Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1913)
- Article
- Die Palästina-Arbeit und der Zionismus
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 525 - 526 (sequence 2)
- Language
- German
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525 Dr. Ph. Rosen: Die Palästina-Arbeit und der Zionismus. 526 dem Arabertum gegenüber das Prinzip des Kulturfortschrittes vertreten. Die Herrschaft der Ottomanen in den asiatischen Provinzen ist daher für die Zukunft unsicherer denn je. In Kleinasien regen sich die Armenier, die seit Jahrzehnten der Türkei viel zu schaffen machen. In Syrien und Mesopotamien haben die Araber niemals das Joch der türkischen Herrschaft gerne getragen, und da nunmehr das europäische Element von der Türkei gänzlich abgeschnitten ist, so muss man schon für die nächste Zeit eine ernste und bedrohliche Bewegung, unter den Arabern erwarten. In diesem Stadium sind alle Augen auf Palästina gerichtet. Schon während des Krieges tauchten von Zeit zu Zeit Gerüchte über Pläne auf, die diese oder jene europäische Macht bezüglich Syriens oder Palästinas hegten. Man wird sich vielleicht hinsichtlich der asiatischen Besitzungen der Türkei derselben beruhigenden Zuversicht hingeben wollen, die früher in bezug auf die europäische Türkei galt. Man rechnete nämlich stets darauf, dass die interessierten Mächte sich niemals über die türkische Erbschaft einigen würden und so lange die erforderliche Einigung nicht herbeigeführt werden könne, habe es mit der Verdrängung der Türkei aus Europa noch weite Wege. Wir haben es aber doch erlebt, dass die rivalisierenden Mächte sich für kurze Zeit, als es galt, die Türkei zu zerstückeln, geeinigt haben, und jene Mächte, die dem Teilungsplan nicht zustimmen wollten, waren nicht in der Lage, zugunsten der bedrängten Türkei einzugreifen. So nahm das Schicksal seinen Lauf. Ob sich dies nicht auch in einem Teil der asiatischen Provinzen des osmanischen Reiches wiederholen könnte, diese Frage ist gewiss berechtigt. Für die nächste Zeit ist die türkische Herrschaft in Palästina durch die fanatischen Araber bedroht, deren Fanatismus und Unbotmässigkeit, deren Europäerfeindlichkeit, wie man sich wohl ausdrücken darf, nur allzu bekannt ist. Die türkische Regierung, sowohl die despotische unter Abdul Hamid, wie auch die konstitutionelle der Jungtürken hatte den unverzeihlichen Fehler begangen, die Ansiedlung der Juden in Palästina nicht nur nicht zu fördern, sondern ihr alle erdenklichen Hindernisse in den Weg zu legen. Eine starke jüdische Bevölkerung in Palästina wäre für die Türkei von unermesslichem Vorteil. Alle Religionsgemeinschaften wetteifern seit Jahrzehnten darin, im Heiligen Lande Landbesitz zu erwerben und verschiedene Institutionen zu gründen. Aber keine hat in Palästina soviel Kulturarbeit verrichtet, keine hat soviel zur wirtschaftlichen und kulturellen Hebung des Landes beigetragen, wie die jüdische. Was die Juden dort in den letzten drei Jahrzehnten geschaffen haben, bedeutet eine grosse Errungenschaft der menschlichen Gesittung. In. der Geschichte des jüdischen Volkes bilden diese Leistungen eine ehrenvolle Episode, denn sie haben aller Welt gezeigt, welche kolonisatorische Fähigkeit in uns Juden steckt. Das jüdische Ansiedlungswerk in Palästina ist aus kleinen Anfängen hervorgegangen, die auf die Initiative einer kleinen Schar von begeisterten Männern zurückzuführen sind. Die Pioniere waren bekanntlich die „Zionsfreunde" (Choweweh Zijon) in Russland, die unter den ungünstigsten Bedingungen und mit schwachen Kräften die ersten Schritte zur Begründung einer jüdischen Ansiedlung in Palästina getan haben. Wie viele Opfer, an Geld, Arbeitskraft und auch an Menschenleben diese ersten Versuche gekostet haben, ist leider nur in engeren Kreisen bekannt. Allerdings hat dieser stille Heldenkampf im Laufe der Jahre doch die Aufmerksamkeit der wohlhabenden Juden im westlichen Europa auf sich gelenkt, und nun begann für die Palästinaarbeit eine Zeit des Aufschwunges. Dass durch Unkenntnis der Verhältnisse und manche nicht zu. vermeidende Fehler das Ansiedlungswerk häufig ins Stocken geriet, ist nicht zu verwundern. Ueberblickt man aber die Leistungen und Schöpfungen der letzten dreissig Jahre, so ist man erstaunt über das grossartige Werk, das in verhältnismässig so kurzer Zeit geschaffen wurde. Das ist das übereinstimmende Zeugnis aller, die das Land gesehen haben. Und wer die Entwicklung der Kolonisationsarbeit genauer kennt, wird diese grossen Erfolge nicht bloss auf die Geldmittel zurückführen, sondern auch, und das vielleicht in erster Reihe, auf die Opferwilligkeit und die unermüdliche Ausdauer jener, die die Pionierdienste geleistet haben. *) Dieser geschichtliche Rückblick verfolgt den Zwe.ck, unsere Glaubensgenossen in Westeuropa daran zu erinnern, dass das jüdische Ansiedlungswerk in Palästina nicht die Angelegenheiteiner einzelnen Partei ist und *) Ich glaube am besten zwei Zeugnisse über die Leistungen der jüdischen Ansiedlung in Palästina hier anführen zu dürfen, denen man vor allem Unparteilichkeit und genaue Kenntnis der Dinge zuerkennen muss. Herr Franz Philippson in Brüssel, der Vizepräsident der Jewish-Colonisation Association, schreibt im letzten Jahresbericht dieser Gesellschaft: „In Palästina hatten die Juden alles gegen sich. Die unter solchen Bedingungen erzielten Resultate sind, ich darf es wohl sagen, völlig überraschend, und ich wundere mich keineswegs, dass alle, seien es Juden oder Nichtjuden, die'unsere Kolonien besichtigen, die diese enormen Strecken von Weingärten, Orangen- und Mandelpflanzungen sehen, diese Tausende von Hektaren unter intensivster Kultur, nach den fortgeschrittensten Met hoden bearbeitet, davon förmlich geblendet sind. Ich kann es kühn behaupten, dass unser Werk in Palästina die Fähigkeit des jüdischen Volkes zum Ackerbau mit einem Glanz ohnegleichen dokumentier t."