Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Die Emanzipation der Juden in Preußen
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 299 - 300 (sequence 5)
- Language
- German
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299 Felix Halle: Die Emanzipation der Juden in Prcussen. 300 worden. Endlich Anfang 1812 stellte der Oberlandesgerichtspräsident, der spätere Finanzminister von Bülow, das Konzept fertig, das dem Könige unterbreitet wurde. Der König stimmte dem Entwurf im allgemeinen zu. In der Aemterfrage schloss sich der König durchaus der ablehnenden Meinung Kircheisens an. Am 11. März erhielt das Edikt die königliche Unterschrift. Damit war das Werk vollendet. „Es war," schreibt Freund, „nicht restlos das, Avas Hardenberg gewollt und die Juden erhofft. Aber das Wesentlichste war doch erfüllt. Das Schutzjudentum und die Fremdheit war von den preussischen Juden genommen. Sie waren zu Einländern und preussischen Staatsbürgern erklärt. Es waren ihnen grundsätzlich gleiche bürgerliche Rechte und Freiheiten mit den Christen eingeräumt, insbesondere das Recht, sich in Städten sowohl, als auf dem platten Lande nach Belieben niederzulassen, Grundstücke jeder Art gleich den christlichen Einwohnern zu erwerben, alle erlaubten Gewerbe und den Handel unter den allgemeinen gesetzlichen Bedingungen zu treiben. Alle besonderen Abgaben waren von ihnen genommen und ihnen lediglich alle diejenigen Pflichten auferlegt, welche auch den Christen gegenüber dem Staate und der Gemeinde ihres Wohnortes oblagen. Die naturwidrige Verdammnis eines grossen Teils von ihnen zur Ehelosigkeit war beseitigt, die Eheschliessung ohne besondere Genehmigung und Trauschein den inländischen Juden unter den allgemeinen gesetzlichen Bedingungen freigegeben, der politische Sonderverband, in den schon die Städteordnung von 1808 Bresche gelegt, völlig gesprengt, der besondere Gerichtsstand mit vorläufiger Ausnahme von Berlin beseitigt, jede Sondergerichts-barkeit der Rabbinen und Ael testen aufgehoben; die privatrechtlichen Verhältnisse der Juden waren den allgemeinen Landesgesetzen unterstellt und diese selbst auf die Voraussetzungen und die Form der Ehetrennung ausgedehnt, die akademischen Lehr- und Schul-, auch Gemeindeämter waren ihnen ausdrücklich freigegeben und somit — von denjenigen Sond erb es ti m n Hingen a b - gesehen, deren Fortbestand man mit Rücksieht auf die Religio nsverschiedenheit für erforderlich erachtete — lediglich durch den Vorbehalt in bezug auf die öffentlichen Aemter der Grundsatz der völligen Gleichstellung ] durchbrochen." REGINA MUNDLAK. Die kleine Einkäuferin. In einem besonderen Kapitel behandelt Freund die Bemühungen der Juden um ihre Emanzipation. Die Befreiung ist den Juden nicht, wie die Antisemiten behaupten, mühelos in den Schoss gefallen. Jahrzehntelang haben die preussischen Juden, voran die drei Hauptgemeinden Königsberg, Berlin und Breslau, für ihre bürgerliche Gleichstellung, für ihre Erlösung aus der unwürdigen Knechtesstellung gekämpft. AAon einzelnen Persönlichkeiten sei der Stadtrat Friedländer erwähnt, der unermüdlich in seinen Bemühungen bei den Behörden war; sodann der Königsberger Bankier Casper, der dem Freiherrn von Schroetter das Material über die Militärtauglichkeit der Juden beibrachte. Auch eines angesehenen nichtpreussisehen Juden ist hier zu gedenken,- der sein persönliches Ansehen, dessen er sich bei Hardenberg erfreute, voller Eifer für seine Religionsbrüder verwertete. Gestützt auf eine fünfundzwanzigjährige Bekanntschaft hatte sich der Geheime Finanzrat Israel Jakobson, der als ehemaliger Braunschweiger damals westfälischer Untertan und Präsident des dortigen israelitischen Konsistoriums war,-an den Kanzler gewandt, und es steht fest, dass das Eingreifen Jakobsons nicht ohne Bedeutung für den Fortgang der Angelegenheit war. Der dritte und letzte Teil des Freundscheri Werkes behandelt die Zeit nach 1812. — Eine wesentliche Voraussetzung der bürgerlichen Gleichstellung der Juden war ihre Teilnahme an der Verteidigung des Landes gewesen. Nur wenige Tage über Jahresfrist nach Verkündung der ^.....Emanzipation waren ver- L flössen, als der König sein ganzes Volk und damit auch die neuen Staatsbürger zu den Waffen rief. Auf den Schlachtfeldern der Freiheitskriege konnten die Juden den Beweis erbringen, dass die Erwartungen, die das Vaterland in -der Stunde der Not auch auf sie gesetzt hatte, nicht trügerisch gewesen, und dass sie hinter den übrigen Landessöhnen nicht zurückstanden in der Bereitwilligkeit, Blut und Leben hinzugeben für König und Vaterland. Mit allen Volksgenossen hatten die Juden das Leid des Krieges zu teilen, manche jüdischen Familien mussten ihre Söhne dem Gemeinwohle opfern. Zum ersten Male aber konnten auch die Juden in den Reihen des siegreichen heimkehrenden Heeres ihre Angehörigen begrüssen, die nicht selten geschmückt mit dem PARIS.