Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 8 (August 1913)
- Article
- Kritik der Kritik
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 617 - 618 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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617 Dr. Simon Bernfeld: Kritik der Kritik. 018 lieh folgender: Dio Cassius berichtet (67, 14), dass Domitian Personen, die des Atheismus oder der Hinneigung zum Judentum beschuldigt waren, so auch Titus Flavius Clemens und seine Gemahlin Domitilla, habe bestrafen lassen. Vom Christentum ist da gar keine Rede. Nun nehmen neuerdings christliche Forscher an, dass es sich in diesem Falle um Verfolgungen von Christen handle (Schürer schreibt noch vorsichtig: w a h r - s c h e i n 1 i c h), da man um jene Zeit noch nicht den Unterschied zwischen Judentum und Christentum kannte. Nun, neigten Titus Flavius Clemens und seine Gemahlin zum Judentum hin, so brauchte ja Josephus ihretwegen dem Christentum keine Freundlichkeiten zu sagen. Legen wir aber den Bericht des Dio Cassius dahin aus, dass jene Verwandten des Kaisers mit dem Christentum sympathisierten, A. PFEFFERMANX-PAXX. Das Familienporträt. PARIS. A. PFEFFERMAXX-PAXX. PARIS. Die Marktfrau. (Vom „Museum de Luxembourg" (ingekauft.) wofür sie bestraft wurden, so wird Josephus wohl kaum die Partei der Verfolgten ergriffen haben, zumal er doch selbst kein Christ war. Harnack meint ferner, ein Christ hätte, wenn er der Verfasser dieses Absatzes wäre, es nicht vermieden, über die Verbreitung und die Bedeutung des Christentums in späterer Zeit etwas zu sagen, statt sich mit den wenigen kühlen Worten zu begnügen, dass die Gemeinschaft der Christen jetzt noch bestehe. Allerdings hätte ein Christ etwas mehr sagen können. Bedenkt man aber, dass sich der Interpolator in etwa 10 Zeilen mindestens viermal verraten hat, so wäre er gar zu ungeschickt, wenn er am Ende ganz deutlich seinen christlicehn Standpunkt noch hätte hervortreten lassen. Er wollte doch Josephus sprechen lassen, und diesem hat er ohnedies schon sehr viel in den Mund gelegt. Im ganzen Werke des Josephus findet man keine zweite Stelle, wo in so wenigen Zeilen so viel gesagt wird. Das gibt ja Harnack selbst zu. Allzu kritisch ist der Interpolator gewiss nicht zu Werke gegangen, denn er hätte sich sonst sagen müssen, dass nur ein Christ Jesus als ein übermenschliches Wesen bezeichnen, ihn drei Tage nach seiner Kreuzigung wieder als lebendig erscheinen lassen und auf ihn die Weissagungen der göttlichen Propheten beziehen konnte. Noch mehr unter der Maske des Josephus zu sagen, dies verbot ihm auch die primitivsteVorsicht. An einer Stelle bleibt Harnack stutzend stehen und er ist nahezu geneigt, sie preiszugeben — nämlich an dem Passus, wo der Interpolator die Weissagung der göttlichen Propheten auf die Auferstehung Jesu und tausend andere Wundertaten bezieht. Das kann doch der Jude Josephus nicht gesagt haben. Harnack ist seiner Sache nicht mehr sicher, und zur Not will er an dieser Stelle eine christliche Interpolation zugeben. Aber aus