Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1913)
- Article
- Die Palästina-Arbeit und der Zionismus
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 529 - 530 (sequence 4)
- Language
- German
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529 Dr. Ph. Rosen: Die Palästina-Arbeit und der Zionismus. 530 er sich willkürlich konstruierte, aufs schwerste und ungerechteste angegriffen. Ich brauche hier nicht des näheren auf die Absonderlichkeiten dieses Buches einzugehen, da es in „Ost und West" eine hinlängliche Beleuchtung von verschiedenen Seiten erfahren hat. Was Sombart über das Judentum in diesem Buche gesagt hat, ist so ungeheuerlich, dass jeder wahrheitsliebende Mensch, der das Judentum genauer kennt, sich dadurch verletzt fühlen musste. Dass Juden, die ihren jüdisch-nationalen Standpunkt stets hervorkehren, mit diesem Mann, dessen Leistung auf dem Gebiete des jüdischen Wirtschaftslebens die Wissenschaft einstimmig abgelehnt hat, einen solchen Kultus treiben konnten, ist eine unbegreifliche Verirrung. Es ist noch das Geringste, dass zionistische Vereinigungen in Deutschland und Oesterreich, bis nach Czernowitz, Sombart zu Vorträgen eingeladen haben. In Wien hat die zionistische Jugend jede Erwiderung von anderer Seite unmöglich gemacht, und als ein dortiger Rabbiner einen Vortrag zur Verteidigung des Judentums anmeldete, wollte die heissblütige zionistische Jugend die Versammlung sprengen. Es ist eine Tatsache, dass seit jenen Vorfällen in der deutschen Judenheit das grösste Misstrauen gegen die Zionisten herrscht. Dies hat den Anstoss zum Kampf gegen den Zionismus gegeben. Von meinem Standpunkte aus geschieht dem Zionismus damit Unrecht; aber an diesem Unrecht hat die zionistische Agitation ein vollgerütteltes Mass von Schuld. Ich nehme sogar an, dass die meisten Zionisten mit dieser Art von Propaganda unzufrieden sind. Aber die Leitung müsste den Mut haben, ihren Tadel dagegen auszusprechen. Für den Zionismus, für das jüdische Ansiedlungswerk in Palästina, für die Hebung des Judentums, f ü r die Förderung der hebräischen Sprache, für die Einigung der ganzen Judenheit erhebe ich meine Stimme. Selbst im jetzigen Stadium des Kampfes sind die Zionisten verpflichtet, wenn ihnen der Zionismus ernst ist, diese Kampfesweise aufzugeben. Es ist eine zweifelhafte, ja verhängnisvolle Taktik, einen Juden als Verräter und Feind hinzustellen und ihn mit den Waffen der Gehässigkeit zu bekämpfen, einzig und allein deshalb, weil er Gegner des Zionismus ist. Um der Liebe zu Zion willen, im Interesse der bevorstehenden Palästinaarbeit, die die Angelegenheit der ganzen Judenheit sein soll, muss diese Art von Propaganda aufhören. Denn wenn durch sie auch nur ein kleiner Teil der vorhandenen Kräfte verloren geht, bedeutet dies einen ungeheuren Schaden. Die zionistische Bewegung hat sich vor Jahren das Ziel gesteckt, die ganze Judenheit, d. h. die jüdischen Gemeinden und alle jüdischen Organisationen zu erobern. Man kann dies weder loben noch tadeln, weil es selbstverständlich erscheint, dass jede Partei, die von der Wahrheit der von ihr vertretenen Sache überzeugt ist, bestrebt sein muss, dieser Sache zum Siege zu verhelfen. Von diesem Standpunkte aus ist es gewiss nicht zu tadeln, dass die Zionisten bestrebt sind, Einfluss auf das öffentliche Leben in der Judenheit zu gewinnen. Und selbst der Gegner des Zionismus, sofern er sich objektiv zu denken gewöhnt hat, wird Verständnis für diese naturgemässe Entwicklung der Dinge haben. Aber was man verlangen muss, das ist das Bewusstsein, dass der Kampf nur ein Mittel und nicht ein Selbstzweck ist. Ueber den Kampf darf nicht das Ziel vergessen werden. Die Judenheit zu erobern wäre sehr erspriesslich, wenn diese Eroberung durch die Waffen des Geistes, d. h. durch die überzeugende Kraft der Wahrheit gelingen kann. Ich möchte allen Zionisten ein bekanntes Wort Moltkes in Erinnerung bringen: Von allen Kriegen ist der Bürgerkrieg, der Krieg unter Söhnen eines Volkes, der schlimmste. Ein Kampf, der Juden entzweit, der dahin führt, dass unsere Kräfte sich in der gegenseitigen Bekämpfung erschöpfen, kann unmöglich unserem Volke zum Heil dienen. Wem also die ewigen jüdischen Ideale heilig sind, der muss danach trachten, dass dieser Kampf, dessen materieller und sittlicher Schaden ersichtlich ist, aufhöre. Der Zionismus kann nur moralische Eroberungen machen, jede andere nützt weder ihm noch dem Judentum. FRIEDRICH BEER. Von Ivarl Schwarz. Am 18. Oktober des letzten Jahres vollendete in Beer gehörte noch einer Künstlergeneration an, die Florenz ein Künstler sein arbeitsreiches Leben. Der vor den Stürmen der Reaktion in der Kunst ihre Aus¬ Bildhauer Friedrich Beer, dessen Wiege in Oesterreich bildung erhalten hatte und zu der Zeit, da der Kampf stand, der aber in romanischen Landen seine zweite der Jungen einsetzte, bereits einen festgebildeten Heimat gefunden, hat seine von Anerkennung stets Standpunkt einnahm. Aber während ein grosser begleitete Tätigkeit beendet — unter den leuchtenden Teil diesem Kampfe gerade deshalb zum Opfer fiel, Sternen seiner grossen Vorbilder, der Italiener des gelang es nur wenigen, sich neben dem modestürmenden Cinquecento, ist sein Stern erloschen. Getümmel zu behaupten; nur wenige führte ihre Be-