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Ost und West · 1913-06-01 · Heft 6 (Juni 1913) · p. Seite 487 - 488

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 6 (Juni 1913)
Article
Das neue Palästina
Date
1913-06-01
Page
Seite 487 - 488 (sequence 16)
Language
German
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487 .Dr. Max Grunwald: Das neue Palästina. 488 zu ermessen, die diese jüdischen Kolonien für Palästina besitzen. Noch mehr aber bedeuten diese Leistungen für uns Juden im Abendland. In der Förderung dieser Rückgewinnung' Palästinas für die jüdische Kultur ersteht uns Juden, uns allen, gleichviel welcher Partei und welchen Lagers, eine grosse praktische Kult u r - aufgäbe. Eine Kult u r a r b e i t, die gerade jetzt, wo Fragen des Kultus die Judenheit in feindliche Sekten zu spalten drohen, als einigendes Moment für die gesamte Judenheit von doppelter Wichtigkeit ist. Diese Arbeit für Palästina halte ich für eine Pflicht, die jeder Sohn d es jüdischen Stammes als Jude sich auferlegen sollte. Es ist keine Frage, dass von denen, die ihre Heimat ihres Judentums wegen verlassen, viele in anderen Ländern leichter ihr Fortkommen finden. Aber für das Judentum bedeuten diese Elemente, wenn nicht einen Verlust, so sicherlich keinen Gewinn. Jeder Tropfen eines planmässig regulierten Auswandererstromes hingegen, der auf palästinischen Boden fällt, ist ein Fortschritt des Judentums, ein Umsichgreifen und Erstarken des jüdischen Kulturgedankens. Und um dieser zuströmenden Einwanderung ein sicheres Bett zu graben, müssen wir dahin streben, dass die Erwerbs möglich keiten zunächst für die jüdischen Landarbeiter erweitert werden. Das ist eine Pflicht, der sich kein Jude entziehen darf. Es ist gewiss unsere nächste Aufgabe, hierzulande für die Alten und für die Kinder, vor allem die, die zu unserem Stamme zählen, zu sorgen; das ist unsere einfache Menschenpflicht, zumal es sich um Menschen handelt, die zugrunde gehen müssten, wenn nicht wir Juden uns ihrer annähmen. Das aber, was der Jude für sein Judentum tut, das steht auf einem anderen Konto. Und unter dessen Posten muss in einer der ersten Reihen zu. lesen sein: B e i t r a g z u r Ers tavku n g d e s j ü d i s c h e n Elem e n t e s in Palästina. Jeder Hektar Boden, den wir dort kaufen, und dafür ist jetzt, wie erwähnt, ein Zeitpunkt gekommen, so günstig, wie nie zuvor und vielleicht nie mehr in aller Zukunft, — j e derFussbreit j ü d i s c h e n 1^ a n d e s i n P a 1 ä s t i n a \v i e g t s o s c h w e r , wie alles R e d e n u n d Sc h r e i b e n ü b e r E r halt u n g u n d F ö r - d e r u n g d e s J u d e n t u m s. Ich habe, um allen diesen wichtigen Fragen die gebührende .Aufmerksamkeit zu sichern, dem Wiener Kultusvorstande eine auf der Rückreise aus Palästina unter den irischen Eindrücken entworfene Anregung unterbreitet, innerhalh des Kultusvorstahdes ein eigenes P a 1 ä s t i n a - K o m i t e e einzusetzen und habe — was ich dankbar anerkenne — bereits bei der Leitung unserer Gemeinde ein verständnisvolles Entgegenkommen gefunden. Von diesem Komitee aus wollen wir zunächst für die Gründung einer Farm nach dem beschriebenen Modus werben. Es wäre das ein Unternehmen von eminent j ü d i - s c h e m Geiste und patriotisch insofern, als damit mich Oesterreich vertreten wäre unter jenen Faktoren, die an der jüdischen Kultivierung Palästinas arbeiten. Ausserdem wäre damit für die Philanthropie etwas Gründliches geleistet. Jene arbeitsfähigen und arbeitswilligen Juden, besonders Galiziens, die bei uns, wenn sie die Taufe verschmähen, vergebens ihr Brot suchen, könnten auf einer solchen Farm ihr Glück finden. — Jahraus jahrein gehen ferner zahlreiche Gelder und Subventionen unter dem Titel der C h alukka nach Palästina. Eine internationale Organisierung dieser an sich edlen Unterstützungsaktion wird von allen Wohlmeinenden und Einsichtigen hingst als Bedürfnis empfunden. Eine wirksame Propaganda für ein ökonomisch gesundes und selbständiges Palästina- Judentum und eine nachhaltige Förderung des dortigen G e w e r b e s wäre zu erwarten, wenn wir uns entschliessen würden, in jeder grösseren Stadt einen j ü d ischen B a s a r einzurichten. . Geradeso wie es in unseren Grossstädten türkische, japanische und andere Basare gibt, würde sich auch mit Erfolg ein jüdischer halten lassen, in dem man die prächtigen gewerblichen Erzeugnisse des „Bezalel" und des übrigen jüdischen Palästina, ferner die bekannten Arbeiten der Juden in Damaskus u. a. zu kaufen bekäme. Gewiss, noch bescheiden ist, was bis jetzt in Neu-Palästina geschaffen worden, winzig, an amerikanischem Massstab gemessen, aber — es ist j ü d i s c h und eröffnet weite Perspektiven für die Zukunft des Judentums. Ich stand auf dem Gipfel des Karmel urtd sah von Westen her über dem Meere eine kleine Wolke aufsteigen. Unser Führer sagte uns. das bedeute Regen. Also genau wie in der Erzählung der Bibel vom Propheten Elijah, der einst vor Jahrtausenden an derselben Stelle nach Janger regenloser Dürre eine Wolke vom Meere her auftauchen sah, so gross, wie die Hand eines Mannes. Und sogleich liess er dem Könige Ahab sagen: ..Lasse rasch anspannen und eile heim, class dich der Regen nicht aufhalte!" Auch ich sehe nach langer Dürre am Horizont unseres Judentums in einem röhrigen P a 1 ä s t i n a - j u d e n t u m eine kleine Wolke aufsteigen und hoffe, hoffe zuversichtlich auf reichlichen Regen. DOW BER MEISELS. (Ein Beitrag zur Geschichte der polnischen Juden in den Jahren 1861 — 63.) Von .N. M. Gelber. Die Delegation verlangte nun vom Statthalter die Bewilligung zur feierlichen Bestattung der Gefallenen, die ihnen erteilt wurde, unter der Bedingung, dass vollkommene Ruhe herrsche. Den meisten handelte es sich weniger um die feierliche Bestattung als um etwas ganz anderes. Man merkte jetzt, wie wenig man der Regierung trauen könne, man musste nun auf alles gefasst sein und deshalb eben war es notwendig, ein so zahlreiches Element, wie es die Juden waren, an die Polen fester

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