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Ost und West · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. Seite 33 - 34

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
Der Semigotha
Date
1913-01-01
Page
Seite 33 - 34 (sequence 2)
Language
German
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Felix Halle: Der Semigotha. 34 A. E. HERSTEIN. Radierung. von Stradonitz dazu dient: die Juden als „Abschaum der Menschheit hinzustellen." Besonders abstosseml wirkt es, wenn die Redaktion die Juden und alle ihre Abkömmlinge in ärgster Weise beschimpft und herabwürdigt und dann sich der rechtlichen Vcrant-;1T"^'Z«1v7 wortung dieser Verleumdungen und Beleidigungen zu .entziehen sucht, indem sie heuchlerisch erklärt, dass keine der geadelten Judenfamilien die Einleitung als auf sich gemünzt ansehen dürfe. Wie aufrichtig diese Erklärung gemeint ist, geht daraus hervor, dass sich in den Artikeln über die einzelnen Familien die schwersten Beleidigungen finden. So ist unter dem Namen (Stern) Lord Xorthcliffe zu lesen: „Es handelt sich um nichts geringeres, als die Verschachcrung der Mitgliedschaft des englischen Oberhauses an unwürdige und bemakelte Subjekte, an Juden schlimmsten Rufes." Xach eingehender Durchsicht (les""ganzen Buches habe ich den Eindruck gewonnen, das eigene archivarische Forschungen nach wissenschaftlicher Methode überhaupt nicht vorgenommen worden sind. "Was im Semigotha an richtigen Angaben zu finden ist, ist nur eine Zusammenstellung aus den bekannten genealogischen Werken und Zeitschriften. sowie aus der, in geringerem Umfange benutzten jüdischen Literatur. Aber selbst die entlehnten Daten dürfen nur mit grösstcr Vorsicht aufgenommen werden, da die Abschriften und der Druck von Fehlern wimmeln. Noch schlechter bestellt ist es mit dem Material, das die Redaktion selbständig zusammengetragen hat. Es besteht hauptsächlich aus Zeitungsausschnitten und Zitaten aus der antisemitischen Schundliteratur. Geradezu grotesk mutet nun die Art an, wie der jüdische Ursprung (Genesis) der Familien bewiesen wird. Die schwierige Frage, ob eine Familie sephardi sehen Ursprunges ist oder von Aschkenasim abstammt, wird spielend erledigt. Nach den gewagtesten Kombinationen werden den Familien ältere hebräische Namen zugesprochen, und mit mehr oder minder grosser Bestimmtheit wird nicht nur die .Zugehörigkeit zum Priester- und Levitenstand, sondern auch zu den andern Stämmen ermittelt. Die Forscher des Semigotha, die auf Seite XXXI ihres Vorworts mit Paul de Lagarde behaupten, das neuere Händlervolk der Juden habe mit dem alten ackerbauenden derlsraeliten, dem wir jedenfalls alles poetische im alten Testament verdanken, nichts oder doch sehr wenig gemein, geben also vor, die Abstammung vieler jüdischer Familien von den zehn israelitischen Stämmen festgestellt zu haben. Auch ist es merkwürdig, dass diese Methode sich ebenso trefflich bei den Familien bewährt, die urkundlich ihre nichtjüdische Abstammung nachzuweisen vermögen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als wäre die ganze pseudowissenschaftliche Arbeit nur Aufmachung, um Unwissende zu täuschen, damit ihnen die später aufzutischenden Märchen glaubhafter erscheinen. BERLIN. A. E. HERSTEIN. Radierung. BERLIN.

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