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Ost und West · 1913-07-01 · Heft 7 (Juli 1913) · p. Seite 543 - 544

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 7 (Juli 1913)
Article
Wolf und Itzig zur Einholung des Königs in Breslau im November 1861
Date
1913-07-01
Page
Seite 543 - 544 (sequence 1)
Language
German
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543 544 WOLF UND ITZIO ZUR EINHOLUNO DES KOENIGS IN BRESLAU IM NOVEMBER 1861. Von Siegfried Mehring (Breslau 1815—1865). Vorbemerkung. Die komische Schilderung von dem historischen Huldiguiigszug der Breslauer Handwerker (aus dem Nachlass meines Vaters Siegfried Mehring) betrifft den Einzug König Wilhelms. I. (des späteren Deutschen Kaisers) in Breslau, kurz nach seiner in Königsberg erfolgten Krönung (die am 18. Oktober 1861 stattfand). Die Erinnerung an jenen Breslauer Festzug wird durch den eben, am 17. Juni d. J., zum Regierungsjubiläum Kaiser Wilhelms IL veranstalteten Huldigungszug der Berliner Handwerker wachgerufen, und ein Vergleich zwischen diesen beiden Ereignissen darf vielleicht kulturhistorischen Wert beanspruchen. Der Verfasser hat von dem Vorrecht des Humoristen Gebrauch gemacht und zwei Männer aus dem Volke aufgegriffen, die als Augenzeugen der Feierlichkeit beiwohnen und sie in ihrer Sprache, hier die jüdisch-deutsche Mundart, schildern. Die Sprachform ist die der ungebildeten schlesischen Juden um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Die moderne Schulbildung hat sie, wenigstens aus Deutschland, fast ganz und gar verdrängt. Man sollte sie aber nicht mit verächtlichem Stolz oder gar mit höhnischen Bemerkungen abtun, denn als Kulturmerkmal hat diese jüdisch-deutsche Mundart keine geringere Bedeutung als irgendeine andere Mundart. Wie Holtei im schlesischen Dialekt, Reuter im mecklenburgischen, andere Humoristen im Berlinischen über das Dichterische hinaus Sprachdenkmäler schufen, die selbst der wissenschaftlichen Forschung zugut kommen, so dürfte wohl auch die Sprachform, deren sich Siegfried Mehring bediente, der gleichen Beachtung würdig sein. Ja, es ist vielleicht von erhöhter Wichtigkeit, diese jüdisch-deutsche Mundart festzulegen, denn sie hat, wie die Juden selbst, schon seit dem Mittelalter eine wohl allen deutschen Volksmunclarten überlegene Vermittlerrolle im europäischen Völkergemisch gespielt und spielt sie noch in ausgedehnterem Masse. Im ganzen Osten Europas, über Russland bis nach Kleinasien, und ausserdem auch in den Vereinigten Staaten von Nordamerika bildet die jüdisch-deutsche Mundart das bequemste Verständigungsmittel, und damit sicherlich auch die Vorstufe zur Kenntnis der deutschen Sprache. Es wäre falsch, die Daseinsberechtigung dieser über die Welt verbreiteten jüdisch-deutschen Mundart deshalb abzustreiten, weil sie aus einer Vermengung und Verstümmelung zweier grossen Kultursprachen, der deutschen und der hebräischen, entstanden ist. Die Wissenschaft hat längst erkannt, dass man von Sprachverstümmelung eigentlich nicht reden kann, sondern immer nur von einer Sprachentwicklung. Die Wissenschaft hat auch festgestellt, dass die Sprachentwicklung durchaus nicht den Weg der Schönheit geht. Unser Hochdeutsch steht an Formenreiz und Wohlklang weit hinter dem Mittelhochdeutschen zurück und verliert selbst jetzt noch immer mehr an Vorzügen dieser Art. Wie Sprachvermengung aber wirken kann, das sehen wir alle an der englischen, aus germanischen und romanischen Grundelementen zusammengesetzten Sprache. Für diejenigen, denen die hier angewendete Mundart ganz fremd ist, sei noch bemerkt, dass das Jüdisch- Deutsch in einem singenden Ton gesprochen wird, der aus der Vortragsweise der talmudischen Gelehrten hervorging und eine überti^iebene, aber nicht unschöne Dehnung der Vokale herbeiführt. Zweifellos kam dadurch etwas Melodisches in die mit Unrecht als lächerlich verschriene Redeweise. In der folgenden Skizze soll sie allerdings, wie eben jede Volksmundart, lächerlich wirken, aber — dies muss besonders betont werden — nicht deshalb lächerlich, um die Volksklasse zu verspotten, sondern um die erheiternde Stimmung zu erhöhen, die von dem Gespräch der beiden lustigen Volkstypen ausgeht. Einige schwer verständliche Ausdrücke habe ich am Schluss der Humoreske in alphabetischer Anordnung der deutschen Bedeutung gegenübergestellt. Sigmar M e h r i n g. Wolf: Nu, wu werste geihn, ums Malches zu sehn? Itzig: Wu ich wer' geihn? Ich wer' geihn uf de Pausner Bohn. Do seht me's am besten. Denn do sennen zu sehn, wie sie kummen zu geihn de Breslauer Marnsels mit lauter malchesdicke Pöhnemer, im wie se geihn angethun ins scheinste Malbisch. Wolf: Lossen mer lieber uf den Taunzienplatz geihn, wu der Gcnerol ligt begroben uf den graussen Stein, denn ich hob' geheert, do kummen alle Balmeloches vorbei mit Stangen im Aext un grausse Fähncher un mit Musik. Itzig: Nein, do geih ich nischt, denn do hält me's nit aus vor e grauss Gedräng', un mer wer'n evadde nischt sehn. Ich geih nor uf de Pausner Bolin. Warum? Mein Vetter Feibisch in Kolisch hat aach gesogt: ich soll nor uf de Pausner Bohn geihn, denn dorten seht me de ganzen Ketzowen von Brcsla — tommer kann me noch e Geschäft mit sei machen. Hob' ich recht? Wolf: Jau, de host recht. (Sie gelangen bis zur Ehrenpforte auf der Schweidnitzer Strasse.) Itzig: Seh nor mol! Doos is eppes Scheines, e Prochtstück! Wolf: Jau, ober esau schein is se doch nischt, wie se bei uns gewesen is in Kolisch. Wie mer hoben Reb Jankel, den Rosch-Besden, ufgenommen, hoben

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