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Ost und West · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. Seite 845 - 846

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
Illustrationen zu Russlands Judenpolitik in den letzten Monaten
Date
1911-10-01
Page
Seite 845 - 846 (sequence 2)
Language
German
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845 Illustrationen /ai Russlands Judenpolitik in ilen letzten Monaten. 846 sondern einer gewerblichen Prüfung und Lieferung eines Probestückes ausüben. Aus Odessa u. a. alle jüdischen P a t i c n i e n der Walichowska-Abteilung des städtischen K r a n - kenhauses. Sie hatten unverzüglich das Spital zu verlassen und sich nach dem „Ansiedhingsrayon** zu begeben. * *• * Aus Petersburg jene jüdischen Handwerker, die dort allmonatlich in der Zahl von 70 bis 80 aus den Genossenschaften ausgeschlossen worden, damit sie ihr Wohn rocht verlieren. * * * Entscheidung der Gouvernements-Verwaltung von Kiew: jüdische „Ewige Ehrenbürger" haben nicht <las Recht, in Kiew zu wohnen und müssen die Stadt verlassen. (Bisher durften sie ungestört wohnen.) * * * Im Tschernigower Gouvernement finden II e t z - j a g d c n auf die in die W aide r geflüchteten Juden statt. * * * In Duschcnjaty und in Popowa Gora entfernt, e n die Polizisten in den jüdischen Wohnungen I iei 30 G r a d Frost die Fenster und T ü r e n , um so die Insassen, zum sofortigen Auszug zu zwingen. * * * Die Kiewer Obrigkeit hat das Institut der 0 b - 1 awa eingeführt. Die Polizei überfällt die jüdischen Familien bei Nach t. Wer sein Wohnrecht nicht auf der Stelle dokumentarisch nachweisen kann, wandert ins Polizeirevier, wird dann mit Verbrechern zusammengesperrt und abgeschoben. — Noch geflüchteter sind die Oblawen hei Tag. Diese erstrecken sich dann oft auch auf die eleganten Läden des Stadtzentrums. Häufig wird dann überhaupt an dem Überfallenen Orte keine Prüfung der Dokumente mehr vorgenommen, sondern alle vorgefundenen Juden müssen unter verstärkter Eskorte ins Revier, wo erst die Prüfung stattfindet. * * * Nikolajcw wird Kriegshafen, wodurch es nach dem Wortlaut des Gesetzes nur für privilegierte Juden offensteht. Dadurch verfallen 16 000 Juden der Ausweisung. Irgendeine Milderung wird viel leicht doch noch erfolgen. — Diese traurige Wendung hat Nikolajcw bereits ausser Stand gesetzt, die Zinsen einer Anleihe, die die Stadt in London aufgenommen hatte, zu zahlen. Ganz dasselbe Schicksal traf übrigens auch Saratow infolge der Massenausweisung dortiger Juden. * * Womit sich der Senat beschäftigt: Hat die Witwe eines jüdischen Kaufmanns erster Gilde das Recht, zusammen mit ihren Söhnen in Moskau zu wohnen und das Geschäft ihres Mannes weiterzuführen? Aus Shnbirsk wird ein jüdischer Bäcker namens Kalmück ausgewiesen, aber zugleich arretiert, damit die Familie des Verhafteten die Geschäftsliquidation schneller besorge. * * * Das Dorf Idriz im Gouvernement Witcbsk gehört zu einer Hälfte zum Bezirke Mogiliansk und zur anderen Hälfte zum Bezirke Neporotow. Die Gouverncmentsverwaltung vertrieb den im Mogiliansker Dorfteil geborene n Juden Aronow, weil er auch in der anderen Hälfte Handel trieb, aus dem — ganzen Dorf. * * * Der Gouverneur von Nischni-Nowgorod wollte eine ganze Menge jüdischer K.aufloute, die zur dortigen berühmten Messe kamen, nicht zulassen. Die erschreckte Bevölkerung setzte es in Petersburg durch, dass die Massregel in ihrer Allgemeinheit nicht verfügt wurde. Indessen wurde eine Anzahl jüdischer Kauflcute doch ausgewiesen. Der Markt ist beunruhigt und das Geschäft ist flau. * * * A. Schepselewitsch, ein Kaufmann erster Gilde in Irkutsk, daher berechtigt, in ganz Russland zu wohnen, reiste nach der chinesischen Grenze, um Seide zu übernehmen. In Omsk übernachtend, wurde er aus dem Bette geholt und inusste sofort nach Irkutsk zurück. Der Gouverneur, an den er sich wandte, sagte ihm wörtlich: ,,Ich wundere mich, wie Sie sich gegen das Gesetz erlauben durften, mein Gouvernement zu betreten, und ich kann es durchaus nicht gestatten, dass Sie durch mein Gouvernement reisen.*" * * * Die Zulassung jüdischer Kaufleute zu den sibirischen Märkten durch den Ministerrat abgelehnt. * * * Der Ministergehilfe Krvzanowski hat jenen jüdischen Lehrern, die nach Petersburg kamen, um sich in den dort veranstalteten Sommerkursen in ihrem Berufe zu vervollkommnen, den Aufenthalt in Petersburg riieht gestattet. * * Massenausweisungen jüdischer Sommergäste aus ländlichen Gebieten ausserhalb des „Ansicdlungsrayons". In der Umgebung Petersburgs wurde das Unheil infolge der Bemühungen der verzweifelten Bauern vorläufig noch grösstenteils abgewendet. Der Gouverneur entschuldigte seine Verfügungen damit, dass er nicht gewusst habe, dass sie so schädlich sein könnten. * * In Lazarewka mussten alle jüdischen Sommergäste den Ort b inne n zwei St u n d e n verlassen. Sie mussten mit ihrem Gepäck auf dem Rücken zur nächsten Station. Auch einem Schwerkranken Hess in an nicht Zeit, einen Wagen zu suchen; auf Krücken musste er sich zur Station schleppen. * * * Der Gouverneur von Nischni-Nowgorod erhielt vom Ministerium des Innern die Instruktion, dass Juden, die , das Wohnrecht in Nischni-Nowgorod

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