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Ost und West · 1913-07-01 · Heft 7 (Juli 1913) · p. Seite 527 - 528

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 7 (Juli 1913)
Article
Die Palästina-Arbeit und der Zionismus
Date
1913-07-01
Page
Seite 527 - 528 (sequence 3)
Language
German
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527 Dr. Ph. Rosen: Die^Palästina-Arbcit und der Zionismus. 528 sein darf, sondern die der ganzen Judenheit. Keine Glaubensgemeinschaft hat ein solches. Interesse an dem Schicksal und dem Gedeihen dieses Landes wie die jüdische. Für uns ist Palästina der Boden, auf dem das jüdische Volk seine unsterbliche geschichtliche Bedeutung erlangt hat. Indem wir aber, das Wohl Palästinas fördern, leisten wir eine Kulturarbeit, die der ganzen gesitteten Menschheit zugute kommt. Die jüdischen Ansiedler allein haben sich in Palästina als tüchtige Kolonisten erwiesen. Nur sie sind befähigt, den Boden der Barbarei zu entreissen, dem er leider seit Jahrhunderten verfallen ist. Nur die Juden drängen allmählich unter schwerer Gefahr Schritt für Schritt das fanatische und kulturfeindliche Arabertum zurück. Wenn es irgendeinen Punkt auf der Erde gibt, wo die Interessen des jüdischen Volkes mit denen der ganzen gesitteten Menschheit zusammenlaufen oder gar identisch sind, so ist es der Boden von Palästina. Jeder Jude, der auf dem palästinischen Boden das Kolonisationswerk durch eigene Arbeit oder durch Gewährung von Geldmitteln fördert, muss von dem Gefühl beherrscht sein, dass er dadurch dem Fortschritt in kultureller und sittlicher Beziehung grosse Dienste leistet. Wenn man auch; mit dem, was bisher in Palästina geschehen ist, zufrieden sein kann, so ist es doch sehr wenig gegen dasjenige, was die vereinten Kräfte der Judenheit hätten leisten können. Für die Palästinaarbeit wurde es verhängnisvoll, dass sie in den Parteikampf hineingezerrt wurde. Unsre Glaubensgenossen haben sich daran gewöhnt, das jüdische Ansiedlungswerk in Palästina mit dem Zionismus zu identifizieren, und bei jeder Anregung, die zugunsten Palästinas gemacht wird, regt sich bei vielen das Misstrauen gegen die zionistische Propaganda. In Wirklichkeit ist der Kampf gegen den Zionismus ein Missverständnis. Denn der Zionismus enthält in seinem theoretischen Teil eigentlich nur das alte ewige Judentum, das jüdische Ideal, das allen Juden, sofern sie mit Bewusstsein dem Judentum angehören, heilig ist und heilig sein muss. Das jüdische Stammesbewusstsein, d. h. das Verständnis für unsere grosse geschichtliche Vergangenheit, die Liebe zum Juden- Noch bedeutsamer ist eine Stelle in dem Bericht des Kais, deutschen Vizekonsuls in Haifa über die Jahre 1903—1911: „Vor allem trägt die grosszügige und systematisch geleitete Rück¬ Einwanderung der Juden (etwa 3000 jährlich) in ihre alte Heimat zur wirtschaftlichen Hebung des Heiligen Landes bei, dem sie die hier fehlenden Hauptelemente: Geld (bisher über 100 Mi 11. Mark), Bildung und Arbeitskräfte zuführen." tum und die Verehrung für dessen Schrifttum, die Kenntnis der hebräischen Sprache, der Sprache unserer Propheten und grossen religiösen Dichter unddie Verehrung für das Heilige Land — all dies darf keinem Juden fremd sein und würde auch zweifellos keinem Juden fremd bleiben, wenn die zionistische Propaganda nicht im Laufe der Jahre schwere, unverzeihliche Fehler begangen hätte. Ich bin unbefangen genug, auch die guten Seiten dieser Agitation anzuerkennen. Sie hat unstreitig die Jugend für das jüdische Ideal gewonnen und ihm Kreise zugeführt, die diesem Ideal früher fremd waren. Aber auf der anderen Seite hat sie auch viele durch die Art der Agitation zurückgestossen und vor allem denjenigen Dingen, die der Zionismus fördern wollte, grossen Schaden zugefügt. Es ist leider dahin gekommen, dass gerade die besten und tüchtigsten Juden im Westen wie im Osten aus Abneigung und Misstrauen gegen bestimmte Kreise der Zionisten an der Palästinaarbeit nicht teilnehmen wollen. Der Hauptmangel der zionistischen Propaganda ist darin zu suchen, dass sie zum grössten Teil jungen Leuten, denen jede tiefere Erfassung des Judentums und jedes Verantwortungsgefühl abgeht, überlassen ist, während die älteren und besonneren Elemente nicht genügend Autorität besitzen, die Propaganda zu beaufsichtigen und auf die richtige Bahn zu leiten. Nichts hat dem Zionismus und dadurch auch den von ihm vertretenen jüdischen Idealen so viel geschadet, wie die Kampfesart, die an Gehässigkeit kaum ihresgleichen kennt. Selbst im politischen Kampf ist eine solche Gehässigkeit verwerflich. In einer geistigen Bewegung, die der Zionismus doch sein soll, ist eine solche Kampfesweise um so eher zu vermeiden, als doch nicht die Vernichtung des Gegners, sondern dessen Belehrung beabsichtigt sein muss. In der zionistischen Agitation ist jeder Jude, der gegen den Zionismus Bedenken äussert, ein Gegner, und jeder Gegner ein Feind, den man zu vernichten trachtet. Es scheint, dass man in diesen Kreisen vergisst, dass es sich gar nicht um Gegner und Feinde handelt, sondern um Juden, die man zu überzeugen und für die gute Sache zu gewinnen sich bestreben soll. Kann das jüdische Volk wirklich dadurch reicher werden, wenn sich eine kleine Minderheit seine ausschliessliche Vertretung anmasst und alle andern, darunter verdienstvolle Männer, die in der Wissenschaft oder im öffentlichen Leben Hervorragendes geleistet haben, wegen mancher abweichenden Meinung als nicht dem Judentum zugehörig oder gar als dessen Feinde bezeichnet? Mit welcher Unbesonnenheit in der letzten Zeit die zionistische Propaganda betrieben wurde, hat vielleicht am deutlichsten der uns allen noch in Erinnerung stehende Sombartrummel gezeigt. In seinem Buch ,,Die Juden und das Wirtschaftsleben" hat Sombart das Judentum und den moralischen Wert der jüdischen Rasse, deren Begriff

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