Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Salomo
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 805 - 806 (sequence 6)
- Language
- German
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805 Ein Festspiel von Dr. Emil Cohn: Salonu 806 Denn Liebe ist das göttlichste Erbauen, Das gründet, mauert, türmt ins Himmelblau: Drum, ohne Frauengimst und Lieb' der Frauen Sind alle Steine kalt und tot der Bau. Doch wird auf des Gerüstes Schwindelstegen, Dir stets die Eahne deiner Liebe wehn, So Avird ein herrliches Bewegen Vom Grunde bis zur Zinne gehn. Dann wird vom höchsten Mauerkranze Ein Rauschebach von Perlen niedersprülm, Und über deinem Werk im Sonnenglanze Ein ewger Regenbogen blühn. Dann fangen alle Steine an zu klingen, Den alten Reim von Männern und von Fraun: Wer bauen will, soll erst von Liebe singen Und wer nicht lieben kann, soll auch nicht baur, Salome Ja, Sulamith, ja, du bist liebereich, Nur Liebe findet solche Wunderlaute! Bei Gott, wenn ich mit dir den Tempel baute, Dem Tempel wäre keiner gleich. O Sulamith, so lass mich mit dir bauen, Du bist und bleibst die einzige und eine! Sulamith. 0 Herr, du hast die schönsten aller Frauen: — Sa!omo/LJa,hundert, Mädchen, — tausend, ach, und — keine! Sulamith. Ich kann nicht, Herr! SalomO (mit Härte). So geh! (Sulamith verhüllt das Antlitz.) Was soll das Weinen? Dir bleibt die Liebe, mir die Qual! Die Qual— doch auch das Nein! Drum tausendmal Will ich Verstossener verneinen. (Draussen Murren des Volkes, das im Laufe der folgenden Handlung anschwillt.) Hörst du sie draussen toben schon und schrein? Ich merk' es schon, dem Bellen folgt das Beissen. Und wenn sie mich von meinem Throne reissen, Nein, sagt mein Schmerz und meine Liebe: — Nein! (Die alte B a t Ii s e b a , S a 1 o m o s M u 11 e r.) Die Mutter. Sohn, o Sohn, was ist geschehen? In die dunklen Einsamkeiten Meiner fernen Kammer grollten Dumpfe Klagen meines Volkes: Deinen Namen hört ich. nennen, Und dein Name ward gescholten! Sohn, o Sohn, du machst der Mutter Schmerzen, Sag, o sag, was hat sie denn verschuldet? Hat sie nicht genug gedarbt, geduldet Mit dem allzu weichen Mutterherzen? Alle Schmerzen eines armen Weibes, Alle Qualen einer armen Mutter, Qual der Liebe und der Sehnsucht Qual? Armen Mannes reiche Gattin war ich, Reich an Liebe, reich auch an Erbarmen, Eines reichen Königs bettelarme Königin zu sein, ward ich gezwungen. Kinder kamen, liebe Kinder musst ich In die schattenkühle Erde betten; Einer nur blieb leben, dieser eine — — Du, mein strenger Sohn, — du tatest lebend Mehr der Schmerzen deiner armen Mutter, Als die armen Toten alle taten. Salomo. Liebe Mutter, über deine Stirne Zog die Sorge ihre harten Pflüge, Und ich selber zerrte mit am Seile. Schöneres gibt es nimmer, liebe Mutter, Als im dunklen Gold der Abendsonne Eines Ackers braune Furche leuchtet. Lass mich deiner Stirne Furchen küssen, Liebe Mutter--! (Er küsst sie.) Die Mutter. Sohn, o Sohn, ich höre deine Worte, Aber deine Taten tönen anders: Lass dich warnen, Kind, von deiner Mutter! Unter allen Schmerzen fand ich einen Schmerzlicher und tiefer als die andern: — Einsam sein! Sieh, dein Volk ist wie ein Heer von Kindern: Treuer Veiter musst du ihnen bleiben, Aber auch ein mütterlich Erbarmen Muss in deinem Herzen Heimat haben. Lass mich, Sohn, die Stunde nicht erleben, Wo dir Mutterschmerz und Vatersorge Deines Lebens klaren Kelch vergiften: Einen Schmerz lass mir vorübergehen, Lass mich meinen Schmerz nicht bei dir sehen, Dass du einsam bist wie deine Mutter, Mit der grossen Seele einsam, Kind! (Leise, aber eindringlich.) Denken sei einsam, Einsam das Schauen, Aber das Bauen Sei immer gemeinsam. Denn auch das Wohnen Ist ein Gesellen, Einsam in Zellen Thront nur der Gram. Klein mag die Klause sein, Fern dem Gebrause sein, Enge das Wohngemach; Dennoch ein jedes Dach Will ein Zuhause sein —■ Dir nicht allein. Willst du drum bauen Dach dir und Diele Rufe dir viele, Rufe dir alle, Denn deinem Ziele, Dienen sie gern. Denken sei einsam, Einsam das Schauen, Aber das Bauen Sei immer gemeinsam. Salome Mutter, Mutter, deine Worte fallen, Mir gleich Tropfen glühend auf die Seele, Aber höre, Mutter! Mutter, höre, Wie sie draussen schrein und sage selber: Darf ich solchem Toben schwach begegnen? (Der Volkslärm draussen ist immer mehr angeschwollen. Ein Diener stürzt herein.) Diener. König! König! Boten stehen draussen,