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Ost und West · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. Seite 17 - 18

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
Der Drang nach Osten
Date
1913-01-01
Page
Seite 17 - 18 (sequence 5)
Language
German
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17 Binjarain Segel: Der Drang nach Osten. 18 folterten, verbrannten und vertrieben, weil sie bald. eine geweihte Hostie gemartert, dassBiut emporspritzte und ein niedliches kleines Jesuskindlein emporschwebte, b.ald einem lebendigen Christenmenschen warmes Blut abgezapft hatten? Gerade, wenn man bei den Juden tief in der Kreide sass, gerade, wenn man ihre Handelskonkurrenz als lästig empfand, oder wenn man sonst aus irgend einem Grunde sie forthaben wollte, gerade, wenn der Hass sich über ihren Häuptern zusammenballte und das Leben ganzer Gemeinden auf dem Spiele stand, taten die Juden mit gewissenhafter Pünktlichkeit ihren Hassern den Gefallen und schlachteten rasch ein paar Christenkinder ab, oder zerstachen und marterten eine Hostie, dass das Blut nur so emporspmdelte. Und dann wanderten die „Schuldigen" auf den Scheiterhaufen, der Rest wurde vertrieben oder kam sonstwie um, ihren Schuldnern wurden die Schulden erlassen, alle andere Habe konfiszierte der Fürst. Bis endlich die Zahl der Juden in Deutschland auf 1% der Gesamt!) ovölkerung herabging. Nun, wir Russen sind ein zurückgebliebenes Volk, aber wir wollen vorwärts schreiten. Wir bedienen uns nur derselben Methoden, wie die Deutschen, bevor sie auf der heutigen Kulturstufe angelangt waren. Wir haben ja am Ende auch eine Seele, und hat uns nicht Chamberlain erst vor wenigen Jahren zu Germanen ernannt? Wir wollen unsere slawisch-germanisc Iimongolischen Seelen auch davor schützen, dass sie durch die Juden Schaden nehmen in ihrer Eigenart. Wenn wir erst unsere Juden dezimiert und so weit herabgebracht haben, dann werden wir nicht nur keine Bcilis-Prozesse mehr aufführen, sondern wir versprechen euch, ebenfalls entrüstete, energische, würdevolle Proteste zu erheben gegen derlei wahnsinnige, niederträchtige und verlogene Beschuldigungen! Amen. * * * Indessen darf man nicht glauben, dass Sombart und die Seinigen jene 6—7 Millionen russischer Juden einfach ausrotten wollen. So grausam sind sie nicht. Zwar Amerika, wo diese Juden seit 30 Jahren in grossen Massen Zuflucht suchen, hat Sombart mit harter Hand vor ihnen gesperrt. Die Vereinigten Staaten mit ihren 95 Millionen Einwohnern könnten bei einer Bevölkcrungsdichtigkeit von Belgien (und sie sind einer grösseren fähig) etwa 850 Millionen Menschen ernähren; Kanada mit seinen 7 Millionen ihrer mehr als 200. Raum genug hat also dieser Erdteil. Und keiner vermöchte zu sagen, warum die Juden das einzige Volk weisser Rasse sein sollen, dem jetzt schon der Eintritt in dieses gelobte Land verwehrt werden sollte. Zumal ja Sombart selber Amerika ein richtiges Judenland nennt und, freilich unter starker Uebertreibung, die übergrosse Bedeutung der Juden für den Aufbau und die "ökonomische Entwicklung dieses Landes hervorliebt. Aber in seinen Büchern und in allen seinen Vorträgen ward er nicht müde, der Welt mit solchem Nachdruck und so laut hinhallend zu verkünden, dass in Amerika sich ein schrecklicher, drohender usw. Antisemitismus erhebt, dass alle Auswanderungslustigen das Gruseln lernen könnten. Wenn die Amerikaner diese Beteuerungen hörten, so müssten sie unbedingt daran zu glauben anfangen. Eine amerikanische Liga gegen die Judeneinwanderung könnte sich gewiss keinen eifrigeren und wirksameren Agitator wünschen. Nur vergass er hinzuzufügen, dass fast alle Amerikaner, die den Juden den Zutritt nach Amerika verweigern wollen, aus Bayern oder Sachsen stammen. (Und erst vor kurzem hat uns Mr. Price Collier in seiner Abhandlung „Germany and the Germans frorn an American Point of View" versichert, den Amerikanern sei der in Deutschland herrschende Judenhass schwer verständlich, da sie sich von dem angeborenen und herkömmlichen Vorurteilen gegen die Juden freiwissen.) Immerhin, mit Amerika ist es nichts. Wir sind entschieden zu früh gekommen bei der Verteilung der Erde. Und so hat Sombart in seiner Weitherzigkeit den Zionismus als das einzige Mittel entdeckt, Russland und noch ein paar europäische Staaten der Juden zu entleeren. Er hat nichts dagegen, aber viel dafür, dass die Juden in Palästina oder sonst wo einen Judenstaat gründen. Nun, wir werden ja sehen, dass nach seinen Theorien die Juden sich überhaupt nicht eignen, ansässig zu werden, also ein festes Staatswesen auf breiter agrikultureller Basis zu begründen, noch eignet sich Palästina zum Boden für einen richtigen Kulturstaat. Aber davon abgesehen, möchte man doch . gerne einige Zweifel beseitigt wissen. Wenn nämlich, der Zionismus als Palliativmittel gegen den Antisemitismus und der Judenstaat dazu dienen soll, die europäischen Staaten judenrein zu machen, so möchte uns doch Sombart nur die Wege zeigen, wie man es anstellt, 6—7 Millionen Menschen im Verlaufe einer kurzen Zeit, höchstens eines Menschenalters, aus einem Lande in ein anderes entferntes zu Anpflanzen, unter völlig veränderten Lebensbedingungen, mit unerhört neuen Aufgaben? Und in kürzester Zeit müsste sich ja die Uebersiedlimg vollziehen, damit sie zu einer Entleerung werde. Wenn nämlich die Abwanderung nicht in raschen, grossen, zahlreiche Massen wegfegenden Stössen, sondern in normaler, langsamer Weise vor sich geht, so vermindert sie die Bevölkerungsziffer nur höchst minimal oder gar nicht. Die Abwandernden schaffen nur Lebensraum für neuen Nachwuchs, der alsbald die Lücken ausfüllt. (Das ist eine von den meisten Bevölkerungsstatistiken! anerkannte Tatsache, und auf ihr baut sich Charles Hunters Forderung auf, Amerika vor den europäischen Einwanderern überhaupt zu sperren). Man müsste also die Juden sozusagen im Handum drehen aus ihrer alten Heimat herausholen und in dem Judenland ansiedeln, hier müssten sie rasch so fest und tief Wurzel schlagen, dass sie das Land auf ewig als ihre Heimat betrachten, dabei mit unerhörter Geschwindigkeit den ihnen vorläufig fehlenden Bauernstand entwickeln, der den Boden in Besitz nimmt und bebaut und mit seinem Schweiss und Blut düngt und mit ihm für immer zusammenwächst, daneben sich raschestens so weit sozial differenzieren, dass sie alle zum Tragen und Halten eines selbständigen Staatswesens nötigen Organe und Dispositionen in sich herausbilden. Fürwahr, eine übermenschliche Aufgabe, und wir wären Sombart sehr dankbar, wenn er uns die Mittel an die Hand gäbe, sie zu lösen. Wir anderen haben nämlich den Zionismus stets als eine Aufgabe für Generationen betrachtet. Ferner darf man auch noch fragen: wo in aller Welt, von Amerika abgesehen, gibt es kulturfähiges, herrenloses Land von solcher Ausdehnung, dass es mit Leichtigkeit 6—7 Millionen Menschen auf einmal fassen könnte? Das schwierigste Problem jedoch ist folgendes: Gesetzt, es gelänge durch ein Wunder,. diesen Judenstaat nach dem Herzen Sombarts zu gründen. Was geschähe nun, wenn die Juden sich dort auf natürliche Weise im Verlauf einer oder zweier Generationen vermehrten, dass ihr Land ihnen zu enge würde und sie gezwungen wären, Auswanderer in die Welt zu entsenden? Müsste da nicht das alte Spiel

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