Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1913)
- Article
- Die Juden Italiens
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 399 - 400 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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399 Prof. Dr. Ermanno Loevinson, Rom: Die Juden Italiens. 400 Italien der Geistliche, welcher ohne vorangegangene standesamtliche Funktion eine Trauungvornimmt, nicht bestraft. Man hört aber nie davon, dass sich Rabbiner zu solcher gewissenlosen Ausnutzung der Unerfahrene eit von Mädchen hergeben, während über die Leichtfertigkeit mancher katholischen Geistlichen in dieser Hinsicht geklagt wird. Predigten in italienischer Sprache finden in allen Gemeinden, welche einen Rabbiner haben, an den Feiertagen statt; ebenso Mädcheneinsegnungen, gewöhnlich am Pfingstfest. Aber die Familien, die von dieser Einrichtung Gebrauch machen, sind nicht zahlreich. feste- WALLY LOEVINSON - BUETO W. Jüdischer Lumpensammler. (Bleistiftzeichnung.) Ein wunder Punkt sind die Friedhöfe. Dass in kleinen untergehenden Gemeinden mit beschränkten Mitteln die Instandhaltung schwer fällt, und dass öfters über sie Klagen laut werden, ist nur allzu natürlich. Aber auch in einer ansehnlichen Gemeinde wie Ancona konnte man vor einigen J ahren die Mittel zur Besserung dieses Zustandes nicht auftreiben. Hierbei sei erwähnt, dass in den grösseren Städten, z. B. Mailand und Rom, auf den jüdischen Friedhöfen ganze Figuren zu sehen sind in Anlehnung an den katholischen Gebrauch. Die jüdischen Gemeinden können nichts dagegen tun, weil die Friedhöfe nur einen Teil der Koinmunalfriedhöfe bilden. Sollten einmal diese Friedhöfe verschüttet und nach Jahrtausenden wieder ausgegraben werden, so dürfte sich unter den Archäologen Streit entspinnen, ob man es mit christlichen oder jüdischen Ruhestätten zu tun hat. Ein anderes Anzeichen für das Fortschreiten der Assimilation sind die Lämpchen, die man am katholischen Allerseelentag auf zahlreichen jüdischen Grabstätten brennen sieht. Uebrigcns bezieht sich was oben von der mangelhaften Instandhaltung gesagt wurde, auf die älteren Kirchhöfe. Von den neueren lässt sich eine solche nicht behaupten: Sie sind eben nur ein Teil der Zentralfricdhöfe der betreffenden Stadtgemeinden; Israeliten, die in Orten hinscheiden, wo keine jüdische Gemeinde vorhanden, werden dem Gesetze nach ohne weiteres auf dem Kommunalfriedhof bestattet. Auf die wichtige Rolle, welche aller Wahrscheinlichkeit nach die orthodoxen Elemente der neuen Kolonien, Tripolis und Kyrenaika, im religiösen Leben der Juden Italiens zu spielen bestimmt sind, ist bereits an dieser Stelle (Jahrg. 1912, Heft 6;, Sp. 552) hingewiesen worden. Den ersten Oberrabbiner für Tripolis wird allerdings, wie bereits beschlossen, das Mutterland liefern. In wenigen Jahrzehnten dagegen dürfte umgekehrt ein Teil der Kultusbeamten Italiens von dort kommen. — Was die leiblichen Bedürfnisse der italienischen Israeliten betrifft, so wird dem Schächten keine Schwierigkeit in den Weg gelegt. Der vor einigen Jahren in San Remo gemachte Versuch mehrerer "/v-\/ -fr\tJihr^ c«. ROM.