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Ost und West · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 1065 - 1066

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
Erwiderung
Date
1911-12-01
Page
Seite 1065 - 1066 (sequence 3)
Language
German
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1CG5 Kein ,,Pogrom" in Süd-Wales. Erwiderung. 1066 Wir meinen sogar im Gegenteil, dass dieser spontane Aufschrei einer ganzen Welt: „Pogrom in England" — einen ganz erheblichen Vorteil gebracht hat. Denn, wenn die englische Regierung nach kurzer Ueberlegung so energisch dreingefahren ist, um Ordnung zu machen, wenn die englischen Richter so intensiv die Notwendigkeit gefühlt haben, die Uebeltäter von Süd-Wales exemplarisch zu bestrafen, so ist dies nicht zum kleinsten Teil dem Umstände zu danken, dass sie vor dem Worte „Pogrom" erschraken. Das fürchterliche Wort Hess sie die Gefahr erkennen, in der die Ehre ihres Vaterlandes schwebte, und darnach handeln und urteilen. Doch fällt es uns gar nicht ein, auf diese nützliche Wirkung, die sich ja zudem nur auf England beschränkt, besonderes Gewicht zu legen. Wir glauben vielmehr, dass wir Juden es uns nachgerade überhaupt abgewöhnen sollten, all unser Tun nach der quälenden Frage einzurichten: Was werden die anderen dazu sagen? Es ist ein Armutszeugnis, das wir uns mit dieser ewigen Frage ausstellen. Eine Gemeinschaft muss doch, glauben wir, das Gesetz und den Sinn ihres Lebens in sich tragen. Sie darf sich doch nicht einfach fremdem Urteil auf Gnade und Ungnade ausliefern. Sie soll doch gerade im Gegenteil selbständige Sittlichkeit und das Gefühl der vollen eigenen Verantwortlichkeit in sich zu festigen trachten. Was soll denn auch dieses ewige Hinüberschielen nützen? Vor allem weiss man in dem1 Gewirre von Faktoren, mit denen man es zu tun hat, ja gar nicht, zu wem man zuerst und nachdrücklicher hinüberschielen soll. Und es geht alle Sicherheit des Schrittes verloren. Nichts aber schadet in den Augen des anderen mehr, als wenn er Unsicherheit und Unpersönlichkeit wahrnimmt. Er ist dann geneigt, die Unaufrichtigkeit, die dahinter steckt, noch zu überschätzen. Und vor allem, er lächelt über die Zumutung, die Dinge nur unter dem Gesichtswinkel zu betrachten, auf den wir die Ereignisse für ihn einzustellen belieben. Wir Juden traten mit dieser unseligen Methode in das Zeitalter der Emanzipation ein. Statt planvoll an uns zu bauen, statt unsere Kräfte

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