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Ost und West · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 887 - 888

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Das Begreifen der Welt
Date
1913-11-01
Page
Seite 887 - 888 (sequence 2)
Language
German
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887 Dr. EmamieL Lasker: „Das Begreifen der Welt". 888 Drange der Wesenheit übertroffen werden.) Und dieser Glaube ist nach der ausgezeichneten Darlegung des Autors der Regulator, der Führer, der < Leiter alJer Strebungen innerhalb einer Wollung. ihr psychisches Element, ihr Wesen, das Wesen ihres von uns wahrgenommenen Leibes. Wir können liier leider weder auf die vielen interessanten Laskerschen Ausdrücke, wie Wollung u. a. eingehen, noch das Wesen einiger wichtiger vom Sinn des Buches zeugender Substanzen, wie z. B. die Auffassung des Lebensbegriffes, darlegen und müssen daher nur. durch halbwegs deutliche Einbeziehung dieser Begriffe auf sie aufmerksam machon, um den Leser vorzubereiten und begierig zu machen. Es ist leicht ersichtlich, dass viele Vorteile sich ergeben, wenn wir auf dem Wege des Begrcifens nur dasjenige in Betracht ziehen, was uns unmittelbar dienen kann, wenn wir alles, was zur Erziclung eines Resultates nötig ist, auf das Ausserordentlich-Einlache und Uebcrsiehtliehe einstellen. „Denn ein Einfluss der nicht zu fassen ist, verdient nicht den Namen des Wirklichen. Stände es z. B. zur Diskussion, ob der Teufel wirklich sei, so wäre die erste Frage, ob der ihm zugeschiiebene Einfluss irgendwie zu prüfen, nachzuweisen, aufzudecken ist." Daraus bilde man sich die allgemeine Perspektive. Nur so kann „die rein skeptische Alternative", die uns in den meisten Fällen nur nutzlos stört, möglichst gemieden worden, so dass wir wenigstens in einem Teile der strömenden Welt uns zurechtzufinden vermögen. Ein solches Vorgehen wird naturgemäss viel energischer, zielbewusster aber auch ästhetischer ausfallen als ein im Zwielicht des eingeborenen Zweifels sich bewegendes. Der Ausdruck des Aesthetisehen jedoch wird bei einer solchen Behandlung wie der Laske'sehen mehr ordnender Natur sein, er wird den formalen Wissenschaften sich neigen, und so ergibt es sich wie von selbst, dass Mathematik end Logik sich hervortun werden. Lasker führt seine Beweise1 mathematisch, ein Umstand, der das Lesen des Werkes für den Laien zwar erschwert, der aber andererseits die gewonnenen Fundamentalsätze auch für denjenigen, der die Beweise nicht bis ins Innerste prüfen kann, erhärtet und gewichtig macht. Man vertraut dem ehrgeizigen Mathematiker, der seine Sätze der gelehrton Welt zur Prüfung vorlegt, und nimmt mit instinktivem Sinn nur das Wesentliche hin. Wie der Mathematiker seine Mittel benutzt, um bisher nicht genügend fixierte denkerisch-handwerkliceh Begriffe zu umgrenzen, das zeigen am besten einige im Abschnitt ,,Logik" sich vorfindende Heraushebungen; als die wertvollsten nenne ich die Darlegungen über die unentscheidbaren Urteile und über die unvollendbaren Begriffe. Die l nentscheidbaren Urteile sollen verworfen werden oder nur dazu crcbraucht werden, „um den Sinn, der dem A:\iom des Begrcifens innewohnt, genau zu. umschreiben." Man denke sich nun ein Werk über „unontsoheidbare Fragen", was dem Autor eventuell als eine unnütze Arbeit erscheinen könnte, — welche Bereicherungen würde ein solches bieten,.welche Erweiterung nnsces Denkfeldes! Denn niemand als der Verfasser weiss es besser, dass allen logischen Schlüssen ein Rest anhaftet, der quasi unentscheidbar ist, dass gerade auf diesem Gebiete die Grenzen sich verflechten. Gut: nur diejenigen Probleme mögen zur Lösung herangezogen werden, die einen erprob* baren Wert haben. Das Erprobbare ist oft das Erlebnis. Aber wie verschieden sind Erlebnisse, und vielleicht sind die seltensten, die wertvollsten. Hier sind wir fast ganz im Subjektiven; aber eben nur fast, denn der unvergängliche Wert des Laskerschen Buches ist ja der, dass er seine Welt, die sich glücklicherweise mit der sogenannten normalen deckt, als sein Wissen, als unser Wissen (oder Glauben) herausschneidet und scharf und streng untersucht. So erobert man Boden für Neues. Und das ist ein ungeheurer Gewinn. Umsonst wehrt sich der Autor nicht so oft und so nachdrücklich gegen „unentse heidbare Urteile"; er weiss, dass sie nur selten zu wirklicher Förderung führen, aber er weiss auch, wie nötig sie sind, und wie ohne sie die Welt noch unwirklicher wird. Eines aber möchte ich hier erwähnen, das ich nicht erfasst habe, und ich möchte es besonders hervorheben, weil im Beweise des Autors die denkbar beste Widerlegung der These enthalten ist. Diese ist uralt; ich meine die These von der Unendlichkeit der Welt. Den Fachphilosophen erscheint es schon seit langer Zeit als eine Lächerlichkeit, an der Unendlichkeit der Materie zu zweifeln; Endlichkeit der Materie, des Stoffes, begrenzte Masse ist ein unmoderner Begriff geworden. Es müsse doch hinter der endlichen Masse Raum existieren, das Stoffganze müsse doch dann Gestalt haben, so und anders wird behauptet und endlich leichten Herzens festgestellt. Wie gesagt: ich würde diese ganze Angelegenheit nicht berühren, wenn nicht Lasker bei den Darlegungen über das UnvolJendbare einen unwiderleglichen Beweis erbracht hätte, dass man in stofflichen Dingen, also A*or allem bei dem Begriff „Masse der Welt", nicht mit dem "Wort „unendlich" operieren dürfe. Lasker' will beweisen, dass es ein Ding „unendliche Zahl" nicht gibt und sagt: „das tatsächliche Vorhandensein (einer solchen Zahl) ist ein Prozess fortwährender Vergrösserung, also nicht ein unabänderliches Etwas, sondern ein sich nach Regeln verändernder Akt." Ein Prozess fortwährender Vergrösserung — das ists. Auf Unendlichkeit der Materie angewendet, bedeutet diese Feststellung folgendes: wenn die Masse der Welt unendlich sein soll, müsste sie sich fortwährend vergrößern. Und das ist ein Unding. Denn eine dauernde Vermehrung des Stoffes aus sich selbst ist unserm natürlichen Denken völlig zuwider. Somit muss aber die Endlichkeit des Stoffes als Tatsache hingenommen werden. Ausserhalb des Stoffes ist kein Raum, sondern das Nichts, eben nichts. Folgenngen kennen hier nicht gezogen, .Antworten nicht gegeben werden; die scheinbar unerhörte Tatsache sei nur erwähnt, weil im Laskerschen Buche die meiner Ansicht nach einzig mögliche Art von Lösung geboten wird. Lasker selbst rechnet, wie die Buddhisten, die Frage nach einem bestimmten Wert der Wellmasse zu den „lnentscheidbaren". Eben diese Feststellung wollte ich widerlegen: denn damit, dass die Behauptung der Endlichkeit der Empfindungsprobe nicht standhalten würde, ist noch nicht gesagt, dass der intellektuale Versuch fehlgehen muss. Den Raum begrenzen, — kein Raum ohne Materie — heisst

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