Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 711 - 712

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
Juden als Erfinder und Entdecker
Date
1913-09-01
Page
Seite 711 - 712 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2583875-2584033-2584043-2605054--14847-2605122
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

711 Dr. Max Grunwald: Juden als Erfinder und Entdecker. 712 Landwirtschaft wichtige Salzpräparat „Aluminium- Nitrin". Die Sodasindustrie hat Ludwig M o n d aus Cassel, später in England, 1911 gestorben, durch eine Methode bereichert, aus Alkaliabfällen Schwefel zu gewinnen. Die yon ihm im Verein mit Brunner 1873 in Winnington errichtete Fabrik ist das grösste derartige Unternehmen der Welt.6) Ein jüdischer Stern erster Grösse begegnet uns in der Astronomie in Friedrich Wilhelm Herschel, dem berühmten Optiker und grössten Astronomen seiner Zeit, einem Verwandten des Londoner Oberrabbiners Salomon Herschel und des Lord- Kanzlers Farrer Herschel. Als Mitglied einer Militärkapelle kam Wilhelm Herschel 1855 mit 17 Jahren aus Hannover, seiner Vaterstadt, nach England. Seine Mussestunden verwendete er auf das Studium der Astronomie und die Konstruktion von Teleskopen. Er verfertigte eigenhändig eine grosse Anzahl Spiegel von erstaunlicher Vollkommenheit. Das grösste seiner Teleskope vollendete er 1789. Die Länge des Rohres betrug 12 m, der Durchmesser ly2 m, sein Gewicht 2500 kg, der Spiegel, der allein mehr als 1000 kg wog, lieferte eine 6400fache Vergrösserung. Die Kosten des Instrumentes beliefen sich auf nahezu 4200 Mark. 1781 hat Herschel bekanntlich den Uranus und die infraroten Sonnenstrahlen entdeckt. Er ist der eigentliche Begründer der modernen Sternkunde. Durch eine dreimalige genaue Untersuchung des nördlichen Sternhimmels bestimmte er die Lage von 2500 Sternneb ein, von denen 203 bis dahin ganz unbekannt gewesen waren. Herschel war der erste, der die Existenz von Doppelsternen nachwies, deren er 209 beschrieben hat. " Unter anderem erkannte er zuerst das Wesen der Milchstrasse und ihre Beziehungen zu dem Ganzen des Weltalls. Seine Arbeiten hierüber bilden die Grundlage der modernen Theorie des Weltbau.es. Er hat sich auch um die Förderung der Wissenschaft im Kaplande unvergängliche Verdienste erworben. I-Iersch eis Schwester, die den - ..6) Den Einfluss des Radiums auf die Geschwindigkeit der Kristallbildung entdeckte im Laboratorium der Frau Curie der Wiener Louis Frischaue r. 1822 verstorbenen- Bruder nur 26 Jahre überlebt hat,- las ihm vor, besorgte ihm Abschriften, ja sie fütterte ihn, während seine Hände durch die Bedienung des Fernrohres gebunden waren. Auch sie entdeckte 8 Kometen und erhielt 1828 für einen Katalog der Nebelflecke die Medaille der Londoner astronomischen Gesellschaft. Herschels Sohn, John Herschel, ist als bahnbrechend auf dem Gebiet der Spektralanalyse und der Akustik bekannt. Moritz Meyerstein (1808—1882), Maschineninspektor an der Universität Göttingen, erfand einen Heliostaten. Hermann Goldschmidt (geb. 1802 in Frankfurt a. M., gest. 1866 zu Fontainebleau), Maler von Beruf, stellte mit den einfachsten Hilfsmitteln 1834 in Paris astronomische Beobachtungen an und entdeckte 14 Planetoiden. Salomon Sachs (1772—1855), kgl. preuss. Baumeister, erfand astronomische Apparate zur Veranschaulichung des astronomischen Unterrichts. Durch eine Verbesserung des Spektroskopes und Berechnung der Schnelligkeit des Lichtes hat Albert Mic Ii elson, 1852 in Strelno, nicht weit von Posen, geboren, jetzt Professor der Physik an der Universität in Chikago sich einen Weltruhm erworben, der 1907, wie erwähnt, durch die Verleihung des Nobelpreises gekrönt wurde. Als Erfinder eines „Tellurium, Lunarium et Planetarium" wird der 1816 in Amsterdam verstorbene Hartog van Laim genannt. In Wien geboren ist der 1909 hochbejahrt verstorbene Direktor der Pariser Sternwarte, M a u r i c e Le w y , der einige astronomische Instrumente konstruiert hat, darunter ein Teleskop, mit dessen Hilfe man die besten Photographien des Mondes erzielt, dessen zuverlässigste Darstellungen im Verein mit Mädler W i 1 h e 1 m Beer, der Bruder Meyerbeers, lieferte. Eine der wichtigsten praktischen Anwendungen der Astronomie ist die fortlaufende astronomische Ortsbestimmung eines Schiffes und in neuester Zeit eines Luftschiffes, die durch Apparate des Professors Adolf M ai'cuse an der Berliner Universität ermöglicht wird.7) (Fortsetzung auf Seite 743/744.) "') Einen Apparat zur Feststellung der atmosphärischen Druckveränderungen erfand Dr. R. Goldschmidt in Brüssel. MOSE BEN MAIMON. Von Dr. Simon Bernfeld. I. Eine der merkwürdigsten Erscheinungen in der Geschichte ist jene Epoche, in der sieh die W i e d e r - g e b u r t der menschlichen Kult u r durch die überaus fruchtbare Geistesarbeit der Jude n und der A r a b e r vollzogen hat. Das Abendland war infolge der Vernichtung der griechisch-römischen Kultur in tiefe Barbarei versunken. Was an Schätzen dieser Kultur erhalten blieb, lag unter Schutthaufen begraben, und selbst wenn sie unversehrt und jedermann zugänglich dagelegen hätten, fehlte es den abendländischen Völkern an jedem Verständnis für die geistigen Schöpfungen des klassischen Altertums. Ihre Kraft erschöpfte sich in wilden politischen und. religiösen Kämpfen, die der menschlichen Gesittung unheilbare Wunden zu schlagen schienen. In jener Zeit der zunehmenden Verrohung und Yerdummung im Abendlande übernahm der semitische Geist im Osten wiederum das Erziehungswerk an der Menschheit, wie er es einige Jahrhunderte zuvor auf religiös-ethischem Gebiet so erfolgreich getan hatte. Wie das jüdische Volk in der Zeit, als sein Staatsleben aufhörte, den Völkern ein Sittengesetz gegeben hatte, so arbeitete es jetzt gemeinsam mit den vom Islam beherrschten Arabern an der Ausgrabung der unter Trümmerhaufen versunkenen Geistesschätze und an der Wiederbelebung des schöpferischen Geistes im Menschen. Die Leistungen des jüdischen Volkes in jener Epoche sind um so merkwürdiger, weil sie ein neuer Beweis dafür waren, welche unverwüstliche und im-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.