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Ost und West · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 875 - 876

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Die Glanzzeit des osmanischen Reiches
Date
1913-11-01
Page
Seite 875 - 876 (sequence 4)
Language
German
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875 Dr. Simon Bornfeld: Die Glanzzeit des osmanisclien Beiclies. 876 (1495). Obwohl er zuerst gute Charaktereigenschaften zeigte oder heuchelte, licss er sich vom spanischen Hofe zu einem grausamen und perfiden Akt gegen die Juden bereden. Um den Preis eine:' spanischen Heirat cliess er einen Befehl, dass alle Juden, sofern sie nicht das Christentum annehmen wollten, das Land sofort zu verlassen hatten; ihre Kinder aber, die noch nicht das 14. Lebensjahr vollendet hatten, sollten ihnen genommen und christlich erzogen werden. Viele Juden weigerten sich auch unter diesen Bedingungen, das Christentum anzunehmen, und suchten ihre kleinen Rinder heimlich in Sicherheit zu bringen. Dies gelang natürlich nicht immer, und bei der Trennung der jüdischen Kinder von ihren Eltern spielten sich unbeschreibliche Szenen in den Strassen ab, die zwar den König selbst, de,' einst Zeuge einer solchen Szene war, zum .Mitleid rührte--aber eine Milderung des grausamen Gesetzes blieb aus. Es lässt sich begreifen, dass viele Juden ihrer kleinen Kinder wegen im Land« blieben. Deshalb war auch die Zahl der Marranen in Portugal verhältnismässig viel grössei' als in Spanien. Die dort etablierte Inquisition bot alle ihre Kräfte und die gross [.mögliche Niedertracht auf, die heimlichen Juden mit Feuer und Schwer! zu verfolgen. Dieser Kampf gegen die portugiesischen.Marranon dauerte zwei Jahrhundertcund länger, und man kann es nicht genug bewundern, dass si-h das Judentum in Portugal trotzdem so lange erhielt. Freilich meint Spinoza, dass gerade diese feindliche Haltung der portugiesischen Regierung gegen die Marranen am meisten dazu beigetragen hätte, das Judentum in Portugal zu erhalten, während in Spanien, wo die Marranen politisch und gesellschaftlich gut behandelt wurden, die Assimilation sich schneller vollzog. Alle aber, die sich in der Folge flüchten konnten, wanderten nach Holland, England, Südfrankreich und Hamburg als „portugiesische Kaufleute" aus, wo sie zuerst heimlich, dann öffentlich als Juden leben konnten. Ein Teil der portugiesischen Marranen aber liess sich in der Türkei nieder. Nur in d iesem Lande gab es für die spanisch-portugiesischen Flüchtlinge volle Glaubensfreiheit, ohne jene kleinlichen Schikanen, wie sie z. IL die J uden in Hamburg und zuweilen sogar in Holland erfuhren. Sie nahmen im osmanisclien Weltrei'he sozial und politisch eine glückliche Stellung ein. Denn die osmanisclien Sultane Hajezeih IL (1481—1012), Sehm I. (1512—1520) und Suleiman I L (1520—66) haben die Bedeutung der Juden für das Aufblühen des Staates rirhtig erkannt und konnten sich nicht genug über die spanischen und portugiesischen Herrscher wundern, die ihre Länder nach den Batschlägen ihrer Beichtväter regierten und zugrunde ri-Iitoten. Lm das Jahr 1525 gab es grosse jüdische Gerneinden, die allmählich den spanisch-portugiesischen Typus erhielten (die frühere griechische, romaniotische und italienische Judenheit ging in der Folge in der spanisch-portugiesischen auf), in Syrien und Palästina, in Kleinas'en und in Aegypten und in den Ländern der europäischen Türkei, wo die Gemeinden .Konstantinopel, Adrianopel, Sofia, Saloniki, Walona, Janina und viele andere zu hoher Blüte gelangten. Es entstand neues jüdisches Leben, das sich reich entfaI tete und I>aId < 1 en AnIaii f nalim, die gesamte Judenheit zu beeinflussen und zu beherrschen. (Schiiiu folgt.) JUDEN ALS ERFINDER UND ENTDECKER.*) Von Dr. Max Grunwald. III. Mit dem Gelehrten H e r s c h M e n d e I Pili e 1 e s hafte Slonimsky durch .'! Jahrzehnte eine literarische Fehde geführt, die man den OOjührigen .Literaturkrieg genannt hat. Wie mit vielen anderen Grössen der deutschen Wissenschaft war er ganz besonders mit Alex, von Humboldt befreundet, dessen Biographie er auch als Festgabe zu Humboldts 88. Geburtstag in hebräischer Sprache verfasst hat. Humboldt hatte den König Friedrich Wilhelm IV. A7on Slonimsky erzählt und der König wollte ihn kennen lernen. Slonimsky, der für gewöhnlich die übliche Tracht der russischen Juden trug, hatte Frack und Claque angelegt und war so bei Humboldt erschienen, als ihn dieser schnurstracks nach Hause schickte mit den Worten: „Was fällt ihnen ein, sich zu maskieren? Der König ist gerade auf den Forscher im Kaftan neugierig." Der König nahm Slonimsky freundlich auf und bewilligte ihm eine namhafte Subvention. Der edle Humboldt war es auch, der es beim Könige durchsetzte, dass der Berliner Physiker P etev T h e o p h i 1 B i e s s , Erfinder des Magnetelektrometers und elektrischen Luftthermometers, als der *) Siehe „Ost und Wesf\ .Jahrg. XIII, Heft VI II u. IX. ei'ste Jude ordentliches Mitglied der Berliner Akademie wurde. Den Glückwunsch an Biess schloss Humboldt mit den Worten: ,.Es soll dies der Anfang der Sühne sein für das 25jährige Unrecht, das die preussisehen Juden hatten erdulden müssen."13) Auf dem Gebiete der T c 1 e g r a p h i e haben wir auch zwei ungarische Juden als Erfinder zu nennen. 1 g n a z Gross in a n n , Lehrer an der israelitischen Mädchenschule in Budapest, hatte 1860 eine Verbesserung des Telegraphen eben erst zur Patentierung angemeldet, als ihn der Tod ereilte. Er hatte auch eine neue Luftpumpe, einen Gasometer und einen Apparat zur Bestimmung des spezifischen Gewichtes konstruiert. Von grösster Tragweite ist die Erfindung, mit der sein Landsmann Anton Pollack in Verbindung mit Virag hervorgetreten ist, ein System der Schnelltelcgraphie, nach dem das Abtclegraphieren einer Tageszeitung von 16 Seiten 13) Ebenfalls einen, in der jüdischen Gelehrtenwelt klangvollen Namen trägt der Erfinder des „Griitzin-Lichtes", Leo G r ä t z , der Sohn des berühmten Geschichtsschreibers der Juden, woran wir den Hinweis schliessen, dass auch der „Gasselbstanzünder" von einem Juden, Max Rosenfeld, herstammt.

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