diesen klaren Geist keinen Eindruck machen. Als gegen Ende des Jahres 1905 Heinrich Meyer Cohn durch einen frühen Tod der treuen Mitarbeiterschaft an dem segensreichen Werk der Alliance entrissen wurde, und Neumann, nahezu ein Neunzigjähriger, sich seiner Aufgabe als Leiter des Berliner Alliance- Comites nicht mehr gewachsen fühlte, trat L. A\. Goldberger in die Bresche. Mit seinen beiden genannten Vorgängern in der Tätigkeit für die Alliance hatte er das volle Verständnis für ihre Aufgaben und ihre Verdienste gemein. Er wusste, welchen Segen die Alliance durch ihr Eintreten für unsere verfolgten und rechtlos gemachten Glaubensbrüder in barbarischen und halbbarbarischen Ländern und durch die Unterhaltung der jüdischen Schulen im Orient die Jahre hindurch gestiftet hat. Gerade er, der bei den höchsten Persönlichkeiten in Deutschland wegen seines gemeinnützigenWirkens so viel Anerkennung gefunden hatte, konnte es am besten beurteilen, ob es nötig sei, wegen der niedrigen Verleumdungen unserer Feinde, die auch sonst nicht ausbleiben würden, auf die religiöse Solidarität der Juden zu verzichten. Ihm war es klar, dass dies gerade die ethische Bedeutung des religiösen Bekenntnisses ist, dass es die Gegensätze überbrückt und nicht dasjenige sucht, was die Menschen trennt, sondern im Gegenteil gerade dasjenige, was die Menschen vereinigt. Alle religiösen Bekenntnisse, am meisten der Katholizismus und in hohem Grade auch die evangelische Kirche, machen an den nationalen und politischen Grenzen keinen Halt. Dies dem Judentum als eine schädliche Eigenschaft Vorzuwerfen, ist um so unsinniger, als gerade die jüdische Glaubensgemeinschaft jede materielle und politische Macht entbehrt und ihre Tätigkeit darauf beschränkt, den wegen ihres Glaubens verfolgten Brüdern nach Möglichkeit Hilfe zu gewähren Von dieser Erkenntnis ausgehend und vom Gelühl der warmen Menschenliebe beseelt, begann Goldberger Anfang des Jahres 1906 seine eifrige und segensreiche Tätigkeit für die Alliance, der er seine organisatorische Kraft mit voller Hingabe widmete. Eine solche tatkräftige Persönlichkeit für das Wirken der Alliance in Berlin und in ganz Deutschland tat damals sehr not. Denn den Pogromen, die in den letzten Monaten des Jahres 1905 gegen die Juden in Russland stattgefunden und über hunderte von jüdischen Gemeinden unsägliches Elend gebracht hatten, folgte ein starker Auswanderungsstrom der russischen Juden, der sich zum grössten Teil überDeutschland ergoss. Die deutschen Comites der Alliance mussten helfend eingreifen und zu diesem Zwecke alle Kräfte sammeln und aufs äusserste anspannen. In diesen schweren Tagen bewährte sich die aussergewöhnliche Tatkraft Goldbergers, seine Umsicht, sein klarer Blick und seine Arbeitsfreudigkeit. Damit sich das Hilfswerk der Alliance auf deutschem Boden nicht zersplittere, vereinigte er organisatorisch alle Lokal- und Provinzial- Comites, die in Gemeinschaft mit der Zentrale in Paris den Kampf gegen das Massenelend auf nah men Unermüdlich arbeitete der Verstorbene zum Wohle Geh. Kommerzienrat L. M. Goldberger.

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