Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- Die Samaritaner
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 681 - 682 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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681 Dr. S. Weissenberg, Elisabethgrad: Die Samaritaner. 682 Abb. 7. Samaritanergruppe. sich aber nicht Schomeronim, wie es richtig wäre, sondern Schomerim, also Hüter (des Gesetzes). Von dem in der rabbinischen Literatur gebrauchten Namen „Kutim" wollen sie nichts wissen und nennen sich am liebsten Israelim. Wie stark die Sekte bei ihrer Entstehung war, dafür sind gar keine Anhaltspunkte vorhanden. Jedenfalls haben es die Saniaritaner in keinem Abschnitte ihrer Geschichte quantitativ weit gebracht und sind fast immer auf das enge Gebiet von Samaria beschränkt geblieben. Einen Begriff von ihrer Stärke kann übrigens die Zahl der A-on ihnen Gefallenen geben, als sie sich im Jahre 67 in der Absicht, Vespasian entgegenzutreten, auf dem Berge Garizim versammelten, wobei nach Jos. Flavius (Bell. Jud. III, 7, 32) 11 600 Samaritaner erschlagen wurden. Sie scheinen sich aber bald erholt zu haben, da sie von den Römern wegen ihrer Hilfe in den weiteren Kämpfen gegen die Juden zur Zeit B ar -Kochbas begünstigt wurden. Bemerkenswert ist ihr tiefer Hass gegen das entstehende und noch nicht ganz gefestigte Christentum, der wohl als Ausfluss ihres reinen Monotheismus zu betrachten ist und der sie mehrmals zu Metzeleien und zu Zerstörungen von christlichen Kirchen verleitete. Im Jahre 529 lehnten sie sich sogar gegen die Gewalt des oströmischen Kaisers Justinian auf, plünderten viele christliche Siedlungen und wählten einen der ihrigen, J u 1 i a n Bar- S a b a r , zum König. Der Aufstand wurde aber rasch unterdrückt, und die damals erlittene Niederlage scheint das kleine Völkchen gänzlich gebrochen zu haben, wozu auch die darauf erfolgenden scharfen Verfolgungen wohl das ihrige beigetragen haben. Ein Teil der Samaritaner flüchtete nach verschiedenen Richtungen, war aber nicht imstande, die schon früher vorhandenen kleinen Kolonien in der Diaspora, so in Aegypten und Rom, wohin sie wohl zusammen mit den Juden gelangt^sind, zu neuem Leben aufblühen zu lassen. Diese Kolonien gingen somit früh ein, sowie auch diejenigen auf asiatischem Boden in Babylonien und Damaskus, wohin sie wohl hauptsächlich die Justinianischen Verfolgungen getrieben hatten. So sehen wir im Mittelalter nach den Berichten des Benjamin von Tudela aus dem Ende des 12. Jahrhunderts die Zahl der Samaritaner sehr reduziert, indem er diese für Palästina und Syrien auf etwa 1500 Seelen schätzt. Es ist wohl anzunehmen, dass zu jener Zeit auch einige Hundert Samaritaner in Aegypten lebten, da Meschullam ben-Menachem dort noch im Jahre 1480 etwa fünfzig samaritanische Familien angetroffen hat. Nachdem die auswärtigen Kolonien sämtlich ausgestorben sind, gehen die Zahlen ziemlich schnell herunter, so dass seit Anfang des 19. Jahrhunderts die Samaritaner nur in Nablus anzutreffen sind und zwar in einer stets unter 200 stehenden Kopfzahl. Zu besonderem Skeptizismus in bezug auf die Zukunft der Samaritaner veranlasst die Tatsache, dass jetzt das Geschlechtsverhältnis unter ihnen ein sehr ungünstiges ist, indem die Zahl der Männer bedeutend die der Frauen übersteigt, so dass verhältnismässig viele junge Leute unverheiratet bleiben müssen. Die Suche nach Frauen hat einstweilen keinen Erfolg gehabt, da ein Eintritt in eine nach Anschauung und Sitte völlig fremde Umgebung wohl niemandem zusagt. Es sollen sogar misslungene Versuche gemacht worden sein, mit den Falaschas in nähere Beziehungen zu treten. Unvergesslich wird mir der Vertrauens- und zugleich schmerzvolle Gesichtsausdruck des samaritanischen Hohenpriesters bleiben, als ich ihm bei unserem Abschied die Worte zurief: „Seid fruchtbar und mehret euch!" Er zuckte dieAchseln und hob die Augen voll sehnsüchtiger Erwartung gen Himmel, als ob er sagen wollte: ..Dort ist die Entscheidung!" Man begreift diese Verzweiflung, wenn man berücksichtigt, dass zur Zeit meines Besuches etwa 25 erwachsene Männer keine Frauen hatten, und alle auf die nächste damals etwa neunjährige Heiratskandidatin ihre Hoffnungen setzten. Ein Missverhältnis, das um so auffallender ist, als die Gesamtzahl der Männer etwa 110 und die der Frauen etwa 70 betragen haben soll. Aber auch diese Zahlen scheinen