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Ost und West · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 697 - 698

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
Die Fruchtbarkeit der Juden
Date
1913-09-01
Page
Seite 697 - 698 (sequence 5)
Language
German
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697 Dr. H. Hoppe, Königsberg i. Pr.: Die Fruchtbarkeit der Juden 698 Jn Algier war die Geburtsrate (Zschr. Dem. 1906, 16): auf je 1000 Juden Europäer Muhamedaner 1897/99 . . . 50,16 — — 1901 ..... 44,67 32,57 30,83 Mit Ausnahme also von Algier und von Serbien ist die Geburtenrate der Juden überall kleiner, in zahlreichen Ländern wesentlich kleiner als bei der nichtjüdischen Bevölkerung. Fast überall zeigt sich auch eine deutliche Abnahme der Geburtenrate, nicht nur bei den Juden, sondern auch bei den Nichtjuden, bei jenen allerdings wenigstens in den Ländern des Westens, wesentlich stärker als bei diesen, während in den Ländern des Ostens die jüdische Geburtenrate meist noch ganz günstig ist und vielfach noch doppelt so gross ist, als die der westlichen Juden. Wie ist nun diese Erscheinimg zu erklären? Hat die früher so viel gerühmte jüdische Fruchtbarkeit abgenommen? Es kommt dabei darauf an, was man unter dem Begriff Fruchtbarkeit versteht. Versteht man darunter die physiologische Fruchtbarkeit, d. h. die Fähigkeit der Männer zu zeugen und der Frauen zu konzipieren und die konzipierten Früchte bis zur Reife auszutragen, so kann man nur sagen, dass sich darüber nichts Sicheres ermitteln lässt. Man kann aber annehmen, dass infolge der durch die wachsende Assimilation der Juden bedingte Zunahme des Alkoholismus und besonders der Geschlechtskrankheiten bei den westlichen Juden, Krankheiten, durch die häufig die physiologische Fruchtbarkeit beeinträchtigt oder zerstört wird, die physiologische Fruchtbarkeit der Juden im Laufe der letzten Jahrzehnte, wenigstens zu einem gewissen Teil, geschädigt und verringert worden ist. Dies ist allerdings bei den Nichtjuden, wo diese Volksseuchen viel stärker wüten, in viel höherem Masse der Fall. Es lässt sich daher die geringere Geburtenhäufigkeit und die stärkere Abnahme der Geburtenrate bei den Juden gegenüber den Nichtjuden durch diese Abnahme der physiologischen Fruchtbarkeit sicher nicht erklären. Statistisch ist nur die tatsächliche Fruchtbarkeit, d. h. die durchschnittliche Zahl der Kinder auf eine Ehe zu fassen, wobei allerdings die unehelichen Kinder nicht berücksichtigt sind, die unter Umständen nicht unerheblich die Grösse der Kinderproduktion eines Landes oder eines Volksstammes, einer Konfession usw. beeinflussen. Aber auch über die tatsächliche Fruchtbarkeit der Ehen sind Ermittelungen bisher nicht vorhanden. Solche müssten alle Ehen betreffen, deren Produktionszeit bereits abgelaufen ist, in denen also die Frau das 50. Lebensjahr überschritten hat. Als ein ungefähres Mass der ehelichen Fruchtbarkeit in diesem Sinne hat man die Zahl der in einem gewissen Zeitraum geborenen ehelichen Kinder zur Zahl der in diesem Zeitraum geschlossenen Ehen genommen. Mombert und Hindelang haben nun, wie S e g a 11 betont, darauf hingewiesen, dass diese Methode, wenigstens für kürzere Zeiträume von einigen Jahren, wenig exakt und nur für längere Zeiträume einigermassen brauchbar sei. Auf Grund dessen bemängelt S e g a 11 die Aufstellungen T h e i 1 - habers (Untergang d. Juden, 55), wonach die Kinderzahl pro Ehe in Preussen betragen habe: 1820/30 ............ 5,19 1841/50 ............ 5,01 1878/84 ............ 4,34 1885/94 ............ 3,49 1895/1900 ........... 2,84 1900/05 ............ 2,73 1906/08 ............ 2,4 Die Zeiträume bis 1894 sind 10jährige Perioden, also nicht wenige Jahre, die späteren allerdings umfassen nur 5 bzw. 3 Jahre und entsprechen der Mombert sehen Forderung in der Tat nicht. Wenn man aber auch 10jährige Perioden für zu kurz hält und, um den Fehler zu verringern, 20jährige Perioden und längere nimmt, so ergeben sich (mit Zugrundelegung der von Goldsc heider mitgeteilten Zahlen für die Geburten und Eheschliessungen in Preussen (Zschr. Dem. 1907, 72) sowie der entsprechenden in Zschr. Dem. 1911, 182 und 183 gegebenen Zahlen Geburten auf eine Ehe: Nach Goldsc heid e r , Zschr. Dem. 1907, 71. 2,49 Zschr. Dem. 1911. Dabei sind von 1875 an die Mischehen sowie die Mischehenkinder zur Hälfte den Ehen bzw. Geburten der Juden zugerechnet. Da jedoch die Mischehen wenig fruchtbar sind, so erscheint es zweckmässiger, auch von 1875 an, wie in den vorangegangenen Zeiträumen, nur die rein jüdischen Ehen und die Kinder aus rein jüdischen Ehen zu berücksichtigen. Es lauten dann die Zahlen mit Benutzung der Angaben bis 1866 von Goldscheid er, von da an nach Zschr. 1820/40 . . 4,89' 1841/66 . . 4,38 1875/94 . . 3,91 1875/1900 . 3,64, 1901/09 . . 2,49 Dem. 1911,182,183: Juden Christen 1820/40 . . . . 4,89 4,18 1840/66 . . . . 4,38 4,24 1876/95 . . . . 3,87 4,59 1896/1909 . . 2,72 3,97 Wir sehen also, dass, wenn man auch 20 (und 25) jährige Zeiträume nimmt, das Resultat dasselbe bleibt: Die Zahl der Kinder auf eine geschlossene Ehe nimmt bei den Juden ständig und stark ab; während sie noch 1820/40 um 0,7, 1840/66 um 0,14 grösser war als bei den Christen, ist sie 1876/1895 um 0,72 und 1896 bis 1909 um 1,25 unter die Kind erzähl der Christen heruntergegangen. Dabei hat die Kinderzahl der Juden seit 1820/40 um über 2 (2,17) pro Ehe abgenommen, bei den Christen, wo erst in der letzten Periode ein Rückgang erfolgt ist, während bis dahin eine Zunahme vorhanden war, nur um 0,21. Ob die einzelnen Zahlen für die einzelnen Perioden genau bzw. etwas mehr oder weniger von der wirklichen abweichen, mag dahingestellt bleiben — der Fehler wird jedenfalls kern bedeutender sein —, die abnehmende und stark abnehmende Tendenz bei den Juden ist ganz unverkennbar. Kamen Anfang des vorigen Jahrhunderts noch ungefähr 5 Kinder durchschnittlich auf eine jüdische Ehe, so sind es jetzt nur 2—3. Dies entspricht auch so ziemlich allen unseren Erfahrungen über die tatsächlichen Verhältnisse. Man braucht nur Umschau oder Umfrage zu halten in seinen jüdischen Bekanntenkreisen, und man wird finden, dass die jetzige zum Abschluss der Kinderproduktion gelangte Generation nicht mehr so viel Kinder hat, als die Eltern oder gar die Grosseltern dieser Generation hatten. In Serbien kamen dagegen 1896/1905 bei den Juden noch 4,37 Kinder auf eine Ehe gegen 3,84 bei den Katholiken imd Protestanten und Katholiken, während bei den griechisch Orthodoxen, die die Masse der Bevölkerung bilden, die Zahl etwas grösser ist als bei den Juden. (Zschr. Dem. 1908, 134.) Exakter ist eine Fruchtbarkeitsmessung, die die Zahl der Geburten im Verhältnis zur Zahl der Frauen von 20—50 Jahren bestimmt; da jedoch zahlreiche

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