Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Gabriel Riesser in Bild und Karikatur
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 51 - 52 (sequence 3)
- Language
- German
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51 Dr. Max Granwald: Gabriel Riesser in Bild und Karikatur. 52 auch dcrftiefser 6. Riesser von Vincke anerkannt. Bilde so zusagt, und dass Du ihn dem andern Bilde vorziehst, freut mich um so mehr, da ich gerade für dieses Bild eine ganz besondere Vorliebe habe, da das Original, von dem es ein treues Abbild ist, von einem mir sehr werten Freunde in frohen Stunden mit herzlicher Liebe gemalt worden ist, als ich noch 11 Jahre jünger war als jetzt und wohl gutmütiger und freundlicher mag ausgesehen haben, weshalb es mir denn auch nichtrechtist, dass allerdings die meisten meiner Bekannten von diesem Bilde nicht viel wissen wollen, und eines oder das andere brummige Bild aus den verschiedenen Sammlungen von Parlaments - Porträten vorziehen, die allerdings wohl in der Gegenwart ähnlicher sein mögen/' Ausser den von uns liier wiedergegebenen Porträten erwähnen wir noch den Hoffmeister s chen Stahlstich, der den Werken Riessers in der Ausgabe von I s 1 e r vorgesetzt ist, und den von Riesser in dem erwähnten Briefe besprochenen, bei Dondorf in Frankfurt erschienenen Stich von Fercl. Luederitz. 7. Riesser und Mohl. Bei einem Festmahl [in Frankfurt a. M. wurde Riesser durch Widmung eines gleichfalls von Oppenheim entworfenen silbernen Pokales geehrt. Ein Ritter, auf dessen Schild die Worte „Licht und Liebe" glänzen, bekämpft, in der einen Hand eine Fackel, einen Drachen. Auf dem Deckel kniet ein Engel, der, zerbrochene Ketten in den Händen, dankbar gen Himmel blickt. Die Aufschrift besagt: „Dem Dr. Gabriel Riesser, dem Kämpfer für Licht und Recht, seine Freunde und Verehrer, Frankfurt a. M. 1832". Im Jahre 1836 bestimmten Riesser die für ihn ungünstigen Verhältnisse in seiner Vaterstadt, nach Frankfurt zu übersiedeln. Bei der Abschiedsfeier am 27. April wurde ihm im Namen eines Komitees als Ehrengabe eine goldene Denkmünze überreicht, die, wiederum nach einem Entwürfe Oppenheims, von L o o s in Berlin hergestellt worden war. Auf der Vorderseite sieht man eine Mutter thronen, die zwei Kinder stillt. Ihr Haupt umschwebt eine Gloriole, die an den echten Ring in L e s s i n g s Nathan erinnert. Es ist die wahre Religion, die mit gleicher Liebe alle Menschen umfasst. Ihr zur Seite sitzen, das alte Motiv der Gegenüberstellung von Kirche und Synagoge variierend, das Christentum mit allen Insignien der Macht und Herrschaft, gegenüber das Judentum, kniend und gefesselt, das Gesicht klagend der Mittelfigur zugewandt, die rechte Hand auf das Zehngebot stützend, mit der anderen auf das in Krone und Szepter triumphierende Christentum weisend. Die Umschrift lautet: „Haben wir nicht alle Einen Vater, hat uns nicht Ein Gott erschaffen? Maleachi 11,10." Die Kehrseite trägt die Inschrift: „Dem Streiter für Recht und Freiheit Dr. Gabriel Riesser seine Hamburgischen Glaubensgenossen MDCCCXXXVI" (No. 17). 1 Seit seinem Eintritt in das Frankfurter Parlament ist Riesser wiederholt karikiert worden. Am 29. Aug. 48 wurde über die deutschen Grundrechte beraten. Nach dem Vorschlage des Verfassungsausschusses sollte der § 13 lauten: „Durch das religiöse Bekenntnis wird der Genuss der bürgerlichen und der staatsbürgerlichen Rechte weder bedingt noch beschränkt. Den staatsbürgerlichen Pflichten darf dasselbe keinen Abbruch tun." Der Abgeordnete Moritz Mohl aus Stuttgart hatte hierzu den Zusatzantrag gestellt: „Die eigentümlichen Verhältnisse des israelitischen Volksstammes sind Gegenstand besonderer Gesetzgebung und können vom Reiche geordnet werden. Den israelitischen Angehörigen Deutschlands werden die aktiven und passiven Wahlrechte gewährleistet." Diesen Antrag suchte Mohl ausführlich zu [ begründen, indem er die Juden als einen eigenen f nichtdeutschen Volksstamm bezeichnete und vom ' Wucher als ihrer vorherrschenden Beschäftigung sprach, gegen die der Staat durch weise Massregeln das Volk schützen müsse. Unmittelbar nach Mohl sprach Riesser aus dem Stegreif, aber so scharfsinnig, glänzend und hinreissend, dass sein Ruf als Redner damit für alle Zeit begründet war. Man schliesse die Juden, die Deutsche sein wollten, von den allgemeinen Gesetzen aus, obwohl man diese auch auf ausgesprochen Nichtdeutsche (wie die Slawen) ausgedehnt wissen wolle. Werde von Juden Unrecht begangen, so habe man die schuldigen Personen, aber nicht ihre Religionsangehörigkeit zu treffen. In prophetischer Schau schliesst die glänzende Rede mit den Worten: „Glauben Sie nicht, dass sich Ausnahmegesetze machen lassen, ohne dass das ganze