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Ost und West · 1913-10-01 · Heft 10 (Oktober 1913) · p. Seite 799 - 800

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 10 (Oktober 1913)
Article
Salomo
Date
1913-10-01
Page
Seite 799 - 800 (sequence 3)
Language
German
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799 Ein Pestspiel von Dr. Emil Cohn: Salomo. Der Tempel Gottes ist noch nicht gebaut! Jetzt bau' ich ihn: Olm' euch! Sprecher. Herr, hört uns doch! — Salomo. Ich sage, ohne euch, Rebellen! Nun könnt ihr gehn, erleichtert ist das Joch, Kehrt heim zu euren Ackern, euren Ställen Und freut euch! Sprecher. Herr, das war nicht unser Sinn! Wir dachten nicht — Salomo. Ihr hättet denken sollen! Sprecher. Wir wollen gern — Salomo. Mögt ihr jetzt endlich wollen? Jetzt will i c h nicht, so wie ich bin. Sprecher. Der heilige Tempel —? Salomo. Sei es, wie es sei: Ich bau' ihn auf, und ihr seid nicht dabei! Bei meinem Grimme, fort! (Die Männer treten ab. Auch Hiram will gehen.) Du, Hiram, bleib! Bleib. Hiram! (Hiram steht und schaut den König an.) Nun, mein Künstler? Rede! Du stehst und schweigst? Soll ich zum Zeitvertreib Mit dir auch kommen in die Fehde? Sprich, sag ich! Hiram. Herr! Salomo. Sprich offen zu! Hiram. Herr, ich begreif dich nicht. Salomo. Mein Künstler, du? Du mit der klaren, sonnenhellen Stirne, Stets drohen wandelnd auf dem höchsten Firne, Mit freiem Blick ins Irdische hinein? Hiram. Vergib mir, Herr, wenn ich dich heut nicht preise: Dies Heiligtum baust du nicht Gott allein, Du bau'st es deinem Volke. Salomo (spöttisch): 0 wie weise! 0 kluger Künstler! Hiram (verletzt). Soll ich dich verlassen? Salomo. Hiram! Hiram. Mein König! Salomo. Gottes Pfad zu fassen, Ist schwer! Hiram. Mein König spricht in Dunkelheiten!? Salomo. Ich sag dir, Gottes Pfad ist schwer und fern, Und doch verehren wir sein dunkles Schreiten, Und doch? 0 nein, ich glaube, doppelt gern, Weil es so fern und schwer. Nun höre klar: Hab ich das Recht nicht, ebenso zu handeln? Muss jeder sehn mein Schreiten und mein Wandeln? War ich nicht mächtig, weil ich seltsam war? So weise nicht, weil unberechenbar? Hältst du mich wirklich so vom Wahn bestrickt, Ich könnte glauben, ganz allein geschickt Und stark zu sein, den Tempel zu errichten? Aus freiem Willen ernstlich zu verzichten Auf dieses Volk, auf seinen ärmsten Bauern, Den Strassenkehrer, der die Gosse fegt? Ich sage dir, es bersteten die Mauern Wo ihre Hände nicht den Grund gelegt! Hiram. Nun, dann begreif ich nicht —! Salomo. Du wirst verstehen! Mein Künstler, still! Wer naht mit solcher Hast? (Ein Diener tritt auf.) Diener. O Herr, das Volk steht weinend vorm Palast Und will zu dir zurück. Salomo. Da kannst du sehen, Mein Freund und Künstler, wer von uns der Weise. Dies ist der Anfang nur, da kommt noch mehr: — (Ein andrer Diener.) Diener. Herr, vor dem Tore stehen Judas Greise Die Aeltesten der Stämme — Salomo. Ruf sie her! — Siehst du? Sie kommen schon; — sie sollen komment Nun schweige mir und lausche diesem Spiel: Glaub, Lieber, mir, es wird dem Volke frommen, Und auch dem König frommt es dann am Zieh (Die Greise treten auf.) Ihr Sprecher. Wir nahen, Herr, um dich-- Salomo (stark). Wer seid ihr? (Tiefe Pause.) CllOr (losbrechend). Väter und Greise Sollte man kennen! Siehe, wir nennen Selber uns weise. Uebrig Gebliebene Nennt uns ihr Bleibenden: — Doch wir sind Treibende, Scheinbar Getriebene: Viel sind der Jahre schon, Bleich sind die Haare schon, Winkt auch die Bahre schon,. Noch sind wir da. Als ihr noch Schlafende Jenseits am Lebenssaum, Als noch kein Mutter träum Sehnend euch sah, — Waren Mir Schaffende, Nimmer Erschlaffende, Rüstig schon Raffende, Waren wir da! Doch nicht das gestern nur Zeigt unsre Tatenspur, Wir sind von heut: Sind zwar Erkaltende, Dennoch Erhaltende, Nicht nur Verwaltende, — Wir sind Gestaltende, Dass sichs erneut! So sind wir Mahnende, Denn wir sind Wissende!' Und weil wir Wissende, Sind wir auch Ahnende Morgigen Schein. Denn die Vergangenheit Ist nicht der Gegenwart Trotziger Widerpart, Sondern der Wegewart Kommendem Sein! Siehe, so schreiten wir Ueber den Zeiten hier Immerfort neu: Jahre bezwangen wir, Ehrfurcht verlangen wir,. Und so empfangen wir

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