Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Der Semigotha
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 31 - 32 (sequence 1)
- Language
- German
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31 32 DER SEMIGOTHA. Ton Felix Halle. Obwohl die ernste Tagespresse Deutschlands in überwiegender Mehrheit das im. Kyffhäuserveiiag zu Weimar erschienene „Genealogische Taschenbuch des gesamten Adels jehudäischen Ursprunges", das unter seinem Nebentitel „Semigotha" bekannt geworden ist, kurzerhand als unwissenschaftlich abgelehnt hat, ist es dennoch notwendig, sich eingehender mit ihm zu beschäftigen. Der Schaden, der dadurch entstehen kann, wenn Unwahrheit und Verleumdung auf einem so wichtigen Gebiete wie dem der Familienforschung sich in so umfassender Weise betätigen und sich dauernd auf ihm einnisten will, zwingt uns genauer nachzuweisen, nach welchen Methoden die sechshundert Seiten (!) dieses Buches, das ich nicht anstehe als eines der grössten, freilich auch interessantesten, literarischen Verbrechen der letzten Jahrzehnte zu bezeichnen, zusammengestellt sind. Es muss die Gefahr gezeigt werden, die entstehen würde, wenn nicht bald die Geschlechterforschung mit eehter wissenschaftlicher Gründlichkeit und Unparteilichkeit auf die Stammbäume der jüdischen Familien ausgedehnt werden kann und ihre Ergebnisse in grosszügiger Weise der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Eine gründliche Untersuchung und eine schonungslose Aufdeckung der verschiedenen irreführenden Manöver ist auch darum geboten, weil hinter dem anonymen Redaktionskomitee (Postfach siebzehn Weimar, Sachsen) — wie unter anderen Indizien auch die Anzeigen und die reklameartigen Literaturhinweise verraten — ein Personenkreis steht, der seit Jahren gewohnheits- und gewerbs- A. E. HERSTEIN. Akte in Pastell. mässig das Judentum als Rasse und Religion verleumdet und beschimpft. . Die Urheber des Semigotha wollen nun ihr unsauberes, gefährliches Agitationsmaterial unter der falschen Deklaration eines genealogischen Taschenbuches in die ernste Literatur einschmuggeln. Besondere Beachtung verdient, dass der Semigotha von seinen Herausgebern als regelmässig erscheinender Almanach gedacht ist, von dem der vorliegende Band den ersten Jahrgang bilden soll. Wie raffiniert diese Verkleidung gewählt ist, kommt erst dann zum Bewusstsein, wenn man sich vergegenwärtigt, dass fast alle öffentlichen Bibliotheken genealogische Nachschlagewerke kaufen und an erster Stelle in ihren Handbibliotheken und Lesesälen auslegen. Ich will daher nachweisen, dass der Semigotha kein „historisch-genealogisches" Sammelwerk ist und keinen Anspruch hat als solches behandelt zu werden. Schon die äussere Aufmachung verrät dem Kenner die innere Unkultur der Herausgeber. Was nämlich an der Ausstattung gefällig erscheint, ist eine Nachahmung des echten Gotha. Die Abweichungen sind heraldische und zeichnerische Verunstaltungen, das Vorsatzpapier ist ein Muster schlechten Geschmacks. Vornehm beginnt das Werk mit einem Aufruf um Mitarbeit geg'en Freiexemplare. Daran schliesst sich eine rührselige Klage über die Unterdrückung des Buchhandels durch das Judentum. Das nächste Blatt bringt das Titelbild: Negus Menelik von Aethiopien. Was dieses Bild bezweckt, wird nach der Lektüre der 62 Seiten langen Einleitung klar. Die Ethnologen des Semigotha bezeichnen die Juden als negrito-semitische Rasse, ver breiten, dass die Juden allgemein Negerblut in sich haben, obwohl die Pigmentfärbung der überwiegenden Mehrheit der Juden die Unwahrheit dieser Behauptung ohne weiteres ergibt. Auch haben die Verfasser des Semigotha übersehen, dass sie selber auf Seite XXXV des Vorwortes im Gegensatz zu dieser Angabe feststellen: „dass es den Juden gelungen sei, sich unvermischt und fast rasserein zu erhalten". Der Inhalt des Vorwortes ist in Kürze gefasst etwa folgender: es wird behauptet,, dass die modernen Juden den Charakter des semitischen Nomadentums in sich trügen. (Seite XXIV.) Schwerste physische und psychische Gebrechen worden ihnen vorgeworfen. Hass gegen ehrliche Arbeit, räuberische Neigungen, Spioniersinn, Mangel an Schamgefühl und Unfähigkeit zu erröten. Sodann wird ausgeführt, dass der Austritt aus dem Judentum als Rasse unmöglich ist. Taufe,, sogar Kreuzung nützen garnichts, Juden bleiben Juden auch in der hundertsten Generation, sie besitzen einen eigentümlichen — den Germanen widerlichen Geruch (Foetor judaicus). Die ganze lange Einleitung ist nichts als ein Pamphlet, das nach dem Ausspruch''des bekannten Gelehrten Dr. Kekule- BERLIN.