Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Geh. Kommerzienrat L. M. Goldberger
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 899 - 900 (sequence 1)
- Language
- German
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«99 900 iwävw''"W/l MITTEILUNGEN des CentraKomitesder M AllianceJsrd61HeUniverselle no rn p^iy xfjjjr bsnty I ßureau des Cemral-Comrtes:ParisA5.RuelaBruyere^^fp^Deutsches Bureau: Charlottenburg,Grolman -Str-^ GEH. KOMMERZIENRAT L. M. GOLDBERQER. T Am 22. Oktober ist nach längerem schweren Leiden ein Mann dahingegangen, der in der Oesellschaft eine hervorragende Stellung eingenommen hat, dessen Leben Jahrzehnte hindurch in rastloser unermüdlicher Tätigkeit dem Gemeinwohl gehörte. Ludwig Max Ooldberger war eine markante, grosszügige Persönlichkeit von seltener Initiative und Tatkraft. Sein Lebenselement war die Arbeit, die gemeinnützige, dem Wohle seiner Mitmenschen und seiner Glaubensgemeinschaft gewidmete Arbeit — und er hörte erst zu arbeiten auf, als sein Lebenslicht erlosch. Der Verstorbene, dessen allzu frühen Heimgang wir als schweren Verlust beklagen, war der sympathische Typus eines westeuropäischen Juden, in dem sich treue Liebe zum Judentum und hervorragender Bürgersinn vereinigten. Er gehörte seiner Glaubensgemeinschaft an, deren Wohl zu fördern er sich stets bestrebte, und in hervorragender Weise diente er den öffentlichen Interessen, dem Bürgertum, der materiellen und geistigen Hebung der werktätigen Arbeit. Was Goldberger im öffentlichen Leben bedeutete, ist in Deutschland, und auch weit über dessen Grenzen hinaus, zur Genüge bekannt. Er besass eine ungewöhnliche organisatorische Kraft, die er für das Gemeinwohl verwendete. Die Anerkennung seiner nützlichen Tätigkeit wurde ihm früh zu teil, und sie diente ihm als Ansporn für eine erhöhte Anstrengung und für eine intensivere Betätigung im öffentlichen Leben. Er gab daher die eigne geschäftliche Tätigkeit auf und widmete sich nahezu ein viertel Jahrhundert hindurch ausschliesslich philantropischen und gemeinnützigen Unternehmungen. Was er auf den verschiedenen Gebieten geleistet hat, braucht hier nicht ausführlich dargelegt zu werden. Die gesamte Presse des In- und Auslandes hat bei der Nachricht von seinem Tode die Ergebnisse seiner tatkräftigen und organisatorischen Arbeit gewürdigt, und auch die warmen Beileidskundgebungen, die vom Kaiser, vom Reichskanzler, von den Ministern und sonstigen Persönlichkeiten in hervorragender amtlicher und gesellschaftlicher Stellung an die Witwe des Heimgegangenen gelangt sind, zeugen von der. Anerkennung, die den Verdiensten Goldbergers zuteil geworden ist. lieber diese Erfolge hat L. M. Goldberger niemals seine Pflicht gegen seine Glaubensgemeinschaft vergessen. Er war und blieb Zeit seines Lebens ein treuer Sohn des Judentums, dem zu dienen, wo ihm dies gegeben war, er niemals verabsäumte. In religiöser Beziehung der konservativeren Anschauung huldigend, wenn er auch für die anderen Richtungen im Judentume ein weitgehendes Verständnis zeigte, widmete sich der Verstorbene dem Dienste der jüdischen Gemeinde in Berlin, in deren Vorstand der tatkräftige und umsichtige Mann berufen wurde. Als er später wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinen "Amtskollegen aus dieser Körperschaft schied, wirkte er Jahrzehnte hindurch im Kuratorium der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums", wo er mit dem unvergesslichen Salomon Neumann längere Zeit zusammen arbeitete. Man wird sich daher nicht wundern, dass Goldberger soviel Interesse und warme Liebe für die Aufgaben der Alliance zeigte. Denn was Salomon Neumann als eifriger und verdienstvoller Mitarbeiter der Alliance bedeutete, ist allgemein bekannt. Er war es, der nach den Ereignissen der Jahre 1870/71 die deutschen Juden auf ihre Pflichten gegen die jüdische Gemeinschaft hinwies und vor jeder Zersplitterung der Kräfte warnte. Das sinnlose Gerede vom internationalen