Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- Die Geschichte der Juden in den Balkanländern
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 141 - 142 (sequence 3)
- Language
- German
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141 Dr. M. L. Daiiilx-ruvr: Zur (loscbii litc der Jui1.ni in «Ich Ii:i 1 knd 1 ini«Iim ii. 142 Es ist selbstredend, dass diese gemeinen und zugleich Rlödsinn bekundenden nnler dem spanischen Pühcl geworfenen Schriftstücke aufreizen mussten und dem Zwecke des Kardinals entgegenarbeiteten! Er wollte die Marannen im Lande behalten, er erreichte aber das Gegenteil, da durch die erneuten Hetzereien wieder ein gut Teil der Marannen ans Spanien noch der Türkei getrieben wurde. Die nach der Türkei und der Levante ausgewanderten Juden hatten das beste Los getroffen. In Ruhe und ohne Störung konnten die mit ihnen dorthin gelangenden rnbbinisehen Grössen den talmudischen Studien nachhangen, und Gemeinden wie Konstantinopel.. Adrianopel, Saloniki. Damaskus u. a. worden Sammel pl ätze i iirlischer Gclehrten37). .Bei den Spaniolen ist zu unterscheiden zwischen den Kastilianern, den Kataloniern, Aragouicrn. Andausiern und den Granadern. Der Zahl nach am gross ton und infolgedessen auch am einflussreichosten waren die Ivastilianer: daher begegnet uns bei den Ralkanjnden vorzugsweise das Kastil.ianisc.lie. während die anderen Dialekte nur ganz vereinzelt auftreten. Das erst er e dagegen ist noch heute, nachdem, mehr als -ION Jahre verstrichen, seitdem, die Juden den. Zusammenhang mit dem spanischen .Mutterlande verloren, noch bei den Ralkanjnden im Gebrauch. Das Jüdisch-Spanische hat einige Eigentümlichkeiten, die im Spanischen uns nicht begegnen, daher nennen die Spaniolen ihre Sprache ..Judesmo". analog den Polen (und Deutschen), welche ihren Jargon mit ..Jiddisch"' bezeichnen. Uebertragen die Spaniolen dagegen etwasaus dem Hebräischen in das Reinspanische, so bezeichnen sie dies als Ladino. In das Spanische sind im Laufe der Zeit viele türkische Vokabeln eingedrungen, insbesondere bei der Sprache der Spanier in den kleinen Städten Anatoliens und Rumeliens ,während in den Grossstädten wie Saloniki, Adrianopel, Konstantinopel (auch Smyrna) es sich mehr rein erhielt. Uebrigcns ist das Spanische bei den Ralkanjnden nicht allein Geschäfts- und Umgangs- ") KiiYs«'rlin«r ibid. S. 113 f. RKXXO MbKAX. ALS MACH. Mffi&W1 JPm -\ i h. \ V ifflvß? f V |'t(|!i-Mp V '; V \. . ÄM&l n Porträt der Frau Sophie Brandenstein. Bleistiftzeichnung. spräche, sondern auch Schriftsprache18). Ebenso wie die Sprache erhielten sich auch die Minhagim der Ivastilianer bis auf unsere Zeit, was namentlich in bezug auf die Ketuba 19) und die Untersuchung der Lunge20) wahrzunehmen ist. Die Kastilianer waren im Gegensatz zu den Aragoniorn, geistig sein* hochstehend. Die Aragonier galten für dumm und unwissend, und auf diesen Umstand ist es auch zurückzuführen, dass sie dem Ansturm der Inquisition nicht standhielten, zum grossen Teil dem Judentum den Rücken kehrten, und nur verhältnismässig wenige von ihnen nach dem Balkan kamen. Doch findet sich bei den aragonischen Juden in Saloniki. Janina, Konstantinopel — auch in Smyrna und Jerusalem —eine wertvolle historische Erinnerung an ihre spanische Heimat. Es ist dies der Saragossa-Purim, der von ihnen alljährlich am 17. Schewat ge¬ Emile Loubet 3 Präsident der französischen Republik. Medaille in gegossener Brrwe (S."> mm). 18) Cl'r. Uosjinos 206 Kayserling. Mibliotoca Espaüola — Portuguoza — Judaioii (Strassbourg 1890). «) R, fr. A. (Ins Rabbi Jsak bar Schosotl: 208: . Thür und Schuh-han Aruoh. EhcrnhneserllS; Rosanes 204. 20) R. Tl. A. «les Eiibbi Jsak. bnr Seliescth 37.