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Ost und West · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 687 - 688

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
Die Samaritaner
Date
1913-09-01
Page
Seite 687 - 688 (sequence 5)
Language
German
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687 Dr. S. Weissenberg, Elisabethgrad: Die Samaritaner. 688 Abb. 6. Jung^Samaria. Wochenfestcs. Als ich die Samaritaner am Laubhüttenfeste besuchte, fiel sein Anfang auf einen Samstag. Da dieser Tag in absoluter Ruhe verbracht wird, so wurde in der Synagoge gebetet. Aber auch am darauffolgenden Tage, dem Sonntag, wurde aus mir unbekannten Gründen der heilige Berg nicht bestiegen. Erst am Montag wurde dahin gepilgert, und als ich frühmorgens den Garizim bestieg, fand ich auf seinem Gipfel nur ein Zelt aufgeschlagen (Abb. 2), in dem etwa 20 erwachsene Samaritaner neben mehreren Knaben um den Hohenpriester versammelt waren. Ich kann nicht sagen, ob irgendein Gebet verrichtet wurde. Während meiner Anwesenheit wurde aber nur tüchtig Schnaps getrunken, auch wurden verschiedene Leckerbissen herumgereicht. Was sonst das Laubhütten fest anbelangt, so wurde der erste Tag durch einen festlichen Gottesdienst in der Synagoge gefeiert, während der Gottesdienst am Vorabend weniger feierlich war, was ich daraus schliesse, dass am Freitag abend die meisten gewöhnliche Kleider anhatten, dagegen am Morgen des folgenden Tages alle in weisse Kittel gehüllt waren. Die Sukkah scheint nicht obligatorisch zu sein. Gewöhnlich ist es irgendein Zimmer, das durch Laub und besonders schön —und grossgezüchletes Obst geschmückt dazu hergerichtet wird. Einen,,LuIab"kennen die Samaritaner nicht. An den Zwischentagen scheint jegliche Arbeit gestattet zu sein, da ich einige Samaritaner bei meinem Besuch bei ihren gewöhnlichen Arbeiten antraf. lieber den Gottesdienst der Samaritaner sowie ihre Synagoge wäre folgendes zu berichten: Letztere, Keniset es-Särnire (Versammlungsort der Samaritaner) oder gewöhnlich Bit Allah (Gotteshaus) genannt, ist em düsterer Raum, aus einer Halle mit gewölbten Nischen und einer grösseren Vorhalle bestehend. Eine der Nischen dient als Aufbewahrungsort der für heilig gehaltenen Thorarollon, sonst fehlt jeder Schmuck in der Synagoge, und nur einige zur Aufnahme der Thorarollen hergerichtete Ständer sowie ein paar Stühle für die Priester tragen etwas zur Abwechselung der daselbst herrschenden Einförmigkeit bei. Unter anderen Pentateuchkodizes besitzen die Samaritaner auch einen, den sie besonders hoch halten und die ,,Heilige Rolle" nennen. Sie soll aus dem Anfang der christlichen Aera stammen und wird nur am Versöhnungstage der Gemeinde vorgezeigt. Eine Besonderheit der samaritanischen Thorarollen ist ihr dreiteiliges Gehäuse, während die Sephardim und alle, die ihrem Ritus folgen, so die persischen, bocharischen und kaukasischen Juden, sowie auch die Karäer, zweiteilige Gehäuse haben; die Aschkenasimbewahren dagegen bekanntlich ihre Rollen nur in Mäntelchen. Den drei Teilen des Gehäuses entsprechen drei Stöcke, die oben silberne Verzierungen, an unsere ,,Ez Chajim" erinnernd, tragen und von denen die beiden seitlichen zum Aufrollen der Schriftrolle dienen, während der mittlere blind endet (Abb. 4). Der Gottesdienst besteht hauptsächj lieh in Rezitation von Gebeten und Hymnen, wobei die Gemeinde mit dem Gesichte nach dem heiligen Berge gewendet, in der Vorhalle steht, während der Hohepriester manchmal in Begleitung seines Gehilfen ihr gegenüber in der Halle sich befindet. Ein Teil der Gebete wird vom Hohenpriester oder seinem Gehilfen vorgesagt, die Hymnen werden laut im Wechselgesang vorgetragen, wozu einer aus der Gemeinde zum Anstimmen gewählt wird und vor sie in die Halle tritt. Die Gebete werden meistens stehend verrichtet, an einigen Stellen setzt man sich jedoch auf die den Boden bedeckenden Teppiche mit untergeschlagenen Beinen nieder. Der Synagogenraum gilt als heilig, weshalb er nur ohne Schuhe betreten werden darf. Als ich ohne diesen Brauch zu kennen in die Synagoge Inneingehen wollte, hielt mich der Hohepriester auf und machte mich, auf Ex. 3,5 aufmerksam: Ziehe deine Schuhe von den Füssen, denn der Ort, auf den du stehest, ist heiliger Boden". Sonst wird während des Betens häufig niedergekniet oder der Oberkörper vorgebeugt. An einigen Stellen werden Hände und Vorderarme vorgestreckt, als ob man etwas empfangen wolle; an anderen mit den Händen langsam über das Gesicht gefahren. Auf mein Befragen wurde mir der Bescheid, dass das Vorstrecken der Hände mit Bittgebeten verbunden sei, während das Bedecken des Gesichtes bei Erwähnung des Crottesnamens geschehe. Diese Sitte hat sich auch bei uns beim Schemagebet erhalten, ihr Vorhandensein bei den Samaritanern deutet also darauf, dass sie sehr alten Ursprungs sein muss. Den feierlichsten Teil des Gottesdienstes bildet das Vorzeigen der Thora, zu welchem Akt die Priester einen Gebetmantel ohne Schaufäden anlegen. Zum Schluss des sabbatlichen Gottesdienstes trat jeder Anwesende an den Hohenpriester heran, küsste dessen Hand und wurde von ihm gesegnet; mit den angesehenen Mitgliedern wechselte er einen Mundkuss aus. An jenem Sabbat zählte ich in der Synagoge über 70 Männer samt Knaben, es war somit beinahe die gesamte männliche Bevölkerung zum Gottesdienst erschienen. Die Gebete sind in samaritanischer Sprache verfasst, die nach Aussage des Hohepriesters noch etwa 60 (?) Männer verstehen. Die jetzige Umgangssprache der Samaritaner ist das Arabische. Der Priesterstand scheint an gewissen Nasiräergesetzen noch festzuhalten. So tragen die Priester

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