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Ost und West · 1911-11-01 · Heft 11 (November 1911) · p. Seite 965 - 966

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 11 (November 1911)
Article
Zur Ethik des Judentums
Date
1911-11-01
Page
Seite 965 - 966 (sequence 2)
Language
German
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965 A. Benezra: Zur Ethik des Judentums. 966 und Dankbarkeit wird der Leser zu dem Meister emporblicken, dessen geistige Gestalt wie ein lebendiger Zeuge aus den Blättern des Buchs vor ihm aufsteigt. Es ist unmöglich, im Rahmen dieser vorläufigen Besprechung den Inhalt des Werkes in seiner reichen Fülle auch nur annähernd darzulegen, geschweige denn zu erschöpfen. Bei anderm Anlasse soll unter Zurückgreifung auf den ersten Band der Versuch gemacht werden, ein Bild von der Lebensanschauimg, die Lazarus in diesem Werk niedergelegt hat, zu entwerfen und es in die Beleuchtung seiner Weltanschauung und seines Lebensganges zu stellen. Hier kann nur ein leichter Vorgeschmack von dem geistigen Festmahl geboten werden, welches Lazarus dem Leser bereitet. Gemäss den theoretischen Grundlagen, die im ersten Bande dargeboten wurden, zerfällt der vorliegende Band in zwei Teile. Zunächst wird der „Weg zur Sittlichkeit" beschrieben, und sodann die Sittlichkeit als Schöpfung des sittlichen Menschen, als Objektivation seines sittlichen Bewusstseins dargestellt. Der „Weg", nämlich die Mittel, vermöge deren der Mensch seine Aufgabe hienieden, die Verwirklichung des sittlichen Ideals, erfüllt, das sind die dauernden Eigenschaften oder Tugenden (Middoth), die er erwirbt, das sind gleichsam die Instrumente, die er sich schafft, um sein Werk zu vollbringen. Es sei hier vorläufig nur nebenhin auf diese eigenartige und fruchtbare Auffassung der Sittlichkeit als Schöpfung des Menschen hingewiesen, als das „letzte Ziel", zu dem alle sittliche und kulturelle Entwicklung der Menschheit hinstrebt. Die Behandlungsweise ist in diesem Bande vorwiegend psychologisch. Der grosse Menschen- und Völkerkenner, der Erforscher der Einzel- und Massenseelen, der Begründer der vergleichenden Völkerpsychologie betrachtet die Handlungen, Triebe und Gefühle der Menschen von der hohen Warte seiner reichen Erfahrung und seiner, in einem langen, reichen Lebendes Forschens und der Taten gewonnenen, milden und verstehenden Weltanschauung. So entstehen ganze Reihen entzückender Bilder und Skizzen über die mannigfachsten Fragen des Seefischen und praktischen Lebens: Ausbildung des Gemütes durch Intelligenz, Gefühl und Willen; Gesinnung und Erkenntnis; Wahrhaftigkeit, Lüge; Aberglauben, Pflichtgefühl, Wesen des Charakters; Pflicht und Neigung; Energie, Ausdauer, Genuss, Demut, Eitelkeit, Pietät. Wohl zu dem Glänzendsten und Tiefsten, das man lesen kann, gehört die etwa 80 Seiten umfassende Reihe von Skizzen, überschrieben: „Ordnung, Kultur, Teilung der Arbeit." Wo man das Buch aufschlägt, überafl packt es einen an und lässt ihn nicht los. Es ist eine Quelle des Genusses und der Belehrung. Man überlässt sich willig dem ästhetisch-intellektuellen Genuss, bis man gewahrt, dass diese losen, feinen, eleganten Skizzen wie durch eine eiserne Klammer von der grossen Idee des Buchs zusammengehalten werden und den Leser mit unerbittlicher Konsequenz dahin führen, wo ihn der Verfasser haben will. Diesem grossen Kulturmenschen ist nichts Menschliches, nichts, was die geistigen und sozialen Interessen der Menschheit, angeht, fremd. Und eine besondere Wonne ist es, zu sehn, wie Lazarus all das durch das Prisma des Judentums anschaut. Es gab wohl unter seinen Zeitgenossen kaum einen zweiten, der in gleich hohem Grade, wie er, in seiner Persönlichkeit die Synthese zwischen Judentum und moderner Kultur vollzogen. Und in seinem Geiste gewinnen die Lehren und Aussprüche unserer Alten ein ganz neues und eigenartiges Leben. „Was ich von Plato und Aristoteles, von Kant und Herbart und auch Schleiermacher aus seinem wundersamen JAKOB GLASNER. Morgensonne in der Tatra. Nach einem Oclgcinälde. BERLIN.

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