Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Sein erster Vers
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 879 - 880 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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S79 Theodor. Zlocisti: Sein erster Vers. SSO das Gelände schritten und so stolz und siegerhaft, .dass aller fremde. Gedanke und fremdes Fühlen sich scheu im Dickicht verbargen. Nun aber lagen die Worte verdrossen da und hüllten sich in dichte Schleier. Vor den Pforten der Seele Elis stand ein fremder "Wächter und hütete den Weg. Und es war, als läge Gestein davor, rotes, stumpfes, wie die Ziegel jener Schule, darinnen er seine Jugend begraben hatte. Und da die Weihe der Freundschaft nicht kommen mochte, schloss Eli das Buch und legte es in seinen Schrein, anderer Stunden zu harren. Eine Unrast der Seele, in der die Welten durcheinandcrrollten, trieb ihn, und er schritt mit schweren Schritten durch das Zimmer, dass die Dielen leise knarrten und fragend «.•inander stiessen, warum der Fuss die Ruhe ihres Schlummers verscheuchte. Aber Eli hörte ihr knarrendes Tuscheln und Fragen nicht. Er ging und ging. Auf und-.nieder. Vom Fenster zur Tür. Von der Tür zum Fenster. Und wenn er wie versunken ein Weilchen stehen blieb, trieb es ihn wieder zu Schritt und Schritt. Er presste die Zähne fest aufeinander. Furchen zogen durch seine Stirn, und die blasse Haut seines -Antlitzes bog sich zu tiefen Falten. Die Finger gruben sich in die Hand und vergraben waren alle Sinne. Es war wie ein Krampf in ihm, der nach Lösung rang. Er fühlte sich ein Fremder bei sich. Er war leer und L. IMLlCHOWSKr. Talmudstudium. ausgebrannt, voll harten Gesteins, das sich ineinander presste. Aber in seiner Seele fühlte er ein lohen und rote Flammen. Aber so fern, als blickte er von einem Berg in den brennenden Wald. Und doch war die Lohe wieder ganz in ihm. Er dachte nichts — es dachte i n ihm. Er grübelte nicht — es grübelte in ihm. In ihm sann es und keimte es von Gedanken,. Schmerzen "wanden sich wie ährenschwere Halme im Winde. Und es war wie das Schicksal, dessen Walten wir fühlen, dess Weg aber und Ziel verborgen sind. . , Unid leise öffneten sich wieder die Sinne. Hin fröstelte. Prickelnd schnellte eine eisige Welle an seinem Rücken empor und verlor sich in den dichten Locken. Und immer neue Wellen sprangen aus dunkler Tiefe und rieselten über die Haut. Und die Muskeln zuckten und bebten, und es war ein Zittern in allen seinen Gliedern. Sic krampften sich aneinander, dass eines das andere stütze und als wollten sie sich zum W^alle fügen, dass die Lohe der Seele nicht die Hülle sprenge. Da knöpfte sich Eli sein Gewand fester und stülpte den Kragen in die Höhe. Und als langsam wieder die Wärme durch ihn zog und ein wohliges Behagen ihn durchströmte, blieb er stehen. Stille wars in ihm geworden. Nun lauschte er in die Ferne. Die Uhr tickte. Tick . . . Tack. Bald leiser — so schien esihm — bald lauter, eindringlicher. Es war wie das Pochen eines Herzens, wie der Herzschlag der Stunde. Und es war Ruhe und besonnener Rhythmus in dem Ticken und ein Mahnen, das sich nur verkünden, und nicht aufdrängen will . . . Ganz der Andacht der bewegten Stille hingegeben, ward ihm jeder Ton zum Erlebnis. Dort ein leises Knarren. Dann ein Knacken. Eine Diele regte sich vom Schlummer empor. Ein Balken wand sich. Im Bücherschrank ein Knistern, als wäre in den Brettern die Erinnerung erwacht an einen Wald auf hohen Bergen. An der Haustür rüttelte der Sturm, der zu dem. Frieden der Menschen drängte. Ein Rascheln über die Stiege. Und dann ein Seufzer. . . . Es war eine Folge in denTönen und ein seltsamer Rhythmus. Sic gehörten zueinander. Und es war Eli, als sprächen alle Dinge um ihn das gleiche geheimnisvolle Wort; ein jedes nur in seiner Sprache. Und die Akkorde gingen in ihn ein und legten sich still in die Winkel der Seele und verstummten also, als wollten sie dem Sucher sich verbergen und den Sinn ihres Seins verstecken. Und immer neues Wunder wuchs aus der Nacht und trug seine schnelle Frucht in Elis Seele wie in eine Scheuer. Müde des Hin- und Wiedergehens stellte sich Eli an den Ofen. Eine letzte Wärme schlief träge noch in den weissen PARIS. Kacheln. Er presste seine Hände fest