Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- Die Geschichte der Juden in den Balkanländern
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 139 - 140 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Dr. .N. L. Hnmhergei:: r/A\v (icscliirblc der .luden in den B.dkunlnndeni. 140 REXXO ET/KAX. ALSHA Cl Porträtbüste Karl Richter. Bronze. sie dort freie Religionsühimg' genicsscn "würden. wie diese ja auch den Griechen und Anhängern anderer Religionen im Türkischen Reiche gestaltet war. Hier war auch weder Neid noch Zwang zu befürchten, da die Türken sich mit den verschiedenen Künsten und Handwerken beschäftigten. Dazu kam, dass die türkische Politik den Nutzen richtig bewertete; der durch die jüdische Bevölkerung der Industrie und dem Handel erblühen würde. Der tapfere Eroberer von Konstantinopel soll verwundert ausgerufen haben: ..Ich begreife nicht, wie die katholischen Majestäten so unklug handeln können! Sie hatten in ihren Ländern solche Diener, •die Juden, und vertrieben sie".15) Spanische Geistliche, welche über diese Aeusserung des Sultans und noch mehr über die freundliche Aufnahme, welche die .luden in seinem Reiche fanden, ungehalten waren, verfertigten •eine Anfrage der spanischen .luden bei ihren Brüdern in Konstantinopel und verbreiteten die Anfrage und die angebliche Antwort in Spanien, um das Volk 15) Aboab: Xoniologia o Rismr- •sos legales I <•. 295. Gonzalo de Illoscns. Historiu Pontificalv Catholica (Barcelona 1605) l'ol. 109 h'und Keyserling Sephardim S. 325, gegen die im Lande zurückgebliebenen Marannen aufzureizen. Der verdienstvolle Forscher der Geschichte der Juden in Spanien und Portugal, M. Kayserling s. a. — den ich bei diesem. Teile meiner Arbeit fleissig benutze — hat uns den Inhalt dieser Briefe mitgeteilt16). Die Anfrage lautet: „Geehrte Juden, Heil und. Gnade! Wisset, dass uns der König von Spanien durch öffentlichen Befehl zu Christen machen, uns unser Vermögen und Lehen nehmen will, unsere Synagogen zerstört und uns noch andere Plagen bereitet, welche uns verwirren, so dass wir nicht wissen, was wir tun sollen. Nach dem Gesetze Mosis(!) fragen wir Euch, was Ihr für recht hallet, und bitten, uns in aller Eile wissen zu lassen, den Beschluss. welchen Ihr gefasst habt. Ghamorro. Haupt der Juden in Spanien." Der Geistliche — wie einige behaupten — Kardinal Siliced, lüsst die türkischen Juden darauf antworten: „Geliebte Brüder in Moses! Euern Brief, in welchem Ihr uns das Elend und die Unglücksfälle, welche Ihr leidet, anzeiget, haben wir erhalten und wir fühlen den Schmerz darüber wie Ihr seihst. Die Meinung der grossen Satrapen und Rabbis ist: betreff Euerer Aussage, dass der König von Spanien Euch zu Christen machen will, willigt ein. da Ihr nichts anderes tun könnt. Betreff Euerer Aussage, dass man Euch Euer Vermögen nimmt, lasset Euere Kindel' Kau Heute werden, dass sie ihnen das ihrige nehmen. In dem, was Ihr sägt, dass sie Euch das Lehen rauben, lasset Euere Söhne Aerzte und Apotheker werden, dann können sie ihnen das Rehen nehmen. Was Euere Rede betrifft, dass sie Euere Synagogen zerstören, machet Euere Söhne zu Geistlichen, dass sie entweihen ihre Religion und ihre Tempel. Sie quälen Euch noch in anderer Weise — sorget dafür, dass Euere Söhne in den Staatsdienst eintreten, dann könnt Ihr sie unterjochen und Euch an ihnen rächen. Gehet nicht ab von dem Rat. den wir Euch geben und Ihr werdet aus Erfahrung wahrnehmen, dass aus Verachteten Ihr Hochgeschätzte werdet. Ussuf, Haupt der Juden Konstantinopels.'' u) Kavserlinir I. c S. 113 f und Los liios: Estudios suhre los .Indios'de Espaiia (Madrid 1848) K. 204 und Ad. de f'iistro: IVotoshmtes Espafiolos (f'adix 1851) S. 138 I'. Armand Fallieres E Präsident der französischen Republik. Medaille in gegossener Bronze (S3 mm).