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Ost und West · 1913-10-01 · Heft 10 (Oktober 1913) · p. Seite 769 - 770

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 10 (Oktober 1913)
Article
Zionismus
Date
1913-10-01
Page
Seite 769 - 770 (sequence 5)
Language
German
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769 'Zionismus. 770 macht, diese vielmehr als ihr Endziel anstrebt. Im Jahre 1904 debütierte dieser Mann mit einem Artikel in der hebräischen Zeitschrift „Haschiloach" (Band XIII, Aprilheft 1904, S. 287-303), in dem er dem Judentum jede geschichtliche und ethische Daseinsberechtigung absprach. Er redete jenen Männern das Wort, die die Massentaufe propagierten. Man dürfe ihr Tun nicht verurteilen, denn da man im Leben auf Schritt und Tritt Unwahrhaftigkeiten sage, so sei dies um so berechtigter und gebotener, wenn man durch eine Unwahrhaftigkeit „das Glück unserer Nachkommen bis in die späteren Geschlechter fördere." „Es sei bloss eine moralische Schwäche, wenn man in einer unfruchtbaren und gefühllosen Abstraktion verharre, dem Judentum anhänglich bleibt und deshalb auf alle bürgerlichen Rechte verzichte." (S. 291, Zeile 1-8). Das Motiv des Verbleibens im Judentum wegen dessen moralischen Inhaltes wird in diesem Aufsatz mit dem Hinweis auf die prophetischen Reden als nichtig bezeichnet. Die Propheten haben dem jüdischen Volke die schlimmste Sittenverderbnis vorgeworfen „und dieseVorwürfe werden auch noch jetzt gegen uns erhoben." (S. 299 letzte und vorletzte Zeile). Diese Aeusserungen waren keinesfalls Entgleisungen dieses Schriftstellers, denn er kam auf sie in weiteren Artikeln vorgenannter Zeitschrift zurück, in denen er seine „Thesen" mit der äussersten Konsequenz vertrat (Maiheft 1907, Dezemberheft 1911*). Dies hielt aber seine zionistischen Mitarbeiter nicht davon ab, ihm die Leitung der Kulturorganisation anzuvertrauen. Vor nicht langer Zeit trat dieser Mann, allerdings nur aus Gründen privater Natur, von der Leitung zurück. Der Zentralausschuss der Kultur-Organisation widmete ihm einen warmen Nachruf, in dem sein Scheiden sehr bedauert wurde. Und damit noch nicht genug; es folgte *) Uebrigens rühmt er sich öffentlich, dass der bekannte Aufsatz Jakob Fromers in der „Zukunft" („Das Wesen des Judentums") in seinem wesentlichen Inhalt ein Plagiat seines oben erwähnten Aufsatzes im „Haschiloach" sei. Um den Inhalt dieses Artikels zu kennzeichnen, muss noch nebenbei bemerkt werden, dass Herr Fromer wegen der antijüdischen Tendenz seiner Ausführungen in der „Zukunft" von der jüdischen Gemeindeverwaltung in Berlin aus seinem Amt ohne Kündigung entlassen wurde und dass das Kammergericht die Klage des Herrn Fromermit der Begründung abgewiesen hat, dass keiner Religionsgemeinde zugemutet werden könne, jemand eine amtliche Stellung anzuvertrauen, der ihrer Religion die Daseinsberechtigung abspricht. bald darauf eine zweite Erklärung, in der derselbe Zentralausschuss der Behauptung entgegentrat, dass der Rücktritt jenes Herrn ein erzwungener gewesen sei. Man habe ihn im Gegenteil dringend gebeten, die Leitung zu behalten, was er aber zum lebhaften Bedauern seiner Mitarbeiter abgelehnt hätte. Vor wenigen Wochen veröffentlichte derselbe Mann im 5. Heft der hebräischen Zeitschrift „Heatid" (Die Zukunft) einen Artikel, der selbst in der judenmissionarischen Literatur kaum seinesgleichen an Gefährlichkeit kennt. Dem Judentum als religiöser und nationaler Erscheinung wird da mit der grössten Schärfe jeder Inhalt, jeder Wert und jede Bedeutung abgesprochen. Es sei nach der Ansicht dieses Apostels der konsequenten Assimilation völlig sinnlos, im Judentum zu verharren, eines Phantoms wegen uns und unseren Kindern ein schweres Martyrium aufzulegen: Die zionistische Presse fand gegenüber solchen sonderbaren national-jüdischen „Kulturträgern" kein Wort der Abwehr und der Missbilligung. Eine kleine Gruppe von hebräischen Schriftstellern veröffentlichte eine Protestkundgebung gegen diese Zersetzungsarbeit. Darauf folgte eine Gegenerklärung, dass die Berliner Ortsgruppe der „Histadruth" insbesondere der Leiter der Gesamt- Organisation, Herr Leo Motzkin, (Mitglied des Zionistischen Aktions-Komitees) der Protestkundgebung ganz fern stehe. Ein Pendant dazu gewährte uns eine Episode des letzten Zionistenkongresses. Der bekannte Künstler, Hermann Struck, trat auf und machte den Kongress auf die literarischen Leistungen des neuesten Zionismus aufmerksam. Von einer zionistischen Vereinigung, die den stolzen Namen „Bar Kochba" führt, ist eine Sammelschrift herausgegeben worden, in der „ein merkwürdiges Interesse für Jesus von Nazareth hervortritt" und ganz eigenartige Jesus-Legenden erzählt werden — zur Belehrung der jüdisch-akademischen Jugend. Besonders auffällig erschien Herrn Struck der Aufsatz eines Mitgliedes des zionistischen Aktions- Comites, Herrn Adolf Böhm, in dem der Verfasser die völlige Inhaltslosigkeit des alten Judentums verkündet und sich auf die Suche nach einem neuen begibt.; Er ist sich darüber klar, dass jene Zionistert vom rechten Weg abgeirrt seien, welche die Rückkehr zum Julentum' ^- von der Herzl einst gesprochen hat — als eine Rückkehr zum alten Judentum auffassen.

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