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Ost und West · 1911-11-01 · Heft 11 (November 1911) · p. Seite 967 - 968

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 11 (November 1911)
Article
Zur Ethik des Judentums
Date
1911-11-01
Page
Seite 967 - 968 (sequence 3)
Language
German
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967 A. Benezra: Zur Ethik des Judentums. 9G8 Buche Kritik der Sittenlehre" gelernt, ist: den Talmud lehren, ihn deuten und begreifen, verstehen und würdigen, d. h. das darin zu finden, was wirklich darin liegt, und nur wegen seiner uns modernen Menschen fernliegenden Denk- und Redeformen nicht sofort erkennbar ist. . . . „Wie mancher Rabbi des Talmud hat einen kurzen Ausspruch hingeworen, vielleicht mitten in der Diskussion, aber weil er aus dem Quell der ethischen Substanz geschöpft ist, birgt er in sich eine nie versiegende Keimkraft. . . . Man übertreibt nicht, wenn man sagt, wir verstehen heute den Plato, so wie ihn nie ein Grieche verstanden, ja, wie er sich selbst nicht verstanden. Kein Wunder! Alle andern Gedanken sind Hilfen zum wahren, vollen Verständnis, zur Vergleichung. Das ist der charakteristische Vorzug des wahrhaft Tiefen, dass es wächst durch das Wachstum des Empfängers." < Und ebenso wie Lazarus den Lehrinlialt des Judentums in sich aufgenommen und mit dem Tiefsten und Besten seines Eignen durchdrungen hat, so hat er das Leben des Juden gelebt und mit ganzer Seele erlebt und durchgekostet, mit allen seinen Leiden und Freuden, Schmerzen und Wonnen. Welchen seelischen Wert eine einfache religiöse Zeremonie bergen kann, welche Stimmungen ein Gebet, ein alter Brauch, eine symbolische Vätersitte wecken kann — das hat er, wie kein Zweiter zu verstehen, zu empfinden und darzulegen vermocht. Man lese z. B. die Schilderung des Juden, der morgens Tallith und Thephillin anlegt. Diese drei Seiten gehören zu dem Köstlichsten, das ich je gelesen. Und dann lese man das kleine Kapitel, in dem die Bedeutung des Wortes „im Ebenbilde Gottes" dargelegt wird, oder des Gebotes ,,du sollst nicht verderben"; oder die Exkursion über Kultur und Arbeit oder, über die Ehe, oder das unvergleichliche Kapitel: An die Mutter. Moses Lazarus war gleichsam prädestiniert, ein Buch der Ethik zu schreiben, welches ein unverlierbares Gemeingut des jüdischen Volkes werden sollte. Er stammte aus jenen Kreisen und aus jenen Gegenden, wo jüdisches Leben in aller Urwüchsigkeit pulsierte. Sein Geburtsort war Filehne, ein kleines Städtchen im östlichsten Posen, an der Grenze von Russland und Polen. Sein Vater war ein kleiner Kaufmann, aber ein grosser Lamdan, der in seiner Jugend zu den Füssen Rabbi Akiba Egers gesessen hatte. Er repräsentierte jenen, heute namentlich im Westen schon nahezu ganz ausgestorbenen Typus jüdischer Gewerbetreibender, die tagsüber schwer für den Erhalt der Familie arbeiteten, um nachts sowie an den Sabbaten und Feiertagen sich in das Studium der Thora zu versenken. Sie vereinten in sich den praktischen Menschen mit dem enthusiastischen intellektuellen Idealismus. Und ihr wonnigster Traum war, die Söhne zu den Trägern des mit der höchsten Bildung geschmückten, lautern Judentums zu erziehen. Selten ist wohl einem Vater dieser seligste Traum herrlicher in Erfüllung gegangen, als dem Vater von Moses Lazarus. Nicht nur intellektuell, sondern seelisch und auch gesellschaftlich war der Sohn zu einer der herrlichsten Pflanzen im Garten der europäischen Kultur emporgeblüht, aber er wurzelte immer fest und tief in der väterlichen Scholle. Dieser Adelsmensch, der wie ein JAKOB GLASXER BERLIK. Wintermorgen. 2sach einem Oelgemälde.

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