Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1913)
- Article
- Das neue Palästina
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 481 - 482 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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481 Dr. Max Grunwuld: Das neue Palästina. 482 Wadi-el Chanin. Jüdische Kolonie. (Spezlalaufnahme für „Ost und West".) seid doch hier nur G e r i m, Fremde, in einem arabischen Lande." Dieses Wort „Gerim" wirkt auf die Kinder wie ein Störenfried auf einen Ameisenhaufen. Ganz ausser sich springen sie auf unseren Freund zu: „Wie, wir sollen hier Gerim sein? Hier in einem Lande, das schon vor Jahrtausenden unseren Vätern gehörte? Du bist gewiss aus Russland gekommen, du bist ein rechter Golusjude. Du Golusjude du!" Unser Freund beschwichtigt die Kleinen und fragt sie: „Wenn aber die Araber sich vereinen und gegen euch losziehen T' Da tritt eine Kleine vor — die Deborah heisst sie unter den Gespielinnen — und ruft in Ekstase: „Was icli dann tue, wenn die Araber kommen? Dann nehme ich ein Schwert, schwinge mich auf unser Pferd und rufe: Cherebh l'Adonaj u 1'Jisrael! Das Schwert für Gott und Israel!" Bei solchen Worten glaubt man sich zurückversetzt in die Tage Gideons oder in die Zeiten der Makkabäer. Es bleibt aber nicht nur bei solchen Heldenw orten! Ein 15jähriger Bursche reitet von R e c h o - b o th nach E kr o n. Es begegnet ihm ein Beduine. Diese Beduinen nähren sich, ähnlich wie hei uns die Zigeuner, von Kesselflicken und gelegentlich von Diebstählen. Der Beduine fordert von dem Judenjungen eine Zigarette, d. h. soviel, wie wenn mitten im Wald ein verdächtiges Subjekt auf uns zutritt und uns fragt: „Wie spät haben Sie es, mein Herr?" Der Judenjunge zieht gelassen eine Zigarette aus der Tasche, legt sie in den Lauf seines Brownings, schlägt die Waffe an und sagt Kolonisten bei der Arbeit. zutraulich: „Bitte sich zu bedienen." Und —der Beduine verschwindet. Vor etlichen Jahren erschienen eines Tages einige hundert Araber hoch zu Ross vor der Kolonie K a t r a und erklärten den Kolonisten: „Wenn ihr uns nicht binnen 24 Stunden Tribut zahlt, so wird alles niedergemacht und abgebrannt." Ein Kolonist entkam und brachte die Nachricht in die Nachbarkolonien. Binnen weniger Stunden waren 60—70 jüdische Kolonisten, bis an die Zähne bewaffnet, auf dem Weg nach Katra. Und kaum wurden die Araber ihrer ansichtig, als sie ihnen sofort mit allen Zeichen freundlicher Begriissung entgegeneilten. Sie hätten die Juden von Katra nur ihrer aufrichtigen Freundschaft versichern wollen. Worin besteht aber das Besondere der Sabbatfeier in einer jüdischen Kolonie? Jede Kolonie hat ihr Rathaus, ihr „Beth ha-waad". In diesem Rathaus werden die Gcmeindeangclegenheiten erledigt. Dort wird auch Recht gesprochen. So lange die Kolonien bestehen, also in 30 Jahren, hat noch nicht ein Prozess zwischen Kolonisten die Landesbehörden und die Gerichte beschäftigt. Einem sehr bekannten Augenarzt und einem unserer hervorragendsten Richter, die mich über die Kolonien befragten, konnte ich antworten: „Für Sie, meine Herren, ist dort kein Feld der Betätigung. Ich sah in den Kolonien kein Kind mit einer Brille. Und wenn die Kolonien auch alle modernen Errungenschaften besitzen, eine