Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Der Semigotha
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 37 - 38 (sequence 4)
- Language
- German
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37 Felix Halle: Der Seinigotha. 38 A. E. HERSTEIN. Thüringer Landschaft. Bis jetzt habe ich nur von der Behandlung gesprochen, welche die Familien gefunden haben, deren jüdische Abkunft und Adel feststehen. Der Semigotha bringt aber noch mehr. Die unendlichen Schwierigkeiten, ja bisweilen die Unmöglichkeit für den gewissenhaften Genealogen weit zurückliegende Abstammungen klar zu legen, benutzte der Semigotha durch mehr oder minder leichtfertige oder gar böswillige Ausstreuungen Verwirrung zu stiften. Diese Arbeit scheint sogar nach gewissen Gesetzen erfolgt zu sein. Nach einer Behauptung des Semigotha neigen die Mitglieder von Familien jüdischer Abkunft zur Ehe mit Personen gleicher Abstammung, selbst wenn die Konvertierung viele Generationen zurückliegt. Er hat nun meines Erachtens planmässig Familien, in denen derartige Heiraten vorgekommen sind, auch für den Mannesstamm eine jüdische Herkunft zugesprochen und mehr oder minder glücklich zu konstruieren gesucht. Die fürstlichen und gräflichen Häuser Aldringen, Borghese, Essling, Henckel-Donnersmarck, Wagram, Cohsolato, Douglas, Künigl von Ehrenburg Wolkenstein, Zichy scheinen mir auf diese Art in den Semigotha gelangt zu sein. Unzweideutig tritt die Methode in dem Artikel Monaco hervor, in dem nach der Erwähnung der Fürstin Alice geb. Heine gefragt wird, ob das regierende Haus nicht jüdischen Ursprungs sei. Mit welcher Leichtfertigkeit Geschlechtern jüdische Abkunft angedichtet ist, will ich an drei Beispielen beweisen: in der gräflichen Abteilung steht unter Douglas: „Hessen vordem anders und haben mit den altenglischen Grafen Douglas garnichts gemein. Reformiert. Rasse jüd. Herkunft, von Preussen nobilitiert." Nun aber steht in den Diplomen des Hugo Scholto Douglas zu lesen, dass ihm in sein Wappen Abzeichen der alten schottischen Adelsfamilie gegeben werden, weil er seine Abstammung von diesen glaubhaft durch Urkunden nachgewiesen hat. Es ist früher freilich vorgekommen, dass vornehme Abkunft in Adelsbriefen ohne genügende Unterlage bestätigt worden ist, ob aber die Männer des Semigotha die Richtigkeit moderner preussischer Urkunden bestreiten werden, muss abgewartet werden. Der zweite Fall, an dem ich das frivole Verfahren der Redaktion kennzeichnen will, betrifft den verstorbenen Grafen Rhena. Hier ist dem Sprossen eines deutschen Fürstenhauses ohne Spur eines Beweises illegitime jüdische Herkunft angedichtet worden. Das Andenken der verstorbenen Gattin eines Zähringschen Prinzen, die am Grossherzoglichen Hofe wegen ihres vornehmen Charakters besonders geschätzt war, ist auf das Hässlichste beschimpft worden, anscheinend nur, weil ihre Muttei jüdischer Abkunft war. Rosalie Luise 1. Gräfin von Rhena geb. Freiin v. Beust war nämlich die Tochter des Freiherrn Wilhelm vonBeust und der Freifrau Emilie geb. Meier. Als Braut des Prinzen und Markgrafen Karl von Baden erhielt sie für sich und ihre ehelichen Nachkommen den badischen Grafentitel unter dem Namen „Rhena". Der „angeblich jüdische" Graf Friedrich (gest. Bern 19. XI. 1908) war der einzige Sohn des Prinzen Karl. Der dritte Fall, an dem die Arbeitsmethode des Buches charakterisiert werden soll, betrifft die Familie Lucius von Ballhausen. Hier tritt ganz deutlich zutage, wie die Abstammungsbeweise der Redaktion zustande kommen und welchen Wert sie haben. Während nämlich nach dem Semigotha der Name Lucius Hecht bedeutet und die Familie von Lucius eine aus Frankfurt a. M. von dem Rabbi Epstein abstammende Levitenfamilie ist, bildet die Freiherfliche Familie Lucius von Ballhausen, wie aus dem BERLIN. A. E. HERSTEIN. RADIERUNG. (Mit Genehmigung des Graphischen Kabinetts.)