Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Salomo
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 807 - 808 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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807 Ein Festspiel 'von Dr. Emil Colin: Salome». 808 Boten deines losgebundnen Volkes, Und sie tragen Waffen. König, Waffen! Salome Nun, so bring sie, dass ich sie entwaffne! (Man n e r in Waffen treten trotzig auf, an ihrer Spitze ein Spreche r.) Sprecher.*" Herr, wir haben grimmes Klagen, Denn wir hörten Schlimmes sagen: Dass du unsre Greise höhntest, Ihren Bitten taub geblieben, Frauen, Kinder selbst vertrieben, Die du anderwärts verwöhntest. Nun, jetzt kommen wir, die -Männer, Um zu hören, um zu schauen, Ob du, wie mit unsern Frauen, Unsern Kindern, unsern Alten, Auch mit uns so möchtest schalten, Höhnen uns und von dir tun. Falte nur die Stirne, falte! Lasse deine Augen rollen! Sieh, wir kommen nicht zu betteln, Sondern sagen dir mit Grollen, Was wir wollen! Und wir wollen alle, alle, Dass kein Tempel sich erhebe Ohne uns, und keine Halle, Keine Zinne auf dem Walle Ohne uns zum Himmel strebe! Alle (wiederholend). Und wir wollen alle, alle, Dass kein Tempel sich erhebe Ohne uns, und keine Halle, Keine Zinne auf dem Walle Ohne uns zum Himmel strebe! Salome Ihr, wer heisst euch, so zu brummen? Gab das Recht euch, so zu toben? Wollt ihr meinen Grimm erproben? — Schweigen sollt ihr und verstummen! Schwerter fort! — Euer König hat das Wort! Wollt ihr reden noch, Rebellen? Seht ihr nicht an Tbroncsschwellen Meine alte Mutter stehn? Augensenken! Stirneneigen! Alle,- alle müssen schweigen. Mutter, wenn sie dich gesehn. Jede Furche ihrer Stirne, Wehgezeichnet ihre Lippe: Seht sie an, ihr Sclmellbcrcdten Da ist ewige Erfahrung, Ist des Schmerzes Offenbarung: — Diese hat für euch gebeten! Diese hat für euch gebeten; Wo bleibt euer Trotz und Grollen? Mit dem Blitze meiner Wimper Niederblitz' ich euer Wollen Und verachte euer Treiben! Aber du, du liebe Mutter. Sollst mir liebe Mutter bleiben. (Zu Suliin.ith sich wenden I Und liier steht noch eine zweite, Die hat auch für euch gebeten; Oder hat sie bitten müssen? Fern vom Grolle und vom Streite Will ich leise zu ihr treten, Will ich sie noch einmal küssen. (Er küssb sie.) Sulamith, du bist die Liebe, Und die Liebe soll nicht leiden, Heute nicht, wo mir zur Seiten Meine liebe Mutter steht. Nun so will ich mich bescheiden: Liebe ist ja Selbstbezwingen! Liebe ist ja Opfer bringen! 0, ich hörte deinen Reim! Und so bringe ich die Gabe, Nimm denn alles, was ich habe: ■- In der Heimat harrt dein Knabe, Sulamith, so kehre heim! (Jir wendet sieh mit lauter Stimme, seinen Schmerz beherrschend, zu hm Grci?en.) Nun, ihr Alten? Nun, ihr Almen? Wollt ihr mich noch innner mahnen, Dass mein Richten und mein Bauen Sei in Ehrfurcht und Vertrauen? (Null freudig zu den Kindern.) Kinder, Kinder, Freude, Freiide! Meiner Augen Lust und Minne: — Ihr seid Meister am Gebäude! Ihr seid Grund und ihr seid Zinne! (Er liebt einen Knaben hoch und zeigt ihn dem Volke.) Knabe, lächelnd, ohne Sorgen, Dich will ich zum Himmel heben: Seht, so zeig ich euch das Morgen, Und das Morgen ist das Leben! (Zu allen die Arme breitend.) Alle, alle sind gekommen, Wenn mit Zaiidern auch und Grollen: Was ich wollt' zu aller Frommen, Plötzlich alle, alle wollen! Drum die Alten und die Jungen. Und die Männer und die Frauen: — Alle haben mir gesungen! Alle sollen mit mir bauen! Alle. Heil! Heil! Heil! SalOInO (zu Hiriun). Mein Künstler, ahnst du nun, warum so scharf Ich diesem Volke grollend mich versagte, Und Nein auf Nein wie Fels auf Felsen warf. Bis keiner mehr zu trotzen, wagte? Und Aveisst du nun, wozu ich mir ersonnen Die Rätsclwunderwcisc, der du lauschtest? — — Nun rauscht mein Herz von königlichen Wonnen, Wie du, o Frühlingsbach, noch nie mals^rauschtost! Mein Kindervolk! Alle. Heil, Heil dem König! Heil! SalOinO (in steinender Eecteistcrnncr). Was ist ein König denn? Ein Bergmann nur. In seines Volkes Tiefe muss er dringen, Dort unten, wo die dunklen Erze singen. Dort muss er folgen seiner Hammerspur! Und was ein Volk? Nur eine stumme Laute, Ein totes Saitenspiel an dunkler Wand, Nur auf den Meister wartend, der sich traute. Und auf die schlummernde, die Zauberhand. Hörst du nun endlich meine Harfe rauschen? Siehst du die Hand, die diese Töne lockte?