Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1913)
- Article
- Wolf und Itzig zur Einholung des Königs in Breslau im November 1861
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 545 - 546 (sequence 2)
- Language
- German
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545 Siegfried Mehring: Wolf und Itzig zur Einholung des Königs in Breslau im November 1861. 546 mer gemacht e Ehrenfort', as ganz Jüschef is zusammgeloffen im hoben Gewalt geschriegen. Un unser Guwerneer not gesogt: Doos is zu viel, doos passt for e Ferscht, — esau schein wor dos. Itzig: Ich glaab nischt, das es esau schein wor, wie dos do! Wolf: Nu, as de's nischt glaabst, wer' ich der verzeihlen, wie de Ehrenforte wor: erst sennen gewesen zwei grausse Bäumlech, ober nischt mit Fähncher — Itzig: Wos denn? Wolf: Mit Efdoles auben. Die hot der Schames gebrocht. Un dernoch is gewesen vun scheinem Guldpapier ausgeschnitten: Borüch habbo mit e scheine Krün', aach vun Guld. Un an de linke Seit' hobben gestanden zwelf Nekeiwes mit lange Zopp' un Efdoles in de Hand, un uf de rechte Seit hoben gestanden der Roof un der Dajen un Bocherem vun de Talmetaure zehn Stück. Un dernoch is gestanden der Chasen mit Bas un Singer, mit sechs Musekanten mit Fijelin un Basgeige — hoste gesehn! Un der Chasen hot angehauben e Koll rauszuleigen, doss alle hoben gemusst onheiben zu waanen. Un dernoch hat der Roof angehauben zu darschenen, doss alle hoben wieder gemusst waanen. Nu, wor das nit schein? He? Itzig: Nu, du musst doch ober erst abwarten, ob dos hier nit werd auch esau schein sein! Hoste geheert! Ich maan', sei werden hier aach evadde den Chasen un Meschorrim nehmen, as se sollen e Schir singen, wenn's Halenes kummt. Wolf: Za weza, lossen mer weiter geihn. Hier werd me gor gestuppt im gestaussen. (Im Gedränge schieben sie sich bis zum Tauenzienplatz vor.) Itzig: Seh nor, Wolf, vun beide Seiten sennen Buden mit Bank', as me soll können über alle wegsehn. Nu, es meeg evadde kosten fünf Peim. Zwei Peim mecht' ich geben, wenn ich dobei sitzen könnt', mehr nit! Wolf (erkundigt sich nach dem Preis eines Tribünenplatzes, man fordert anderthalb Taler) — (zu Itzig): Was maanste? Der Scheigez muss meschugge sein. Er verlangt nischt mehr als e Taler un fufssehn Peim! Itzig: Wos? E Taler un fufssehn Peim? Wolf: Loss er sich den Rosch scherschiebern! Von uns werd er nischt kriegen. (Die Bäcker kommen mit einer Prätze 1.) Itzig: Still, Wolf! Seh' nor! Wos sennen dos fer Leit'? Eine Stimme: Das sind die Bäcker! Itzig: Heerste, dos sennen de Bäcker. Seh nor, wos se do hoben! Dos is e Prätzel! Wos machen se ober? Es regent doch, werd doch de Prätzel nass! Wolf: Nu, as der Meilech werd dodervon essen, werd er sich e Stückche uf den Auwen leigen, zu truckenen, oder tunkt sich aan in Koffee. Itzig: Muss denn der Meilech vun jeden essen, wos de Balmeloches do mitbrengen? Wolf: Hest e Kasche! Evadde muss er vun jedem essen, nor es brauch' nit viel zu sein, doss er sich nich soll 'n Mögen verderben. Itzig: Ich heer schaun wieder Musik. (Die Klempnerinnung kommt.) Itzig: Seh nor emol, Wolf, voran den zu Ferd, den Achoschweirausch! Sehr schein! Wros dos for e Stang' Geld kost'! Wolf: Sehste, jetzt kummt noch e Achaschweirausch mit den Ferd un sswei Fussbalmechomes. Sehr schein! E Gewuhre! (Die Zimmer leute kommen mit einem Turm.) Itzig: Weih! wie schein! Seh nor, Wolf! Sehste, dos is der Thorm vun Bowel! Esau hot er ausgesehn. Wolf: Peschiete! Worum? Du host ehm esau gesehn wie ich. Mir scheint, er wird e bissche heecher gewesen sein. (Die Zigarrenmacher ziehen vorüber.) Itzig: Seh nor, Wolf, die grausse Szigorie! Wie e Gewuhre! Wie schein! Wolf: Dos is evadde e Szigorie for Ejg, melech ha boschen, gewesen. Der hot evadde kaane klaanere Szigorie rauchen gekennt! Nit wohr? Hab' ich recht? (Die Fischer nahen mit einem Netz.) Itzig: Seh nor, Wolfleben, de scheinen Fischcher! Wenn es war' Freitag gewesen, im wenn's wär 'n Karpen gewesen, un wenn mein Weib wär' hier gewesen, im wenn se wär'n billig gewesen, un wenn ich hätt' übrig Geld bei mer gehatt, un wenn ich hätt' maane Potscheibe bei mer gehatt, hätt' ich gewesen gehatt gekauft takesch szwei Karpen for maan Weib un hätt' se gelosst kochen mit Lekech un Bier un e Zach Feffer un Zwibbeles. (Die Hutmacher erscheinen.) Wolf: Seh nor emohl die klaanen Hütcher an, un allerhand! Nor es sennen grausse Chamaurim. Wos wer'n se sogen, wenn's Malches werd se frogen nach de Strohhütcher? Wer'n se kaane hoben! Itzig: Jau, du maanst, der Meilech wird of alles frogen! Geih, er wird sich gor nischt sehend machen. (Die Goldarbeiter marschieren auf.) Wolf: Itzig, seh nor emohl dohin! E Spasst Seh nor dos Kessew wesohow! Kinder, dos muss doch gor kosten eschires! Ober e Chanukeleichter hob ich nischt gesehn! Seh nor emohl, es is doch e grauss Risches hier! Itzig: Nu, e Kiduschbecher hob' ich jau gesehn, un de Menaure hoben se ewadde vergessen mitzunemmen. (Die Schuhmacher werden sichtbar.) Wolf: Weih geschriegen! Dos is e Stiewelf Bei mein Leben! Un hoste gesehn de Nerohnim? Wer hat esau e' graussen Fuss? Unser Schames hot zwar e graussen Fuss, ober in den Stiewel kenn er sich mit saan Weibche mitsamt de Kinderche reinstecken! (Die Kupferschmiede nähern sich.) Itzig: Still! Ich seh' wieder eppes anders.'' Sehste! e graussen Kessel, evadde for e Branntweinbrenner! Un dos is schein, dos kann me doch gebrauchen.