Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Salomo
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 809 - 810 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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809 Ein Festspiel von Dr. Emil Cohn: Salomo. 810 Die spielend alles Störrische, Verstockte Begrub in süssem Zaubertönerauschen? Bin ich nicht auch mit dieser tiefen Schau "Wie du ein Künstler, Meister nicht am Bau? Ich spielte gut auf meines Volkes Herzen Und lockte reines Gold aus dunklen Erzen! (visionär) Nun seh ich schon im Geist den Tempel ragen Mit allen seinen Zinnen, seinen Türmen, Ich seh ihn silbern in den Himmel stürmen Und von den goldnen Sternen Gnade tragen. Ich sehe meine Wünsche, meine Träume, Und sehe alles, ach, vertausendfältigt; ])a bricht mein Auge alle ird'schen Zäume: Ich .sehe mehr und stehe überwältigt! Es fällt ein Schleier mir von fernsten Tagen; In fremde Länder kann ich plötzlich schauen, Wo rauh und kälter alle Winde jagen, Und andre Menschen andre Häuser bauen. Da seh ich denn aus matten Nehchi winken Ein neues, Gott geweihtes Haus, Die himmelhohen Zinnen blinken Im Scheine morgenJichon Tau's. Ich höre aus des Fensters bunter Breite Seltsame Chöre, höre neue Laute, Und dennoch weiss ich: Jenen Tempel baute Dieselbe Kraft, die uns zum Werke weihte. Doch fang ich an, mich heimlich zu befragen: Was führte xtiis dem grossen Werke zu? Wer hat auf Adlersflügeln uns getragen? — So heb ich meine Stirn und sage: — Du! Gott Israels! Ich hebe meine Hände: Du bist es, der das Klein und Grosse schafft, Du bist der Anfang, du das Ende, Das Leben du und du die Kraft! Das Alter mag Erinnerung sich borgen. Die Jugend sich der Hoffnung goldnen Schuh: Dein Name klingt im Gestern und im Morgen, Und auch das Heute singt uns immer: — Du! So steige denn, dass alles dich bemerke, Hernieder auf die Zinne unsrer Zeit, Und zeige dich in deiner Kraft und Stärke. Und neige dich und weihe imsre Werke Von Ewigkeit zu Ewigkeit! Vorhat!?. JUDEN ALS ERFINDER UND ENTDECKER. Von Dr. M a x G r u n w a 1 d. (Fortsetzung aus Heft IX, 1913.) Verschiedene artilleristische Erfindungen verdankt man dem 1908 verstorbenen, aus Posen gebürtigen amerikanischen Artilleriemajor Z a 1 i n s k i, vor allem eine Dynamitkanone, die von der Regierung der Union in 250 Exemplaren für 40 Millionen Dollar hergestellt und bereits zur Armierung der Häfen von Neuyork und San Francisko verwendet worden ist. Bekannt sind auf diesem Gebiete des Waffenwesens auch die Konstrukteure S c h u 1 h o f f und R u h i n . die Berliner Gewehrfabrik von L \i d \v i g L ö \v e , sowie als Erfinder des „Belit" L a m m, als der des Sprengstoffes „Demonia" Z a d e k. Diesen L e i s t u n g o n im Dienst o (1 e s K v i e c u s steht die epochemachende Erfindung eines Juden zur Förderung der internationalen Verbrüderung gegenüber, des E s p e ran t o. die Weltsprache des Warschauer Augenarztes L a z aru s Lu d wig Zamenli o f. Als Enkel und Sohn von Sprachlehrern 1859 in Bialystok geboren, wurde Zamenhof, wie er seihst erzählt, durch das babylonische Sprachengewirr seiner Vaterstadt frühzeitig auf das Bedürfnis einer gemeinsamen Weltsprache hingewiesen, 1887 trat er mit einem Plane dieser Idee in einer Broschüre hervor, unter dem Pseudonym Doktoro Esperanto, d. h. Doktor Hoffniingsfroh, und dieser Name Esperanto ist der neuen Sprache gehliehen, in der heut mehr als 20 Zeitschriften scheinen und anlüsslich des Esperantokongresses in Dresden klassische Stücke aufgeführt wurden, iiir die sich Professor S c h u c h a r d t in Graz, der im Auftrage der Wiener Akademie die Möglichkeit und Nützlichkeit in Universalsprache studiert hat, sehr warm aussprach und von der Professor Ostwald in Leipzig sagte, seit der Erfindung der Buchdruckerkunst sei nichts Ebenbürtiges erfunden worden, bis auf das Esperanto. In Frankreich und England wird das Esperanto in zahlreichen öffentlichen Schulen gelehrt, eine internationale wissenschaftliche Gesellschaft plant seine Einführung in die wissenschaftliche Literatur und als Kongresssprache. Am Schluss des Cambridger Esperantokongresses rief der Senior der dortigen Philologen, Professor Meyer, begeistert aus: „Ich habe ein zweites Pfingstfest der Völker gesellen." Der Erfinder des Gedankens des Wcltpostv o r eins ist Postmeister J osep h M i c h a e 1 - s o n in Kopenhagen, geb. 1S26 in Nästved (Seeland). Er unterbreitete der dänischen Postverwaltung 1859 seinen Entwurf eines Postvereins für Europa. A d o 1 p h e II i r s c h , geb. 1830 in Halberstadt, gest. 1901 in Ncuchätel, gab die Anregung zur Gründung der „Internationalen Geodätischen Vereinigung" und des „Internationalen Komitees für Gewichte und Masse". Werden so im Sinne des viel geschmähten jüdischen Missionsgedankens die Geister einander ge-