Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- Julie Wolfthorn
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 1099 - 1100 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1U9J Georg* Hermann: Julie Wolfthorn. 1100 über die Stellung von Julie Wolfthorn in der Bewegung dor Modernen sagen, zeigen, wie sie gewisse Pariser Einflüsse und' schottische Einwirkungen verarbeitet hat — aber endlich will ich ja keine Abhandlung schreiben, nur eine Charakteristik. Da man aber an dieser Stelle gern etwas über die Verbindung vom Künstlertum mit der jüdischen Kasse vernimmt, so möchte ich noch sagen, dass wir stolz darauf sein können, unter den wenigen K. ü n s t - Icrinncn von ausgesprochen eigener Physiognomie in Juli c YV o 1 f t h o r n einer J ü d i n zu begegnen. Das Erbteil ihrer Rasse scheint mir eine ausserordentliche Fcinncrvigkeit gegenüber farbigen Eindrücken zu sein, aucli wohl ein gewisser Lyrismus, der allen ihren Werken eigen ist. Endlich ist sie eine Künstlerin nicht nur von Geschmack und Können, sondern wie liier vor allem ihre Landschaften . . . das Porträt der Kranken . . . und das Bildnis von Gustav Landauer zeigen, . . . eine Künstlerin von Seele. Und auch hierin mag man etwas dor Rasse Eigentümliches sehen. DIE LIEBE PROVINZ. Bilder aus dem Leben der jüdischen Intelligenz in Russland. Von Sch. G-orelik. Nachdruck verboten. L Selbst wenn man schon Dreiunddrcissig alt geworden ist und die Erdkugel schon mehrmals nach allen Richtungen bereist hat; selbst wenn schon im Barte die ersten Silberfäden schimmern und das Kopfhaar schütter zu werden beginnt; selbst wenn sich schon zarte Runzeln, — von tiefen, nicht immer JULIE WOLFTHORN. Constantin Brunner. (Zum Artikel: „Julie Wolfthorn" .von Georg Jlernmim i lustigen Gedanken herrührend, — in den verschiedenen Winkeln des Gesichts verstecken, und doch wieder nicht verstecken, sondern eigentlich laut von den Stürmen des Lebens erzählen, — braucht man noch immer kein Menschenfeind zu werden. Braucht man sich noch immer keine dänische Dogge zu halten. Man kann dann, im Gegenteil, bei einiger Mühe das Leben noch immer interessant finden. Sind auch die Menschen nicht so, wie man sie haben möchte, so ist es dennoch ganz schön, des Morgens aufzustehen, die Fensterläden weit zu öffnen, sich in den Sonnenstrahlen zu laben, in kaltem Wasser zu baden und irgendwo in den Bergen aus einer frischen Quelle zu trinken. Hauptsache, die Grossstadt von sich zu tun und in der Provinz sich niederzulassen, — in einem Städtchen von ein paar tausend Einwohnern, mit einstöckigen Häusern und bäumenbesetzten Gassen. Das Feld ist nicht weit und noch näher sind die Windmühlen. Da bilden sich Persönlichkeiten, da wachsen Gefühle, Ideale .... Aber die jüdischen Jünglinge und Mädchen lassen sich vom Glänze der Grossstadt blenden. Voll Hoffnungen, mit dem ganzen Enthusiasmus der Naivität streben sie, fliegen sie hin, — um verbrüht, das Feuer der Augen erloschen, getäuscht, müde, gedrückt zurückzukommen. Dann stimmen sie so gut zum Herbst, der gerade dort so melancholisch schön ist, — dort, in der Provinz, in den kleinen Kreisstädten . . Die Provinz bleibt immer zurück. Sie trägt die Moden, die die Grossstadt schon längst abgetan hat, alte, abgelegte Kleider- und Ideen-Moden. Aber gerade dieses Zurückbleiben ist ja ihre Schönheit. Während in der Grossstadt dank den Pornographien, den Cabarets, dem schrecklichen Wurm Nihilismus dir UFM LL\.