Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 8 (August 1913)
- Article
- Kritik der Kritik
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 615 - 616 (sequence 3)
- Language
- German
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615 Dr. Simon Bentfeld: Kritik der Kritik. 616 A. PFEFFERMANN-PANN. Der Führer. und sie wurde als ein schwieriges Problem unter den Heidenchristen erörtert. Die Tatsache selbst zu leugnen, hat kein Christ gewagt. Wie konnte somit, fragt Harnack, ein christlicher Interpolator sich darüber einfach hinwegsetzen? Aber diese Schwierigkeit empfinden wir um so deutlicher, wenn die betreffenden Worte von Josephus herrühren sollten. Da ist nicht nur die Frage, w i e konnte dies Josephus tun, sondern auch, wozu tat er dies? Wozu wollte er die geschichtliche Tatsache korrigieren? In Wirklichkeit jedoch ist die Sache sehr erklärlich. Origenes hat diesen Absatz, den er in seiner Apologie Jesu so gut hätte gebrauchen können, nicht gekannt. Als dieser Absatz in Josephus' Darstellung hineingeschoben wurde, war die hellenische Welt bereits stark vom Christentum beherrscht. Dann hätte man schon vielleicht eher die Juden beiseite schieben können, wenn es nicht durch die evangelische Erzählung nur allzu bekannt gewesen wäre, dass Jesus unter Juden gelebt und gewirkt hatte. Man kann sogar vermuten, dass der Interpolator hier geschickt eine Polemik gegen die Judenchristen eingeflochten hat, Jesus habe von vornherein nicht nur Juden, sondern auch Hellenen an sich herangezogen. Paulus hatte also durchaus recht, wenn er die Exklusivität der Judenchristen bekämpfte. Es drängte sich Harnack von selbst die Frage auf, wozu Josephus in dieser Form über Jesus und sein Wirken geschrieben habe, da er offenbar an ihn nicht glaubte. Die Antwort darauf gibt Harnack so, dass Josephus wohl für sich dem Christentum recht kühl gegenüberstand, aber es doch für gut befunden habe, einige „gönnerhaftkühle'* Worte über Jesus zu schreiben, da in der nächsten Nähe des Kaisers Domitian, unter dessen Herrschaft Josephus die ,,Jüdischen^Altertümer" schrieb, Personen lebten, die Christen waren oder zum Christentum hinneigten. Es waren dies in erster Reihe Titus Flavius Clemens, ein Verwandter des Kaisers, und seine Gemahlin Domitilla. Diese Annahme, durch die Harnack die sonderbare Haltung des Josephus erklären möchte, ist aber unbegründet. Die Kirchengeschichte weiss von Christenverfolgungen durch Domitian zu erzählen. Es wäre demnach sehr sonderbar, wenn der vorsichtige Josephus weniger auf die Abneigung des Kaisers selbst gegen das Christentum Rücksicht genommen hätte, PARIS, als auf die Sympathie eines Verwandten des Kaisers für das Christentum. Allerdings wird die Annahme der Christenverfolgungen durch Domitian von der Wissenschaft jetzt stark angezweifelt. Stellt man sich aber auf diesen Standpunkt, so fällt das Ganze wie ein Kartenhaus zusammen. Der Tatbestand ist nämt^lM&tt1 wf®! A. PFEFFERMAXX-PAXX. Geflügelhändler. PARIS..