Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- Die Samaritaner
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 689 - 690 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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689 Dr. S. Weissenborn, Elisabethgrad: Die Samaritaner. 690 und ihre Söhne langes ungeschorenes Haar, das sie in Zöpfen um den Kopf hinden (Abb. 5). Die Würde des Hohenpriesters ist jetzt erblich in einer levitischen Familie, da die hohepriesterliche Linie, die sich direkt von Aaron ableitete, im 17. Jahrhundert ausgestorben ist. Der jetzige Hohepriester namens Jakob leitet seine Gemeinde seit melu'eren Dezennien. Er ist ein sehr liebens- und ehrwürdiger Mann, mit dem sich für entsprechende Belohnung alles machen lässt. Gut ist es, wenn man eine Empfehlung an ihn mitbringt und die Bekanntschaft mit einem kleinen Geschenk einleitet. Herr D. Jellin in Jerusalem war so liebenswürdig, mir einen Brief auszustellen, und ich präsentierte mich dem Hohenpriester mit einem Pfund Tee, den die Samaritaner leidenschaftlich trinken. An der sprichwörtlich gewordenen Habgier der Samaritaner sind die Touristen und die Gelehrten, die an sie herantreten wollen, selbst schuld, indem sie die Trinkgelder unangemessen in die Höhe schrauben. Ueberhaupt habe ich über die Samaritaner nicht zu klagen, indem ich ziemlich billig davongekommen bin, was vielleicht daran lag. dass ich sie ausserhalb der eigentlichen Saison besuchte und sie deshalb auch mit einem weniger verschwenderischen Touristen vorlieb nehmen mussten. Für die Lage der Frau bei den Samaritanern ist die Tatsache bemerkenswert, dass ich keine zu Gesicht bekommen habe; auch besuchten sie die Synagoge nicht. Die einzige Frau, die mir anzuschauen vergönnt war, konnte mir nicht davonlaufen, da sie eine Niddah war und ihren Ort nicht verlassen durfte. Dieser glückliche Zufall gab mir die seltene Gelegenheit, ein Bild davon zu gewinnen, wie die Niddah laut Lev. 15, 19—28, im Altertum behandelt wurde. Die Frau sass an einer der Zimmerwände am Boden auf einem Teppich, wobei ihr Lager von Steinen umgrenzt war, ihr kaum 1 am zur freien Verfügung lassend; an einer ihrer Seiten stand ein Gefäss mit Wasser. In dieser Absonderung bleibt die Frau acht Tage lang, wenn aber am letzten Tage noch Blutspuren erscheinen, so wird die Absonderung bis auf 14 Tage verlängert. Leider wurde mir nicht gestattet, dieses Bild auf die photographische Platte zu bringen. Wovon leben nun die Samaritaner? Einige beschäftigen sich mit dem Kopieren ihrer heiligen "Bücher, die sie für schönes Geld an Touristen und Gelehrte absetzen; einige sind bei der Verwaltung als Schreiber angestellt; wieder einige sind Handwerker, die aber ein kümmerliches Dasein fristen, da sie meistens nur Abb. 5. Priestersöhne. auf samaritanische Klientel angewiesen sind. Dies wurde mir ausdrücklich von den Schneidern berichtet. Das Vorurteil ist wohl in der Abneigung begründet, welche die Moslims den Samaritanern gegenüber von jeher liegten. Auch jetzt noch gestattet sich manchmal ein hasserfüllter mohammedanischer Nachbar, wie mir mein Führer erzählte, den lustigen und für ihn unschuldigen Streich, eine tote Ratte ins samaritanische Viertel zu schleudern, wras ihnen infolge der von ihnen noch befolgten bmlischen Reinheitsgesetze ungeheure Unannehmlichkeit verursacht. Das samaritanische Stadtviertel liegt im Südwesten von Nablus und heisst Charet es-Sämire. Es besteht nur aus einigen Häusern, die sich eng um die Synagoge gruppieren. Die Enge der Wohnungen ist vielleicht die Ursache für die ungesunde Gesichtsfarbe der meisten Samaritaner, sowie für die unter ihnen herrschenden Augen- und Lungenkrankheiten. Mit einigen Worten möchte ich noch kurz den antropologischen Typus der Samaritaner streifen. Sie zeichnen sich durch hohe Statur, Neigung zu Langköpfigkeit, langes Gesicht, schmale semitische Nase und brünetter Farbentypus aus. Ihre Geschichte gibt uns dafür Anlass, sie im ganzen weniger gemischt als das heutige Judentum zu betrachten, und daher hat sich unter ihnen der semitische Urtypus reiner erhalten als unter den Juden (Abb. 7). DIE FRUCHTBARKEIT DER JUDEN. Von Dr. H. Hoppe, Nervenarzt in Königsberg i. Pr. Die Klagen über die Abnahme der Geburtenhäufigkeit sind verhältnismässig jungen Datums. Sie wurden zuerst in Frankreich, und zwar in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts, laut und blieben längere Zeit auf dieses Land beschränkt, in dem die ungenügende Volksvermehrung und der unausreichende Heeresersatz bei den ernsten Politikern und Vaterlandsfreunden schwere Sorgen und Beklemmungen hervorriefen, während _ man in den übrigen Kulturländern, die sich noch einer recht reichlichen Volksvermehrung rühmen konnten, mit einem gewissen Gefühl des Stolzes und vielleicht auch der Schadenfreude auf Frankreich herabsah. Aber in. den letzten Jahren hat die Abnahme der Geburtenhäufigkeit auch anderwärts einen Umfang angenommen, der ernste Sorgen zu erregen beginnt, und besonders in Deutschland sind in den letzten beiden Jahren eine Reihe von Arbeiten und Büchern über