Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Salomo
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 797 - 798 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2583875-2584033-2584044-2605186--14956-2605248- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
797 Ein Festspiel von Dr. Emil Cohn: Salomo. 798 Ich zeig' ihn euch, dass ihr in seinem Lichte Erschaut des eignen Lichtes Silberkleid, Zeig' ihn in seiner Weisheit Emstgesichte, Dass ihr in seinem Wissen weiser seid. Fürwahr, wenn ich sein tiefes Leben dichte, -So dicht' ich nur das Leben unsrer Zeit: Denn achtet, dieses Vorhangs dunkle Falten Verbergen Gegenwärtigstes im Alten- So, Vorhang, hebe dich von meinen Welten, Die Wunderkraft aus ihren Sehächten hob! Ihr aber, Gute, lasset freundlich gelten, Was euch mein leichter Zauberfinger wob! Doch wisst, mögt ihr nun loben oder schelten, Es gibt noch mehr als Tadel oder Lob: Der gute Wille bleibt der beste Segen! Ich wollte gut, — so kommt mir gut entgegen! •(Er tritt hinter den Vorhang zurück, der gleich darauf auseinander geht). Das Festspiel. Vor dem Throne Salomos. Sa lo mo und die Aeltestcn des Volkes. Hiram, der Künstler. SaiomO (auf dem Throne, stehend). Ihr von des alten Jakobs Baum Entstammten, Dem meines jungen Königtumes Quell Die Wurzeln netzte, dass ihm neu und hell Die Blätter grünten und die Blüten flammten: Hört, was der König spricht! Ein Knabe stieg ich auf des Vaters Thron, Milchweiss und rot, jedoch ein Becher schon Voll junger Weisheit, die mir im Gesichte •Gott reichte, dass ich rechtlich alle richte. Ich richtete, mein Richten gab mir Macht, Hoch, herrlich, wie die Felsenzederpracht Den Finger hob ich, Friede war im Land, Es sah die Welt das Recken meiner Hand Und bebte! Dennoch, — alle Macht Avar nur Die Stufe mir, um höher anzusteigen, ■Und alles Grosse meiner Tatenspur Das Werkzeug nur, um Grösseres zu zeigen. Nicht, was ich konnte, schwellte mir die Brust, Lust war mir, Avas ich könnte, wenn ich Avollte, Dass höhere Kraft durch meine Adern rollte, Als alle fühlten, war mir höchste Lust. — Aus Macht erschuf ich Pracht, und alle Pracht War nur die stumme Geste meiner Macht: Man sollte sehen, A\ras ich war und bin, In Marmorschrift und Lettern von Porphyre •Schrieb ich auf Strasse, Halle, Hof und Türe Das Zeugnis meines Seins und Willens hin. Doch mehr noch Avollt' ich als die Welt ermahnen, Zu sehen, Avas ich bin; man sollte ahnen, Was ich wohl heut und morgen könnte sein, Und sollte zagen, sollte schauern: Darum erbaut' ich Mauern mir an Mauern, Darum liess ich euch dringen in die Adern Der dunklen Berge, machte schwer die Frohn Und liess euch türmen Quadern über Quadern Bei Meisselklang und Hammerton. Jetzt steht A~or uns im Morgensonnenland, Von mir gedacht, geformt \'on Künstlerhand, Von eurem Fleiss gezimmert und gebaut, Die Augemvonne jedes, der es schaut, Mein Kronjmvel, der Erde Diadem, Die herrlich hohe Stadt: — Jerusalem! Und dennoch, ach, schon löst das schöne Bild Sich mir erblassend von der wilden Seele, Und Avie im Wüstenbrand des Wandrers Kehle Durst' ich nach mehr, nach Neuem ungestillt. Hoch steht die Stadt, die höchste dieser Erden, Und doch, ich aaüI's, sie muss noch höher Averden! Wir Avollen Schöneres schaffen, als Avir schufen, Drum rief ich heute euch vor meinen Thron, Um euch zu neuer Arbeit aufzurufen: — Zu neuem Glanz, doch auch — zu neuer Frohn! Sprecht! Redet! Sagt mir: Ja!~ (Murren) Ihr schweigt und murrt? Was soll's? Was zieht den Mund euch schief? — Sprecher. Wir kamen, Herr — Salome Ihr kämet, Aveil ich rief! Sprecher. Wir kamen, um zu bitten — Salome Gut geknurrt! Was denn? Was wollt ihr? Sprecher. Herr, dein Joch ist scliAver: Erleichtre uns! Salome Tch merk', ihr Avollt nicht mehr. Sprecher. Wir können nicht! Salomo. Ihr Avollt nicht, Sklaven! Sprecher. Gut! Nun gut, Avir A\-ollen nicht, es ist zu schwer, Wir können nicht und A\Tollen auch nicht mehr! Nicht mehr vergiessen unsern ScliAAreiss und Blut Für leeren Prunk! — Salome Was, Schurken? Sprecher. Herr, die Not, Die Not des Volkes schreit hier um Erhörung: Bedenke, rate, sprich! — Ach, die Empörung, Hebt schon ihr Schlangenhaupt im Volk — Salomo. Rar droht? Wohlan, so ist es Zeit mit andern Ellen Euch euren allzuAveiten Mund zu messen: Wisst ihr auch, Avas ihr seid? Ihr seid Rebellen! Alle. Herr, höre uns! Salomo. Rebellen, pflichtATergessen, Hört ihr mich jetzt! Ihr also av o 111 nicht mehr, Gleichviel, warum, ich frage nicht nach Gründen; Ich aber sage euch: Ihr sollt nicht mehr, Ich Averde andre Helfer für mich finden. Brauch' ich euch denn? Macht denn nicht dieser Ring, Auf dem der heil'ge Name eingegraben. Die Geistenvelt mit allen ihren Gaben Gehorsam meinem königlichen Wink? Glaubt mir, ich braucht' ihn nur zu drehn, Im Nu erstünd' an dieser Stelle, In Silberglanz und Marmor spiegelhelle, Ein zAA'eites, schöneres Jerusalem. Ich Avollt' es nicht! Nichts Avar mir meine Macht, War sie nicht irdisch überm Horizonte, Und Avas ich nicht mit euch vollbringen konnte, War mir nur immer halb vollbracht! Ihr macht mir heut' zum erstenmal Verdruss, So greif ich heut zum erstenmal zum Ringe, Damit ich ohne euch erzwinge, Was ich erzAA-ingen will und muss! Denn eines muss noch sein: — Wieviel Paläste Erbaut' ich schon, dass alles staunt und schaut, Noch aber fehlt das Wichtigste und Beste: —