Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Die Glanzzeit des osmanischen Reiches
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 873 - 874 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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873 Dr. Simon Bernfeld: Die Glanzzeit des osnianischen Reiches. 874 R. FR EX K EL-} IA N l' S SON. dabei die Bestimmungen der jüdischen Eliegesetze. Der berühmte Rabbiner S i m o n D u r a n von Algier, der selbst jüdisch-spanischer Abstammung war, entschied, class ein Jude priesterlicher Abstammung eine Marranin beiraten dürfe, da die marranisehen Ehen als rein jüdisch hekfiuit seien. Die zahlreichen Mammen in Spanien und in Portugal waren fortwährend eine .schwere Gefahr für die Juden dieser Länder. Denn die fanatische Geistlichkeit wu.sslo genau, dass die Marranen von ihren ehemaligen Glaubensgenossen in treuem Festhalten am Judentum unterstützt wurden, und seitdem begann die unablässige Metze gegen die Juden selbst. Simon Duran, der die Verhältnisse klar überblickte, riet auch dosl.ia.lb, die 'Marianen ihrem Schicksale zu überlassen, da sonst die ganze spanisch-portugiesische Juden Ii eit gefährdet erschien. Dazu konnten sich aber die Juden nicht entsohliesson. Als sich nun im Jahre 1492 ihr Schicksal erfüllte und sie zuerst in Spanien vor die Wahl zwischen Auswanderung und Taufe gestellt wurden, griffen wohl die meisten zum Wandorstab. Ein grosser Teil aber blieb in der Heimat zurück und vermehrte somit die Zahl der Marranen.. Denn die Auswanderung wurde den spanischen Juden sehr erschwert. Die Regierung sicherte ihnen zwar freien Abzug, verbot ihnen aber die Mitnahme von barem Gehle. Man wollte nämlich den befürchteten Abfluss dos Bargeldes aus Spanien verhüten. Die Juden mussten somit ihre Liegenschaften veräussern, sollten aber dagegen kein Geld eintauschen, sondern bewegliche Güter. Den Auswanderern stand daher der wirtschaftliche Ruin bevor. In dieser Notlage leisteten die Marranen ihren unglücklichen Glaubensgenossen grosse Hilfe. Die Emigranten konnten ihren Verwandten und Freunden, die als Schemchristen in der Heimat blieben, ihre Häuser und sonstiges unbewegliche Vermögen überlassen und sich mit einem kleinen Zehrgeld begnügen. Sie Hessen sich zumeist in den Häfenplätzen der Türkei nieder, wo sie sich ungestört zum Judentum bekennen durften. Andere begaben sich nach Italien oder nach den Hafenstädten in Süd Frankreich. Die spanischen Juden, die sich in Südfrankreich niederliessen (zu diesen gehörten auch die Vorfahren Spinozas), mussten dort allerdings ebenfalls zum Schein das Christentum annehmen. Da sie aber dort ganz fremd waren, konnten sie sich um so leichter den Späheraugen der Geistlichkeit entziehen. Auf natürlichem Wege also hat sich der über- Die ganz Alten. BERLIN". seeische Handel der Juden der Levante vnd in andern Küstenstädten der Türkei entwickelt. Die spanischen Juden, die sich dort ansiedelten, rnterhielten regen Handelsverkohr mit ihren Glaubensgenossen in ihrer ehemaligen Heimat, die dort als Marranen lobten. Die Verhältnisse entwickelten sich in der Folge so, dass grosse Handelsgeschäfte gleichzeitig ihren Sitz an einem türkischen r.nd an einem spanischen Orte hatten. Am türkischen 'Platz besorgten die Juden die Geschäfte dos Hauses, während am spanischen Platz dies, durch. Marranen 'geschah, die mit, jenen verwandt oder' befreundet waren. Im Laufe der Zeit nahm aber doch die jüdische Einwanderung in der Türkei stark zu,, weil die Marranen in .Spanien den Verfolgungen der Inquisition ausgesetzt blieben. Da das Vermögen der wegen Judaisierens verurteilten Sclieinclvj'islen dem Staat verfiel, so bot dies für die Regierung einen Anreiz, das Treiben der Inquisition, ihr scharfes" Vorgehen gegen die Marrarien,-..mit allen Mitteln zu unterstützen. Die heimlichen Juden zogen es daher vor, um Leben und Vermögen in Sicherr heit zu bringen, ihre Geschäfte in Spanien allmählich abzuwickeln, ihre Kapitalien nach, der Türkei hinüberzuschaffen und dann selbst dahin auszuwandern. Unter noch tragischeren Verhältnissen vollzog sich die Auswanderung der Juden aus Portugal. Im Jahre 1492 lockte die portugiesische Regierung viele spanische Juden in ihr Land. Was später in Portugal mit den Juden geschah, gehört zu den schrecklichsten und grausamsten Ereignissen der neueren Geschichte. Einige Jahre nach der Einwanderung der spanischen Juden in Portugal, wo sich übrigens von früher her eine bedeutende Zahl von jüdischen Gemeinden befand, bestieg König Manuel den Thron