Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Salomo
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 801 - 802 (sequence 4)
- Language
- German
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SOL Ein Festspiel von Dr. Emil Cohn: Salome. 802 Treue um Treu'. Denn wir Gebliebenen Sind auch die Bleibenden, Wir sind die Treibenden, Scheinbar Getriebenen: — Viel sind der Jahre schon, Bleich sind die Haare schon, Winkt auch die Bahre schon, — Noch sind wir da! Salomo. Sprich, was der Rede langer Atem soll? Greis. Der Rede langer Atem ist nur kurz: Am Tore steht dein treues Volk und weint. Salomo. Weint es? Noch eben stand es hier mit Trotz. Greis. So ist es wahr, was man im Volke spricht? Salomo. Was spricht man denn im Volke, sage an? Greis. Du willst den Tempel baun, und ohne uns? SalOmo. Und wollt' ich es, würd' er in Trümmer gelin? Greis. Er würd' in Trümmer gelin, das glaube mir! Salomo. So wartet, bis er stürzt, und redet dann! Greis. 0 König, Fürst! Du heisst uns schweigen schon, Da wir noch kaum gelispelt einen Ton. Wir schweigen. — Aber eines höre noch, Ist es der Greise letzte Lehre doch, Die Lehre ist's von Ehrfurcht und Vertraun: Die Greise bleibens, die den Tempel baun! (C Ii o r) Wer will bauen, Muss vertrauen. Auf die Alten, Muss erhalten, Was sie bauten. Neue Normen Gibt es keine; Längst schon schauten Wir die Formen, Und ich meine, Selbst die Steine Sind die alten. Dank muss walten Bei dem Werke! Ehrfurcht stärke Seine Pfeiler Steil und steiler Himmelein: Doch der Meister — Rückwärts schauend Aufwärts bauend Gott vertrauend Muss er sein. Greis. Noch einmal denn, o König — Salomo. Nein und nein! Ich hab' geredet, soll ich zweimal reden? Ich hasse diese wortgespaltnen Fehden! Euch Greisen ziemt die Bitte und der Rat; Ihr rietet mir. — Jetzt aber kommt die Tat, Und die ziemt mir und mir allein: Macht fort! (Vor der Türe wachsender Kinderlärm). Wer lärmt da draussen am Portal? Eill Diener (hereinstürzend). Herr König: — Kinder, Kinder ohne Zahl! Sie drängen an das Tor, sie drücken's ein, — Kein Halten gibts, — da sind, da sind sie schon! Salomo. Hab' ich nicht Ruhe mehr auf meinem Thron? (Eine Schar von Kindern stürmt herein und umringt den König.) Salomo. Ihr Rüpel! Ihr Bälger! Was soll der Spektakel? Seid stille, Banditen, und packt euch nach Haus! Sonst nehm ich mein Szepter und brauch' es als Bakel, Und klopfe das Fellchen, das Fellchen euch aus! Die Kinder (schreiend). Herr König! Herr König! Salomo. Hilf, heiliger Himmel! Ihr Jungen, ihr Mädel, schwarzäugig und braun! Die Kinder. Herr König! Herr König! Salomo. Seid stille, ihr Lümmel! Die Kinder. Wir wollen den Tempel, den Tempel dir baun! SalOlTJO. Nun seht mir die Bürschchen! Die Alten, sie sangen, Gleich blasen die Jungen das nämliche Loch. Die Kinder. Den Tempel! Den Tempel! Salomo. Zum Henker, ihr Rangen! So haltet doch Rubis, so höret mich doch! Ruh', sag ich! (Stille.) (zu Hiram) \ Mein Künstler, beginnst du zu ahnen? Der König ist böse, sie schicken die Brut: „Zum König, ihr Kinder, und schwenket die Fahnen! Der König muss lachen, und alles ist gut!" Sie sollen sich irren! (zu den'Kindcrn) Nun sagt mir doch bloss; Ihr Wichte, ihr Schelme, ihr Gernegross: Euch scheint ja das Tempelbaun lustiger Spass! So baut doch den Tempel: Wie macht ihr denn das? Die Kindel' (im Wechsclgesang). (Erstes Kind). Ich hab ein Wägelein, Fahre die Wege, — (Z w ei t es.) Ich hab ein Sägelein, Si — sa —, ich säge — (Drittes.) Ich hab ein Hämmerchen — (Viertes.) Ich hab ein Messerchen — (Dritte s.) Ich bau die Kämmerchen — (V i e rt e s.) Ich mach die Schlösserchen — (Erstes und zweites.) Steine, wir schichten sie — Drittes und t ie r t c s). Mauern, wir richten sie — (A He.) Eins, zwei, drei — schau! Fertig der Bau! Salomo (spottend). Eins, zwei, drei — schau! Sieh doch, wie schlau! Ein klingelinges Versehen, eingebläut, Soll meinen königlichen Willen brechen: Ein König ist kein Weibchen, das bereut, Ihr niüsst schon anders mit ihm sprechen! Fort, Kinder! Ein Knabe (vortretend). Bleibt!