Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- Julie Wolfthorn
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 1097 - 1098 (sequence 5)
- Language
- German
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1097 Georg Hermann: Julie Wolfthorn. 1098 JULIE WOLFTHORN. Familie des Geheimrat M. BEKLLW k«'it lind ' Suggestion, wie man ihr selten begegnet, und sind dabei doch ohne die kühle Nüchternheit der Analyse eines so gearteten Menschen, wie sie z. B. Graf Kalckreuth geben würde, und auf anderer Seite auch ohne die zur Genialität gesteigerte Kraft, die ja nur in wenigen grossen Momenten dem schöpferischen Geist eigen ist, eine Kraft, die vielleicht aus den gleichen Bildnissen eines Liebermann sprechen würde. Malerei und Zeichnung haben sich in diesen Bildnissen ausserordentlich glücklich mit einem feinen kultivierten. Geschmack vereint. Und wenn wir auch Geschmack und Malen können bei Frauen nicht allzu selten finden, so ist doch Zeich n en können eine Gottesgabe, deren Besitz sich wirklich nicht viele Frauen rühmen können. — Ich könnte noch etwas zur Verweichlichung, zum Bruch, zur Auflösung ihres Könnens hätte führen müssen, . . . vielleicht auch, dass der Wandel zu den letzten Dingen, wie das mindervolle Gruppenbild der Familie Muthesius es hier zeigt, . . . dass dieser Wandel einfach in der Linie ihrer Entwicklung lag . . . genug, sie ist dieser Gefahr entronnen! Sie ist heute frischer und kräftiger, als sie je war. Und ihr Schaffen steht auf einer Höhe, die das Frühere überragt. Als Landschaf tierin ist Julie Wolfthorn bisher wenig hervorgetreten. Und doch kenne ich von ihr Serien kräftiger und sehr origineller landschaftlicher' Studien, farbige, vorzügliche Tagebuchblätter aus Holland, aus München, aus der Mark, von überall her. Dass ihr bei ihrem ausserordentlichen Sinn für den Duft schöner Dinge das Stilleben liegen muss, — die Zusammenstellung von Blumen, farbigen Poterien und Stoffen — bedarf wohl kaum der Erwähnung. Aber sie ist auch eine Porträtistin, wie wir wenige haben. Geschmackvoll, immer mit neuer Liebe an die Menschen herangehend, ohne allzu viel Konzessionen, und begabt, das Wesen der zu Porträtierenden zu erschlossen. Sie gibt keine Versüsslichung, schreibt aber ebensowenig Steckbriefe ihrer Opfer. Sie hat den Sinn für die schöne Frau. Am liebsten ist ihr wohl eine solche, die schön ist und zugleich in irgend einer Form im Leben steht, als Kimstgewerblerin wie Fia Wille hier, als Schauspielerin, oder als Künstlerin. Und sie ist vielleicht eine der besten Erklärerinnen des feinen, künstlerisch veranlagten Mannes. Bildnisse, wio das von Landauer und Dehmel sind von einer Eindringlich- JLLIE WOLFTHORN. BERLIN". Frl. v. Konschewska.