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Ost und West · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 397 - 398

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Article
Die Juden Italiens
Date
1913-05-01
Page
Seite 397 - 398 (sequence 3)
Language
German
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397 Prof. Dr. Ermanno Loevinson, Rom: Die Juden Italiens. 398 ist hauptsächlich der Gesang. Der formenschönste und auf das Ohr durch seine Pracht am stärksten wirkende ist der spanische oder levantinische. Ein grosser Teil dieser Melodien wurde von dem vor einigen Jahren verstorbenen Komponisten Federico Consolo gesammelt und veröffentlicht. Der sogenannte deutsche Ritus entspricht keineswegs vollkommen irgend einem der in Deutschland oder Osteuropa gebräuchlichen. Wenn auch sonst, wie hervorgehoben, das religiöse Interesse bei den Israeliten Italiens kein sehr reges ist, so hängen sie doch, vielleicht weil es sich hier um die äusserliche Wirkung auf die Sinne handelt, mit merkwürdiger Zähigkeit am väterlichen Ritus. In letzterer Zeit bot Rom wieder ein Beispiel hierfür: Nach Errichtung der neuen grossen Synagoge vor einem Jahrzehnt wurde dort der Gottesdienst nach italienischem Ritus abgehalten. Aber die Familien, welche dem spanischen Ritus folgen, und deren Betsaal der Stadtverschönerung zum Opfer gefallen war, vermochten es nicht, sich mit dem italienischen Ritus zu befreunden. So-setzten sie es denn beim Vorstand der jüdischen Gemeinde durch, dass jenseits des Tiber am Lungo Tevere Sanzio ein eigener Betsaal für sie errichtet wurde. Für das andere Oratorium, welches gegenwärtig für die höher gelegenen Stadtteile Roms in der Nähe des Zentralbahnhofes erbaut wird, hat man den Ausweg eines aus spanischem und italienischem gemischten Ritus gefunden. An äusseren Anzeichen für die allmählich fortschreitende Loslösung von den rituellen Vorschriften fehlt es nicht. Selbst als das Gesetz über die Sonntagsruhe, das in Italien seit wenig mehr als einem halben Jahrzehnt besteht, noch nicht durchgeführt war, gab es in den grösseren Städten kaum noch Geschäfte von Bedeutung, welche am Sonnabend geschlossen waren. Ein letztes Aufflackern des religiösen Gefühls konnte man in Rom vor etwa 20 Jahren beobachten. Damals rotteten sich einige hundert Aussenansicht der fünf Synagogen Roms (die vor einigen Jahren abgerissen wurden). Castilianische Tempelschule in Rom. kleiner jüdischer Geschäftsleute, die sich in gedrückten Verhältnissen befanden, zusammen, um von ihren Glaubensgenossen mit Gewalt den Ladenschluss am Sonnabend zu erzwingen: Das Anrücken einer Kompanie Bersaglieri genügte, um in den Strassen, welche an das ehemalige Ghetto grenzen, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Was die grossen Feiertage betrifft, so ist nur am Versöhnungstag ein allgemeiner Ladenschluss zu beobachten. Der Umstand, dass man dann in den Hauptstrassen Roms so viele Geschäfte geschlossen sieht, gibt gewöhnlich für das grosse Publikum den einzigen äusseren Anlass im Jahre, das Aufstreben der Israeliten in Handel und Wandel zu besprechen. Wenn wir den Lebensgang der heutigen italienischen Juden betrachten, so kann man im allgemeinen bei den niederen und niedersten Klassen eine Tendenz zum Festhalten an den religiösen Vorschriften, wie Beschneidung und Einsegnung, beobachten , während sich die höheren Klassen meist erst bei der Hochzeit, falls die Ehe überhaupt noch zwischen Stammesgenossen geschlossen wird, erinnern, dass die Trauung in Rücksicht auf den einen oder anderen bejahrten Verwandten auch vor dem Rabbiner stattfinden müsste, während sonst die Ziviltrauung, welche wegen aller aus der Ehe entstehenden rechtlichen Fragen obligatorisch ist, genügen würde. Uebrigens wird in

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