Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Salomo
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 803 - 804 (sequence 5)
- Language
- German
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803 Ein Festspiel von Dr. Emil Cohn: Salome 804 Salomo. Wer redet? Knabe. Ich! Salomo. Wer bist du, Dreister? Knabe. HeiT, du siehst den Knaben, Um den zwei Frauen einst gestritten haben, Und dem — das Schwert in starker Hand — Dein weises Wort die rechte Mutter fand. Salomo. Bist du es, Knab'? So rede schnell und sprich, Damit ich sagen kann: — es lohnte sich. Knabe (tritt vor). So hör mein Lied! Ist es einmal gesungen, So ist es nicht mehr mein, so ist es frei: Es ist das Lied der Kinder und der Jungen, Des Lebens goldne Melodei. Für wen willst du den Tempel bauen? Für uns allein deckst du sein goldnes Dach: Wir werden noch das Licht der Sonne schauen, Wenn lange schon dein dunkles Auge brach. Du baust für uns und doch von deinen Stufen Treibst du uns fort mit bösen Augenbrau'n: Wir aber sagen dir: Du wirst uns rufen, Wer für uns baut, kann ohne uns nicht bann! (Alfe im Chor.) Wir aber sagen dir: Du wirst uns rufen, Wer für uns baut, kann ohne uns nicht b a u n! Knabe (deklamierend). Es zogen die Väter durch felsige Wüste, Kein Wässerlein rauschte, kein Blümelein grüsste. Da stöhnten die Männer, da murrten sie laut: O hätten wir nie doch die Wüste geschaut! Wir haben die Freiheit, da haben wir Sorgen: 0 wären wir noch in Aegypten geborgen, Da hatten Avir Fleisch und da hatten wir Kraut: 0 hätten wir nie doch die Wüste geschaut! Da donnert Jehoya in strafendem Grimme: Was frommt denn dem Sklaven die mahnende Stimme? Ihr wollt es nicht erben, das blühende Land, So sollt ihr denn sterben im glühenden Sand! Die Kinder, in Freiheit und Wüste geboren, Die nie mich gelästert, die hab ich erkoren: Die Väter, die sterben, verderben im Sand, Die Kinder, die Kinder, die erben das Land! So gilt es noch heute, so wird es noch gelten, Wir wohnen noch heute in wandernden Zelten, Wir pilgern noch heute durch Wüste und Graun, Es murren die Männer, es ächzen die Fraim. Wir aber, wir Kinder, wir lachen der Sorgen, Wir schaun nicht auf gestern, wir blicken auf morgen, Wir lassen den Vätern den stechenden Dorn, Wir lassen dem — König den rächenden Zorn. Es schallen die Zimbeln, die Flöten erklingen, Wir singen zur Sonne das seligste Singen; ,,Dcr König wird sterben, die Männer, im Sand, Wir aber, wir Kinder, wir erben das Land!" (Alle i m C h o r.) Der König wird sterben, die Männer, im Sand, Wir aber, wir Kinder, wir erben das Land! Salomo. 0 Knabe, Knab'! Wie du mein Herz bezwingst,. Ich höre deine Mutter, wenn du singst. Und dennoch schlug dein Lied auf harten Stein: Der König sagte Nein, so gilt das Nein! (Sulamith erscheint, geführt von den Frauen des Königs.) Salomo. Wer naht? — Bei Gott, noch eben war es Scherzr Jetzt wird es Ernst, nun halte fest, mein Herz! — 0 falsches Spiel! Der Liebe soll gelingen. Was Ahnenspruch und Kindersingen Vergeblich sang und sprach! — Ich will doch schauen, Wie weit das geht! — Sulamith. Mein Herr und König —! Salomo. Nun? Sulamith. Ich nahe mich inmitten deiner Frauen — SaloniO (leise und bitter). Gabst du dich her, mir solches anzutun? Weisst du nicht, Sulamith, wie ich dich liebe? Ward ich um Minne nicht zum frechen Diebe? Raubt' ich dich nicht in wildem Liebeijagen, Dem braunen Hirten nicht im Blütental, Um aus des Herzens Felsen dir zu schlagen. All was er birgt an Gold und Edelstahl? All jene Schätze, die nur mir gebühren, Weil ich ein König und ein Mann, Weil ich nicht nur des Reiches Szepter führen, Weil ich der Liebe Szepter führen kann? Und nun kommst du, die nie mich wollte hören.. Um die vergeblich meine Flamme brennt, Du kommst, um meine Milde zu beschwören. Du, die die Wilde meiner Seele kennt? Und fragst dich nicht: Was wird die Antwort sein? Nicht Ja um Ja? Nicht Nein um Nein? Sulamith. Zur Liebe komm' ich, dass sie — Opfer bringe, Zum Fürsten komm ich, dass er Gnade walte! Salomo. Wo ist denn deine Gnade, o du kalte, Du harte Fürstin, dass ich sie empfinge? Sulamith. Wo meine Opfer sind, das fragst du nicht. Salomo. O Sulamith, mein Leben und mein Licht! Sulamith. Du willst den Tempel baun — Salomo. O schweige, Kind? Sulamith. So bau mit uns! Salomo. 0 lieb', und zeige, Kind, Wie du mich liebst! Sulamith. Ich will dir zeigen, Wieviel der Liebe ich im Herzen trage, — Zu wem, das sag ich nicht —; doch, was ich sage, Das musst du hören, Herr, und schweigen. (Sie tritt vor.) Siehst du im Nebel dort den Tempel schimmern? Die Marmorstufen und der Zinne Gold? Siehst du, wie auf des Daches Silberflimmern Der blaue Himmel niederrollt? 0 glaub, das Gleichmass schöngeformter Steine, Der goldenen Säulen stolzes Wechselspiel, Es war und ist das ewig all und eine: Der Anfang Liebe, Liebe auch das Zieh