Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Sein erster Vers
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 877 - 878 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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■'877 ■Theodor Zloci-iti: Sein erster Vers. 878 Ä **E L. PILICHOWSKl. Dem Gedächtnisse Chopins. PAKIS. rielitPto sich von seinem Lagop auf, und soinö Blicke, aus ebnen die letzte Qual und Angst heimlich schlichen, lasteten durch das Dunkel. Und langsam kehrte der Sinn der Orte wieder zu ihm ein. Dort nuisste die Tür sein, und dort war das Fenster, und wirklich: an dem Rahmen lagen geruhig graue Striche, verhärmt und trauernd, gleich wie Stiefkinder der Sonne, (Iie von der reichen. Tafel der Muttor verbannt waren. Eli entzündete ein kleines Licht, das neben seinem Lager stand. Spitze Pfeile schössen aus dem Gelb des Flämmchens und flogen gegen die Geister der schweren Träume, die noch in den dunkeln "Winkeln hockten, dass sie fliehend den Schutz des Ofens suchten und durch den Schornstein ins Freie eilten, um versteckt hinter stachligem Gesträuch neuer Schandtat zu harren. Sie wollten ihr Opfer nicht lassen. Und den Wall der Ferne, die den Sohn der Menschen in enge Kreise bannt, nicht kennend, schlichen sie hurtig heran, wenn Elis Lider sich senkten und die Sinne sich schlössen in plötzlicher Ermüdung; und sie haschten durch den Schornstein wieder in die Winkel und Ecken der Stube in der bösen Lust, die Last des roten, stumpfen Hauses wieder auf seine Brust zu wälzen. Und da Eli erkannte, dass er den schwirrenden Geistern der bösen Träume doch noch erliegen könnte, erhob er sich vollends von seiner Stätte, wusch mit kaltem Wasser von Kopf und Brust die nächtliche Schwere und legte seine Gewänder hastig an. So ging er in sein Arbeitszimmer, wo Freunde ihn über den Abgrund der Zeiten grüssten und ihn zu den lebenden Quellen ihres Geistes winkten. Er trat an das Regal, das vom Boden bis zur Höhe mit Büchern gefüllt war, die wie gute Kameraden aneinanderstanden, eines des anderen Stütze und Halt. Seine rechte Hand glitt an den Büchern vorbei, und es war kein suchendes Tasten, sondern ein Liebkos.n, ein Küssen der Finger und ein zartes Abschiednehmen. Und da die Hand auf ihrem Wege niederruhte, lag ein schweres, altes Buch darin. Die Blätter waren vergilbt, und mancher Flecken erzählte von Tränen und fiebernden Händen. Die Zeiten hatten mit dem Buche gerungen. Aber sie waren nicht wie Sieger von dannen gezogen, nur die Spuren ihres Sieges in die Blätter grabend. Die Zeit lag wie eine Gefesselte darin. Denn es war das Buch der Bücher, das die Zeiten bändigt. Und es fügte sich, da Eli das Buch aufschlug, dass ihn das Klagelied Jeremias, des schmerzgekrönt'Mi Propheten, mit weinendem Auge ansah: Wie liegt di1 Stadt so wüste, die voll Volks war! Sie ist wie eine Witwe, die Fürstin unter den Völkern. . . Eli versuchte fort und fort zu lesen. Aber es schien, als wären seine Augen leer. Die Worte standen stumm und so vereinsamt da, wi? Bergesgipfel, dazwischen sich keine Brücken wölben. Er mühte sich, in den Zauber der Worte einzudringen. Aber die Zeichen prallten von ihm ab und legten sich erschreckt in ihre Lager. Es war ein Fremdes zwischen Elis Blick und ihrer Würde, das den Frieden eines lauschigen Zwiespruchs störte. Nur wenn er ganz ihr Eigen war, konnte sie ganz sein Eigen sein. Wenn sie sich ganz aus ihrem Lager lösten, so wollten sie zu ihm kommen, wie Kinder, die aus ihrem Bettchen hüpften, um in di > feste Umarmung der Mutter zu springen. Sie wollt n nur in Augen ziehen, in denen nur eine Sehnsucht glühte. Sie kannten die Hänge und Schluchten in Elis Seele und wussten treue Freunde darin, mit denen sie Arm in Arm versonnen und versunken durch