Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1913)
- Article
- Die Juden Italiens
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 395 - 396 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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395 Prof. Dr. Ermanno Loevinson, Rom: Die Juden Italiens. 3b6 Sizilianische Tempelschule in Rom. einzelnen Ausnahmen, wie z. B. den Bemühungen des Oberrabbiners von Florenz, Dr. Margulies, um Verbesserung der Liturgie, kann man sagen, dass man sich erst in allerletzter Zeit Mühe gibt, Fragen, die wesentlich die Religion betreffen, näher zu treten. Als dringendste Aufgabe wird die Neuredaktion eines allen italienischen Israeliten gemeinsamen Gebetbuches empfunden. Der Ausschuss der italienischen Gemeinden hat, wie so viele andere Aufgaben, auch diese übernommen und ist im Begriff, sie zu erfüllen. Allen hebräischen Gebeten soll die italienische Uebersetzung beigegeben werden. Bisher wird nämlich in den italienischen Synagogen die Landessprache viel weniger als es in denen Deutschlands üblich ist, gebraucht. Es wird fast nur hebräisch gebetet und von der grossen Masse ebensowenig verstanden wie das Lateinische in den katholischen Kirchen. Sogenannte Reformgemeinden wie in Deutschland gibt es nicht. Natürlich trägt die fortwährende Abnahme der Kenntnis des Hebräischen bei der heranwachsenden Generation zur fortwährenden Verminderung des Tempelbesuches bei. Erst in allerneu ester Zeit wird ein Versuch zur Wiederbelebung der Kenntnis des Hebräischen gemacht. Man geht nämlich mit dem Plane um, einen jungen israelitischen Gelehrten zur Erlernung des gesprochenen Hebräisch nach Palästina zu senden. Nach vollendetem Studium soll er die dort erworbenen Kenntnisse in Italien weiterverbreiten. Ein eifriger Tempelbesuch, wie er noch in vielen Gemeinden Deutschlands anzutreffen, ist in Italien selten. Ja, in einzelnen Gemeinden ist er derartig gesunken, dass man, um ihn wieder zu heben, zu dein verzweifelten Mittel gegriffen hat, denjenigen Kindern, welche sich durch Frequenz des Gottesdienstes auszeichnen, Prämien zu erteilen. Turin bildet unter den grossen Gemeinden Italiens eine Ausnahme und erinnert, wie in manch anderer Hinsicht, so auch in bezug auf den Tempelbesuch an die deutschen Verhältnisse. In Ancona hat man letzthin zu dem Ausweg seine Zuflucht genommen, an den Wochentagen den Gottesdienst abwechselnd imlevantinischen, d.h. spanischen, und italienischen Tempel abzuhalten; andernfalls hätte man einen von beiden schliessen müssen. Ueberhaupt erschwert das Nebeneinanderbestehen von Tempeln mit verschiedenem Ritus natürlich die Aui'rechterhaltung] der Funktionen: wie z. B. im deutschen Oratorium zu Modena. In Venedig wird an den grossen Feiertagen noch in allen 5 Synagogen Gottesdienst abgehalten; auch in Ferrara sind bei dieser Gelegenheit noch alle 3 Bethäuser, das italienische, deutsche und spanische in Gebrauch. Dieses sind eben die drei hauptsächlichsten Riten, welche man gegenwärtig in Italien antrifft. Nur in wenigen piemontesischen Gemeinden hat sich der provenzalische erhalten. Orgelbegleitung zum Chorgesang findet sich in den grösseren Gemeinden. Was das Alter der verschiedenen Riten betrifft, so wird von manchen der italienische als die älteste Form des Gottesdienstes angesehen; er soll auf den völlig untergegangenen griechischen zurückgehen. Es ist wahrscheinlich, dass sich wenigstens im italienischen Ritus Roms, der ältesten Gemeinde Europas, in welcher seit zwei Jahrtausenden der Gottesdienst nie eine Unterbrechung erlitten hat, griechische Elemente erhalten haben. Tatsächlich unterscheidet sich der italienische Ritus Roms durch manche Eigentümlichkeiten von allen anderen italienischen. Was den Unterschied der Riten unter einander ausmacht, Italicnische Tempelschulc in Rom.