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Ost und West · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 683 - 684

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
Die Samaritaner
Date
1913-09-01
Page
Seite 683 - 684 (sequence 3)
Language
German
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683 Dr. S. Wrissenberg, Elisabethgrad: Die Samaritaner. 684 Abb. 3. Auf dem Garizim am Laubhüttenfest. Abb. 2. Nördlicher Teil des Passahopferplatzes. 2m □ übertrieben zu sein, denn 1901 wurden von H n x 1 e y (Jew. Enc. X) im ganzen 152 Seelen gezählt, und zwar: männliche Personen über 15 Jahren 72 j cr unter „ „ 25 ] l 1c-9 weibliche „ über 12 „ 44 ) „ \ 1 unter „ „ 11 S D° Es scheint somit, dass in Beziehung auf das Geschlecht der Nachwuchs sich ebenso unvorteilhaft verteilt, wie die erwachsene Generation. Nablus, das biblische Sichern, das von jeher der Mittelpunkt der Samaritaner war, ist jetzt ihr einziger Aufenthaltsort. Die Bevorzugung von Nablus steht wohl mit dem in der Nähe befindlichen heiligen Berge Crarizim im Zusammenhang, ihr Tempel auf diesem Berge wurde wahrscheinlich noch zur Zeit Nehemias, als die Trennung von den Juden erfolgte, erbaut, und zwar wohl deshalb auf dem Berge Garizim, weil er in der Bibel mehrmals als Berg des Segens erscheint (Deut. 11, 29 und 27, 12). Diesem samaritanischen Tempel erging es im allgemeinen nicht besser als dem jerusalemischen. Er wurde zuerst vom Makkabäer Johannes Hyrkanos im Jahre 129 v. Ch. zerstört, da die Sa-! maritaner die Juden in ihrem Kampfe \ gegen die Syrer nicht nur nicht unter- J stützten, sondern mit ihren Wider- | sachern gemeinsame Sache machten. '12m Der Tempel scheint aber später noch-! mals aufgebaut worden zu sein, da j die Münzen von Flavia Neapolis, ■ wie das' alte Sichern nach seiner j Zerstörimg durch Vespasian zu Ehren 1 N des Kaisers genannt wurde — daher heute noch der Name Nablus — einen Berg aufweisen, dessen Gipfel ein tempelartiges Gebäude krönt. Die endgültige Zerstörung des Tempels erfolgte, . wie es scheint, zur Zeit des Kaisers Zeno, der an seiner Stelle eine Kirche bauen Hess. Jetzt ist auf dem Garizim nur ein Trümmerhaufen zu sehen, aus dem sich ein Felsen erhebt, der von den Samaritanern als die Stätte bezeichnet wird, wo der Altar ihres Tempels gestanden haben soll. Aber wie Zion den Juden, so ist Garizim den Samaritanern noch jetzt heilig. Um seine Heiligkeit S. zu erhöhen, wurden mit der Zeit einige der biblischen Legenden mit ihm in Verbindung gebracht. So wurde ...Ix 1.5 m < C °^ Abb. 1. Passahopferplatz. Schlachtgrube, b) Dünstgrube, c) Säulenbruchstücke, d) Ofen. auf diesen Berg das Paradies verlegt; hier sollte Isaaks Opferung stattgefunden haben; seinen Gipfel erreichten nicht die Wasser der Sintflut; die Bundeslade liege in einer seiner Höhlen geborgen, und noch vieles andere. Jedenfalls ist der Glaube an die Heiligkeit des Berges Garizim einer der fundamentalsten Punkte, wenn nicht der wichtigste von allen, auf denen das samaritanische Schisma aufgebaut ist, indem ihr Glaubensbekenntnis folgendermassen lautet: Ich glaube an dich Jahwe und deinen Diener Moses, den Sohn A m - rams, auch an das heilige Ges.etz, an den Berg Garizim als Gottessitz, sowie an einen Tag der Strafe und Vergeltung. Wir haben es somit mit strengen Monotheisten zu tun und es muss angenommen werden, dass die Samaritaner schon zu Beginn der Spaltung solche waren, denn es liegt ja auf der Hand, dass sie nach der Trenmuig vom Judentum diese Idee nicht selbständig entwickeln konnten, da bekanntlich ein Stehenbleiben auf ursprünglichem Niveau für den Sektengeist charakteristisch ist. Ganz den Verhältnissen entsprechend ist auch die Tatsache, dass die Samaritaner ausser dem Pentateuch keine anderen biblischen Bücher besitzen, da die Trennung vor dem Absehluss des Kanons erfolgt ist und zwar zu einer Zeit, die dem Leben und Wirken manches Propheten voranging. Aus diesem Grunde verehren sie auch keine Propheten ausser Moses und teilweise noch Josua. Das strenge Festhalten an der biblischen Vorschrift hat manchen Unterschied in der religiösen Praxis der Samaritaner und Juden geschaffen. So kennen die Samaritaner selbstverständlich nur die biblischen Festtage, also nicht Purim und Chanukkah. Der Gebrauch von Phylakterien, Schaufäden, Gebetmänteln und der Mesusah ist ihnen unbekannt. Die Beschneidung wird ohne ,Priah4 ausgeführt. Jhre Schächtregeln weichen von den jüdischen ab; das geschächtete Tier wird nicht auf seinen Gesundheitszustand untersucht, was einen imerlässlichen Teil des jüdischen Schächtens ausmacht; auch haben

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